Andreas Raelert und Horst Reichel beim Ironman in Kopenhagen

Es ist seine letzte Chance: Andreas Raelert will beim Ironman Copenhagen sein Ticket nach Hawaii lösen - dafür genügt dem Rostocker im Grunde bereits ein Finish. Dem Deutschen Horst Reichel wäre das dagegen zu wenig. Hawaii spielt für den Hessen zwar keine Rolle, aber er will in Dänemark seinen zweiten Ironman-Sieg feiern.

Von > | 18. August 2016 | Aus: SZENE

Cannes International Triathlon 2016 - 26 | Andreas Raelert beim Cannes International Triathlon

Andreas Raelert beim Cannes International Triathlon

Foto >José Luis Hourcade

Er hatte sich das alles so leicht vorgestellt - und die Vorzeichen standen ja auch gut. Nach seinem zweiten Rang beim Ironman auf Hawaii im vergangenen Jahr hatte Andreas Raelert punktetechnisch bereits ausgesorgt für seine erneute Hawaiiqualifikation. Alles, was dem Rostocker von da an noch fehlte, war ein Finish in einem Ironman-Rennen über die volle Distanz, um das Ticket nach Kona erneut zu lösen und mit 40 Jahren noch einmal seinen Traum vom Sieg auf Big Island zu verfolgen. Mit dem Rückenwind neuer Vaterfreuden wählte er dafür den Ironman in Frankfurt Anfang Juli aus, wo er nicht einfach nur finishen, sondern im Kräftemessen mit Andreas Böcherer und Sebastian Kienle auch ein Ausrufezeichen setzen wollte. Etwas mehr als einen Monat vor dem Rennen aber die Hiobsbotschaft: Eine Stressfraktur im Oberschenkel zwang Raelert zu einer ungeplanten Pause und verhinderte seinen Start. Dass er seinen Traum vom Hawaiisieg trotzdem nicht begraben möchte, ließ Raelert allerdings schnell verlautbaren. Der Ironman Copenhagen soll dem 40-Jährigen nun als Steigbügelhalter nach Hawaii dienen. Es ist seine letzte Chance, es in diesem Jahr doch noch auf die Insel zu schaffen. Denn nach dem Rennen in Kopenhagen am 21. August schließen die Qualifikationslisten für die Weltmeisterschaften 2016.

Raelert und Möller kämpfen um Hawaii

Raelert benötigt in Kopenhagen daher zumindest ein solides - im Ironman-Sprech: "wettbewerbsfähiges" - Finish, um sich seines erneuten Hawaiistarts sicher sein zu können. Einem anderen Deutschen wäre das zu wenig: Für den Hessen Horst Reichel spielt der Ironman Hawaii in diesem Jahr zwar keine Rolle, allerdings will der 34-Jährige seinen zweiten Ironman-Sieg einfahren. Es wäre zugleich sein zweiter Erfolg in Skandinavien: Im Jahr 2014 entschied er den Ironman Kalmar in Schweden für sich. Ein dritter Platz bei der zum Duathlon umgewandelten Challenge Heilbronn im Juni und der zweite Rang hinter dem Franzosen Bertrand Billard in Budapest legen nahe, dass sich Reichel in guter Verfassung befindet - allerdings wird er die auch brauchen. Allen voran der 44-jährige Routinier Cameron Brown (NZL) könnte für Reichel eine harte Nuss werden, außerdem sind auch Anthony Costes (FRA), Alberto Casadei (ITA), Patrik Nilsson (SWE), Will Clarke (GBR), Esben Hovgaard (DEN), Mike Schifferle und Mike Aigroz (beide SUI) nicht zu unterschätzen. Gemeldet hat außerdem auch Per Bittner, der, startet er wirklich, in Kopenhagen nach dem durchwachsenen achten Rang bei der Challenge Roth vor einem Monat seine fünfte Triathlon-Langdistanz binnen elf Monaten bestreiten würde. Markus Liebelt komplettiert das deutsche Profi-Aufgebot in Dänemark.

Profi-Frauen sind in Kopenhagen nicht am Start - die starten nämlich parallel und unter Ausschluss der Profi-Männer an Reichels Erfolgsstätte im schwedischen Kalmar. Unter den nur sieben gemeldeten Frauen finden sich gleich drei deutsche Namen: Nicole Woysch, Caroline Lehrieder und Kristin Möller haben für den Wettkampf gemeldet. Ähnlich wie für Raelert ist das Rennen für Moeller die letzte Chance, noch den Sprung in den Flieger nach Hawaii zu schaffen. Denn auch für sie hatte sich der Sommer ungünstig entwickelt: Beim Ironman in Frankfurt musste Möller beim Schwimmen unterkühlt aufgeben - und beim Ironman UK wenig später wegen eines Defekts ihrer Schaltung. Beim Ironman Switzerland finishte sie zwar kurz darauf, nach dem Trainingsrückstand durch die vorherigen "Wettkampfwochen" landete sie aber nur auf dem elften Rang, eine Stunde hinter der Siegerin Daniela Ryf. Zuvor hatte sie wegen gesundheitlicher Probleme schon das Ironman-Rennen in Südafrika absagen müssen. Damit es in Kalmar besser läuft und sie doch noch den Flug nach Hawaii erwischt, muss Möller neben den deutschen Konkurrentinnen möglichst auch Lucie Zelenkova (CZE), Rahel Belinga (NED), Julia Montgomery und Jessica Ahlung (beide SWE) hinter sich lassen.