Eine Bestandsaufnahme, 321 Tage vor dem Start

Noch 321 Tage sind es von heute bis zum Start des ersten Ironman Hamburg. Noch genug Zeit, um nicht in Panik zu verfallen. Und um das Jahr 2017 anders anzugehen als 2016.

Von > | 25. September 2016 | Aus: Szene

Ironman 70.3 Mallorca 2015 - Streckencheck - 18 | Ironman 70.3 Mallorca 2015 - Streckencheck - 18

Mitteldistanz 2016: Der Streckencheck drei Tage vor dem Ironman 70.3 Mallorca und das Rennen selbst machen 20 Prozent der diesjährigen Radkilometer des Autors aus.

Foto > Michael Rauschendorfer

Es war nur ein kleiner Mausklick, aber er hatte so große Auswirkungen: Vor ein paar Tagen habe ich mich für den Ironman Hamburg angemeldet. Ich stehe auf der Liste der etwa 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Premiere des Rennens in meiner Heimatstadt. Nun liegt es an mir, dafür zu sorgen, dass ich den Platz auf dieser Liste auch verdiene. Denn der Ironman Hamburg hat 226 Kilometer. Auch für mich. 

Nachdem die Formalitäten geklärt sind, ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wo stehe ich in dieser Triathlonwelt? Wenn ich die nackten Zahlen sehe, dann jedenfalls ganz am Anfang. Ich war schon immer ein Zahlenfreak, und für die 2016 stehen bisher zu Buche: 57,8 Kilometer Schwimmen. 972 Kilometer auf dem Rad. Und 386 km Laufen. Jeweils inklusive einer Kurz- und zwei Mitteldistanzen, wohlgemerkt.

Die Mitteldistanzen sind es, die mir Mut machen – denn die beiden Rennen auf Mallorca und in Lübeck habe ich in diesem Sommer ja auch geschafft. Da wird es mit ordentlichem Training doch auch möglich sein, die doppelte Strecke zu absolvieren. Und damit ist das Problem auch schon benannt: Was ist eigentlich ordentliches Training? Es ist aus heutiger Sicht jedenfalls ein anderes als das, was ich vor meinen fünf Langdistanzen zwischen 1995 und 1998 gemacht habe. Viel half damals viel.

Für das erste Viel habe ich heute allerdings keine Zeit. Ich habe eine Firma und eine Familie und damit eine verdammt große Verantwortung, neben der zeitlichen Belastung. Da ist kein Platz für Trainingseinheiten, die kein Ziel und keinen Sinn haben. Darum stehe ich auch schon jetzt im Training, ich brauche als Wiedereinsteiger mehr Vorlauf, da ich später keine 20-Stunden-Wochen auf den Asphalt zaubern kann.

Auch wenn der Sommer sich zum Ende auch in Hamburg noch einmal von seiner schönsten Seite zeigt, ist klar: Nach der jährlichen Redaktionsreise zum Ironman Hawaii kommt die dunkle, nasse, kalte Jahreszeit. Und bis der Sommer zurückkehrt, habe ich mir vier ineinander übergehende Phasen der Vorbereitung auf die Saison vorgenommen.

Phase 1: Abnehmen 

Die Phase habe ich bereits hinter mir: Check! Ich habe aus der Not der miserablen Journalistenverpflegung bei den Olympischen Spielen in Rio eine Tugend gemacht und ein erfolgreiches Abnehmprogramm gestartet. 84 Kilogramm habe ich vor den Spielen gewogen, mit 73 habe ich inzwischen Wettkampfgewicht. Oder jedenfalls eins, mit dem Laufen richtig Spaß macht.

Phase 2: An Belastungen gewöhnen

Nachdem ich in der Vergangenheit nur sporadische Einheiten absolviert habe, muss ich meinen Körper und meinem Kopf erst mal wieder in den Trainingsmodus bringen. Und das kann mitunter sehr lustig sein. Zum Beispiel, wenn der austrainierte Redaktionsvolontär Simon in schallendes Gelächter ausbricht, weil meine Triathlonuhr auch am Morgen nach dem letzten Lauftraining noch eine Rest-Regenerationszeit von 63 Stunden anzeigt. Diesen Drahtseilakt zwischen Belastung und Erholung gehen Triathleten auf allen Leistungsniveaus - ich bin gespannt, ob er mit gelingt.

Phase 3: Grundlagen schaffen

Nein, damit meine ich nicht endlose GA1-Trainingseinheiten. Die habe ich ja schon in den 90ern gemacht und ich bin erstaunt, wie gut sich mein Körper doch gelegentlich an die damalige Aufbauarbeit und Leistungsfähigkeit erinnert. Nein, ich meine die Grundlagen, die einen Triathleten insgesamt ausmachen: Gewicht (siehe oben). Lebensstil. Ernährung. Technik. Ausstattung. Und verdammt noch mal Rumpfstabi, meine große Problemzone.

Phase 4: Eine Philosophie entwickeln

Mein Training für den Ironman Hamburg muss hochindividuell sein, ein Programm von der Stange wäre bei mir mit meinen ständig wechselnden Beanspruchungen außerhalb des Sports zum Scheitern verurteilt. Mit steigender Formkurve verfestigen sich bei mir einige Überzeugungen, wie ich dieses Projekt in Angriff nehmen muss, um es erfolgreich abzuschließen. Ein hochindividuelles Trainingslager ist seit Freitag gebucht. Doch dazu an anderer Stelle mehr ...