Böcherer und Frommhold mit unterschiedlichen Gefühlen nach St. Pölten

Nach verkorkstem Saisonauftakt will Andreas Böcherer am Sonntag zum dritten Mal den Ironman 70.3 St Pölten gewinnen. Die Konkurrenz kommt auch aus der Heimat.

Von > | 18. Mai 2017 | Aus: SZENE

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Ein plattes Vorderrad zerstörte vor zwei Wochen bei der Challenge Rimini Andreas Böcherers Hoffnungen auf einen gelungenen Saisonstart schon beim ersten Wechsel. Beim Beheben des Defekts verlor Böcherer viel Zeit, die der 34-Jährige auf dem Rad aufzuholen versuchte - wobei er dann so überzog, dass letztlich nur der 14. Gesamtrang stand. Für den Zweiten der Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt ist das natürlich kein gutes Ergebnis. Froh, das Rennen durchgezogen zu haben, sei Böcherer trotzdem, "denn im Training kam am vergangenen Wochenende der erhoffte Schub", erklärt Böcherer wenige vor dem Ironman 70.3 St. Pölten. Noch besser aber drückt wohl ein Facebook-Post des Freiburgers aus, wie gut ihm das Wochenende zwischen den Rennen in Rimini und St. Pölten getan haben muss: "Fresse und Selbstbewusstsein aufpoliert - check!", schrieb Böcherer am Sonntagabend.

Endlose Profi-Liste, Göhner kehrt zurück

Die Form scheint sich bei Böcherer also in die richtige Richtung zu entwickeln - und die Konkurrenten sollten den Freiburger nach dem durchwachsenen Saisonstart in Rimini am Sonntag mit einer hohen Grundaggressivität am Start erwarten. In St. Pölten müssen für Böcherer auf dem Weg zu seinem dritten Sieg aber auch die Kleinigkeiten stimmen, denn das Feld hat es in sich. So wird eineinhalb Monate nach dem Ironman Südafrika Nils Frommhold wieder ins Renngeschehen einsteigen - und das mit einer nach dem zweiten Rang in Südafrika gänzlich anderen Stimmungslage als Böcherer: Erleichtert, zuversichtlich und hungrig wie schon seit fast zwei Jahren nicht mehr präsentiert sich Frommhold derzeit. Da er auch im Training mit seinem neuen Coach Philipp Seipp vermehrt auf hohe Intensitäten setzt, könnte ihm die Mitteldistanz liegen - sofern Frommhold wenige Wochen nach seinem ersten Langdistanzrennen der Saison denn schon wieder in einer konkurrenzfähigen Form ist (mehr über Nils Frommhold lesen Sie in triathlon 150, die am 24. Mai erscheint). Und noch ein dritter Freiburger kann sich Siegchancen ausrechnen: Böcherers Trainingskollege Maurice Clavel hat das Rennen vor seiner Langdistanzpremiere in Roth als Standortbestimmung eingeplant und könnte zusammen mit Ex-Schwimmer Florian Angert, der mit Frommholds Coach Philipp Seipp zusammenarbeitet, schon in der Auftaktdisziplin für viel Bewegung und große Abstände sorgen.

Angesichts von nur 750 Kona-Punkten, die es in St. Pölten zu holen gibt, wäre das Rennen mit diesen vier Deutschen bereits stark besetzt - tatsächlich ist die Liste der Podestanwärter aber noch viel länger. Ganz weit oben einzuordnen ist der WM-Dritte Ruedi Wild (SUI), der es wie nur wenige andere versteht, beim Laufen ganz bei sich selbst zu bleiben und Wettkämpfe dadurch auch noch spät für sich zu entscheiden. Auch Thomas Steger (AUT), Markus Thomschke, Per Bittner, Roman Deisenhofer, Christian Brader, Markus Hörmann, Stefan Schmid, Horst Reichel, Markus Liebelt, Neu-Profi Markus Rolli, James Cunnama (RSA), Joe Skipper (GBR) und Johann Ackermann gehören zur langen Liste ambitionierter gemeldeter Profis. Aus Deutschland kommen außerdem Christian Altstadt und Sebastian Guhr dazu - und außerdem auch Michael Göhner, der im August beim Ironman Hamburg sein Langdistanz-Comeback nach langwierigen Verletzungsproblemen anstrebt.

Philipp setzt zum Double an

Dagegen ist das Profi-Startfeld auf Frauenseite übersichtlicher - aber trotzdem hochkarätig. Nur eine Woche nach ihrem Sieg auf Mallorca will Laura Philipp, die dritte Athletin im Bunde von Coach Philipp Seipp, in St. Pölten nachlegen. Dafür muss sie, wie schon bei ihrem Sieg im vergangenen Jahr, aber Yvonne van Vlerken (NED) hinter sich lassen. Und nicht nur die: Auch Julia Gajer will in St. Pölten ins Wettkampfgeschehen zurückkehren, zudem haben Daniela Sämmler, Katharina Grohmann und Angela Kuehnlein gemeldet. Aus Österreich haben sich zudem Lisa-Maria Dornauer, Bianca Steurer sowie die Dopingsünderin Lisa Hütthaler angekündigt. Auch Maria Czesnik (POL) könnte um eine Top-Platzierung mitkämpfen.