Aufbruch ins Ungewisse

Die Premiere des Ironman Hamburg zieht viele Langdistanz-Novizen an – so auch Hannah von Racing Aloha, die sich in das Abenteuer stürzen wird.

Von > | 8. August 2017 | Aus: SZENE

Hannah von Racing Aloha gibt ihr Langdistanz-Debüt.

Hannah von Racing Aloha gibt ihr Langdistanz-Debüt.

Foto >Privat

Jeder kennt sie, die besondere Daten im eigenen Leben – bei mir sind zwei neue dazugekommen:

  1. der 15.11.2016
  2. der 13.08.2017

Bei Datum Nummer 1 habe ich mit ein paar Mausklicks fast mein komplettes studentisches Monatsbudget ausgegeben. Bei Datum Nummer 2 werde ich das, was ich bei Datum Nummer 1 getan habe, wahrscheinlich verfluchen.

Ich bin Hannah, 26 Jahre alt, gehöre zu den Racing-Aloha-Mädels und möchte am Sonntag meine erste Langdistanz in Hamburg finishen. Warum eine Langdistanz? Ganz genau weiß ich es gar nicht, aber die Vorstellung, mental und physisch kämpfen zu müssen, reizt mich. Nun bin ich angemeldet für den Ironman Hamburg und habe dabei schon fast meinen Maximalpuls erreicht, meine Finger haben ordentlich gezittert, aber das Gefühl nach dem letzten Mausklick war überragend.

Durch die Challenge in Roth durfte ich bereits als Kind Langdistanzluft schnuppern, wenn aus Papas alljährlichem Start ein Campingabenteuer für meine Geschwister und mich wurde. Jetzt heißt es wohl: Familiencamping ade und selbst ran an die 226 Kilometer.

Seit den entscheidenden Mausklicks im November habe ich viel erleben dürfen: Ich habe mein Praktisches Jahr in der Medizin begonnen und bin das erste Mal selbst verantwortlich für Patienten. Sportlich gab es wunderschöne Einheiten mit lieben Menschen, aber auch viele Kilometer allein, mal im Sonnenschein, mal im strömenden Regen, mal frisch und voller Energie, mal müde und froh, wenn es geschafft war. Ich hatte das Glück über Teeplantagen auf Sri Lanka joggen zu dürfen, Rad zu fahren in den wunderschönen Bergen des Allgäus und vor den schneeweißen Stränden Thailands schwimmen zu können. Und auch auf Fuerteventura in bester Gesellschaft trainieren zu können.

Es gab Tage, da konnte ich gefühlt Berge versetzen, aber es gab auch Zeiten, in denen das Training zur absoluten Nebensache wurde, weil das Leben eben auch noch andere wunderschöne, aber auch sehr traurige Ereignisse bereit hält.

All die Emotionen und das Erlebte der letzten Monate werde ich mitnehmen in meinen längsten Tag des Jahres und zu ganz viel Kraft bündeln – so zumindest der Plan. Und wenn es am Ende gar nicht mehr geht, dann gibt es die Zuschauer, die tragen einen bekanntlich ins Ziel.

Vor allem möchte ich aber das Rennen genießen (habe ich schließlich auch bezahlt!). Und ein Leuchten in den Augen haben, welches ich bei meinem Papa so oft sehen durfte, wenn er ins Ziel kam. An dieser Stelle schon mal einen großen Dank an die, die mich begleitet haben und ich wünsche allen Athleten einen grandiosen Tag!

Bis dahin,

Aloha, Hannah