Australien bejubelt WM-Titel, Deutschland chancenlos

Das australische Triathlon-Team ist seiner Favoritenrolle in der Mixed Relay gerecht geworden, tat sich aber überraschend schwer. Die Deutschen verpokerten sich.

Von > | 16. Juli 2017 | Aus: SZENE

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Der Plan der Deutschen Triathlon Union (DTU) für die Weltmeisterschaften in der "Mixed Relay", einem Format, das im Jahr 2020 erstmals Teil der Olympischen Spiele sein wird, war durchdacht, aber auch offensiv angelegt. In der Vergangenheit hatte sich bei den Rennen auf dem Hamburger Rathausmarkt gezeigt, dass es bei der Mixed Relay, in der abwechselnd zwei Frauen und zwei Männer einer Nation jeweils einen Minitriathlon über 300 Meter Schwimmen, sieben Kilometer Radfahren und 1,6 Kilometer Laufen absolvieren, besonders wichtig ist, anfangs erstmal vorne dabei zu bleiben. Doch die DTU hoffte auf eine Top-Fünf-Platzierung - und pokerte deshalb höher, indem sie die stärkste Frau, Laura Lindemann, nicht an den Start, sondern an die dritte Position setzten, wo sie möglicherweise den Unterschied machen könnte, wenn sich das Feld allmählich zu teilen beginnt.

DTU-Team rennt früh hinterher

Stattdessen stellte die DTU in Hamburg die eigens für die Staffel angereiste Anja Knapp auf die Startposition, für die man nach dem Laufen bis zu 15 Sekunden Rückstand auf die Spitze beim Wechsel auf den nächsten Athleten einkalkuliert hatte. Diese Theorie ging auch fast auf, war aber zu optimistisch: 18 Sekunden hinter der Führenden Yuka Sato (JPN) übergab Knapp als 14. auf den jungen Moritz Horn, der als herausragender Schwimmer gilt und bei der Nominierung den Vorzug vor dem tags zuvor im Eliterennen gestarteten Justus Nieschlag erhalten hatte. Als einer von nur wenigen Sportlern startete Horn ohne Neoprenanzug auf die 300 Meter Schwimmen. Die Idee: Horn schwimme ohnehin gut und sollte damit Sekunden beim Wechsel sparen - und zum Ende des ersten Wechsels, nach seiner Paradedisziplin, mindestens an die erhoffte Verfolgergruppe der Spitze aufgeschlossen haben.

Das Problem: Die vor ihm liegenden Gruppen waren auch für den engagiert und hochmotiviert agierenden Horn zu weit weg, und so war das Rennen um die Top-Plätze für das junge deutsche Team früh gelaufen. Horn jagte der breiten Spitze zusammen mit Vicente Hernandez (ESP) vergeblich hinterher, verlor dabei viel Zeit und übergab rund eine Minute hinter den Spitzenleuten um Dorian Coninx (FRA) auf Laura Lindemann. Diese machte dann zwar Positionen gut und ermöglichte es dem Schlussläufer Lasse Nygaard-Priester, zu einer Verfolgergruppe aufzuschließen. Vorn aber setzten mittlerweile andere Akzente: Die dritte US-Amerikanerin, Katie Zaferes, setzte sich mit einem starken Schwimmen ab und versuchte, sich auf dem Rad ein Polster auf eine Verfolgergruppe aus Joanna Brown (CAN), Rachel Klamer (NED) und Lucy Hall (GBR) zu erarbeiten, während die ebenfalls starke Radfahrerin und Läuferin Ashleigh Gentle von den - in der Papierform - vor dem Rennen favorisierten Australiern durch einen schwachen Wechsel zunächst den Anschluss verlor.

