Bart Aernouts gewinnt die Challenge Roth

Bart Aernouts hat die ereignisreiche Challenge Roth 2017 für sich entschieden. Nils Frommhold und Maurice Clavel sorgten für Furore - teils unfreiwillig.

Von > | 9. Juli 2017 | Aus: SZENE

Sieger der Challenge Roth 2017: Bart Aernouts

Sieger der Challenge Roth 2017: Bart Aernouts

Foto >Daniel Eilers / spomedis

Das Challenge-Team hatte sich so ein schönes Setting ausgedacht: Die Widersacher von 2014 und 2015, Timo Bracht und Nils Frommhold, hatten sie zu einem dritten Duell erneut vereint. Eines, das zugleich einen emotionalen Abschied für Timo Bracht bedeuten sollte, der in Roth in sein letztes großes Langdistanzrennen als Profi starten und ein letztes Mal ganz vorne mitmischen wollte. Am Ende kam alles ganz anders, wenn auch nicht weniger spektakulär. Dabei hatte alles noch nach dem erdachten Drehbuch begonnen.

Frommhold attackiert am Solarer Berg

Denn wie erwartet drückte auf den ersten 3,8 Kilometern zunächst vor allem Maurice Clavel aufs Tempo. Der Freiburger, der in Roth seine Langdistanzpremiere bestritt, ist als herausragender Schwimmer bekannt - weshalb vor allem der ebenfalls in Freiburg lebende Nils Frommhold darauf hoffte, dass sich beim Schwimmen eine kleine Gruppe um Clavel und ihn selbst lösen könnte. So klein, wie von Frommhold erhofft, war diese Gruppe in Realität allerdings nicht. Im Gegenteil ging eher der Plan von Timo Bracht auf, der es schaffte, in der zehn Mann großen Spitzengruppe um Frommhold, Clavel, Per Bittner und Terenzo Bozzone (NZL) mitzuhalten.

Aus dieser Gruppe fielen auf den ersten Radkilometern nur wenige Athleten heraus, bis sich nach 70 Kilometern Nils Frommhold ein Herz fasste: Am Solarer Berg setzte der Freiburger eine Attacke und löste sich prompt von der Gruppe, die sich in der Folge ebenfalls ausdünnte. Maurice Clavel, Terenzo Bozzone und Timo Bracht fanden sich zunächst als die drei hartnäckigsten Verfolger zusammen, dann fiel erst Bracht, später auch Bozzone aus dieser Verfolgergruppe heraus - und Clavel jagte Frommhold alleine hinterher.

Clavel sammelt Führungskilometer

Wenige Kilometer vor dem zweiten Wechsel sah der sich aber plötzlich in Begleitung des Führungsmotorrads. Denn Nils Frommhold, der zu diesem Zeitpunkt rund fünf Minuten Vorsprung auf Clavel hatte, kollidierte bei einer Überrundung mit einer Teilnehmerin und musste ohne schwere Verletzung wegen eines gebrochenen Lenkers aussteigen. So wechselte Clavel führ ihn selbst unerwartet in Führung liegend auf die Laufstrecke, zwei Minuten vor Timo Bracht, viereinhalb Minuten vor Terenzo Bozzone und sogar sechseinhalb Minuten vor Bart Aernouts (BEL).

Auf der Laufstrecke baute Clavel dieses Polster auf Bracht anfangs auch kontinuierlich aus. Doch es drohte andere Gefahr: Bart Aenouts rückte dem Langdistanzrookie mit langen Schritten näher. Nach 27 Kilometern war es dann soweit und der Belgier, der erst im Mai den Ironman Lanzarote gewonnen hatte, flog an seinem BMC-Etixx-Teamkollegen vorbei zum sicheren Sieg – dem zweiten eines Belgiers seit 1997, als Luc van Lierde den Wettkampf (unter Ironman-Label) in damaliger Weltbestzeit von 7:50:27 Stunden gewann. 

Bei Clavel schwanden mit zunehmender Renndauer immer mehr die Kräfte. Ein ganz anderes Bild zeigte sich bei Joe Skipper, der wie entfesselt auflief und immer mehr Zeit auf Clavel gut machen konnte. Bei Kilometer 36 stellte der Brite seinen deutschen Kontrahenten und rannte nach einem 2:46-Stunden-Marathon als Zweiter ins Rother Stadion. Clavel, der bei Kilometer 40 auch noch mit Krämpfen zu tun hatte, kämpfte sich bei seinem Langdistanz-Debüt nach 8:04:53 Stunden als Dritter ins Ziel, wo er sich fortan nur noch gestützt fortbewegen und auf den Beinen halten konnte. Der Mann mit der Startnummer 1, Timo Bracht, sicherte sich den vierten Rang in seinem Abschlussrennen. Im Ziel wurde es emotional. Er sagte nach dem Rennen sichtlich berührt: "Triathlon ist Schwimmen, Radfahren, Laufen – doch heute war Triathlon für mich weit mehr."

Challenge Roth 2017 | Männer

  1. Juli 2017, Roth

Platz

Name

Nation

Gesamt

Swim (3,8 km)

Bike (180 km)

Run (42,195 km)

1

Bart Aernouts

BEL

7:59:07

52:55

4:19:02

2:44:10

2

Joe Skipper

GBR

8:03:00

53:07

4:19:53

2:46:44

3

Maurice Clavel

GER

8:04:53

48:29

4:16:42

2:56:30

4

Timo Bracht

GER

8:07:01

48:42

4:18:42

2:56:37

5

Terenzo Bozzone

NZL

8:11:34

48:35

4:21:39

2:58:39

6

Brad Kahlefeldt

AUS

8:12:55

48:34

4:29:50

2:51:32

7

Allan Dougal

NZL

8:14:43

55:23

4:17:41

2:58:57

8

Roman Deisenhofer

GER

8:16:29

52:06

4:21:22

3:00:22

9

Per Bittner

GER

8:17:15

48:54

4:26:56

2:58:41

10

Markus Hörmann

GER

8:23:25

52:50

4:28:06

2:59:36

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