Birthwhistle souverän

Deutlich lösen konnte sich Zaferes aber nicht. Die US-Amerikanerin, deren schwächste Disziplin in den vergangenen Jahren eben das Radfahren war, wechselte rund 15 Sekunden vor dem Verfolgertrio auf die Laufstrecke und auch auf den Schlussläufer Matthew McElroy, der eine sportliche Unbekannte im US-Team darstellte. Wieso er international im Kurzstreckentriathlon bisher kaum auffällig geworden war, zeigte sich beim Schwimmen: Dort fiel McElroy sogar hinter Alexis Lepage (CAN) zurück, der anschließend auf dem Rad ein Spitzenduo mit McElroy bildete - bis Lepage im Hamburger Regen wegrutschte, stürzte und sich zwar prompt wieder aufrichtete, aber in die Verfolgergruppe um Thomas Bishop (GBR), Jacob Birtwhistle (AUS) und Jorik van Egdom (NED) zurückfiel. Mit diesen Begleitern schloss er aber pünktlich zum zweiten Wechsel wieder zu McElroy auf, und so startete eine fünf Mann große Spitzengruppe auf die Laufentscheidung über 1,6 Kilometer.

Dort hatte wie erwartet Jacob Birtwhistle, der schon beim "Super League"-Event im Frühjahr auf kurzen Laufstrecken überzeugt hatte, die schnellsten Beine, tat sich im Kampf um den Sieg aber überraschend schwer. Erst 150 Meter  vor dem Ziel konnte sich der Australier von Matthew McElroy lösen, der der USA mit starker Performance den zweiten Rang sicherte. Den dritten Rang erkämpfte etwas überraschend die Niederlande durch Schlussläufer Jorik van Egdom. Lasse Nygaard-Priester erkämpfte dem deutschen Team, das zwischenzeitlich bis auf Rang 15 zurückgefallen war, noch den zehnten Platz.

Mixed Relay-WM 2017

Hamburg, 16. Juli 2017

Nation

Starter

Gesamt

Athlet 1

Athlet 2

Athlet 3

Athlet 4

1

Australien

McShane, Hauser, Gentle, Birtwhistle

1:22:38

00:21:14

19:47

21:51

19:48

2

USA

Kasper, Kanute, Zaferes, Mcelroy

1:22:42

00:21:14

19:38

21:24

20:28

3

Niederlande

Caelers, Van Der Stel, Klamer, Van Egdom

1:22:47

00:21:23

19:49

21:21

20:17

4

Großbritannien

Coldwell, Benson, Hall, Bishop

1:22:52

00:21:15

19:52

21:35

20:11

5

Kanada

Kretz, Mislawchuk, Brown, Lepage

1:23:04

00:21:30

19:35

21:26

20:35

6

Frankreich

Lehair, Coninx, Morier, Luis

1:23:49

00:21:24

19:25

22:37

20:24

7

Südafrika

Sanders, Schoeman, Radford, Murray

1:24:05

00:21:21

19:37

23:23

19:44

8

Schweiz

Annen, Salvisberg, Berger, Briffod

1:24:08

00:21:15

19:54

23:01

20:00

9

Neuseeland

Lynch, Sissons, Hewitt, Dodds

1:24:11

00:21:46

20:36

21:52

19:59

10

Deutschland

Knapp, Horn, Lindemann, Nygaard-Priester

1:24:26

00:21:30

20:21

22:17

20:20

11

Japan

Sato, Furuya, Takahashi, Maeda

1:24:41

00:21:12

20:18

22:17

20:56

12

Spanien

Routier, Hernandez, Santiago, Castro Fajardo

1:25:02

00:21:28

20:07

22:32

20:57

13

Russland

Abrosimova, Vasiliev, Matiukh, D. Polyanskiy

1:25:03

00:21:22

20:43

22:27

20:32

14

Ungarn

Kovács, Tóth, Bragmayer, Faldum

1:25:15

00:21:49

20:32

22:20

20:35

15

Italien

Zane, Fabian, Steinhauser, De Ponti

1:25:24

00:21:29

20:03

22:55

20:59

16

Dänemark

Kjær Pedersen, Schilling, Bendix Madsen, Deleuran Hansen

1:25:32

00:22:17

20:04

22:18

20:55

17

Belgien

Michel, Geens, Swannet, De Keyser

1:25:50

00:21:14

19:44

24:11

20:42

18

Brasilien

Lopes, Messias, Oliveira, Pimentel

1:27:29

21:55

21:14

22:50

21:32

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