Brownlee gewinnt in St. George, starker Kienle wird Dritter

Fragezeichen? Weggewischt! Alistair Brownlee hat beim Ironman 70.3 St. George früh auf Offensive gesetzt - und gewonnen. Lionel Sanders und Sebastian Kienle hatten den Briten aber gehörig unter Druck gesetzt.

Von > | 6. Mai 2017 | Aus: SZENE

Nach seinem Erfolg auf Gran Canaria gewinnt Alistair Brownlee auch in St. George (Archivbild)

Nach seinem Erfolg auf Gran Canaria gewinnt Alistair Brownlee auch in St. George (Archivbild)

Foto >Majphotography

Beim Challenge-Rennen auf Gran Canaria hatte Alistair Brownlee im April erstmals Mitteldistanz-Luft geschnuppert. Was seine Leistung beim Sieg dort wert war, war angesichts des dünnen Profifelds aber schwierig zu beurteilen. Nach seinem zweiten Auftritt, diesmal beim Ironman 70.3 St. George, fällt ein Fazit deutlich leichter: Der zweimalige Triathlon-Olympiasieger hat offensichtlich wenig Probleme damit, sein Leistungsvermögen von der Kurzdistanz auch auf der Triathlon-Mitteldistanz umzusetzen. Das Ausrufezeichen, das Brownlee in St. George setzte, fiel besonders dick aus - setzte der Brite in seinem ersten echten Kräftemessen, bei dem Brownlee in Sebastian Kienle und Lionel Sanders (CAN) prompt auf zwei der stärksten Mitteldistanz-Athleten weltweit traf, doch erfolgreich auf seine einzige denkbare "Wackeldisziplin".

Sanders und Kienle jagen Brownlee

Denn dass Brownlee im Schwimmen und Laufen zur Weltspitze gehört, war wohl allen Sportlern und Beobachtern im Vorfeld klar. Nur, wie sich der Brite auf draftingfreien 90 Radkilometern in einer solchen Konkurrenz schlagen würde, schien fraglich. Brownlee schien sehr bemüht, diese Frage früh und deutlich zu beantworten: Beim Ironman 70.3 St. George setzte der Olympiasieger in der zweiten Disziplin prompt auf Offensive, nachdem er in der Auftaktdisziplin problemlos in einer vier Mann großen Spitzengruppe um den US-Amerikaner Ben Kanute mitgehalten hatte. Sebastian Kienle verlor im Wasser rund zwei Minuten auf Brownlee, Lionel Sanders "nur" eine mehr - was für den Kanadier bereits als Teilerfolg zu verbuchen war. Denn so dauerte es in der zweiten Disziplin keine 20 Kilometer, bis Sanders zu Kienle aufgeschlossen hatte und sich, von da an immer in Sichtweite zu Sebastian Kienle, durch das Feld nach vorne arbeitete.

Nur einer ließ sich von Sanders und Kienle nicht stellen: Alistair Brownlee hatte auf dem Rad aggressiv losgelegt und sein Zwei-Minuten-Polster auf Kienle vor allem dank eines schnellen Wechsels binnen der ersten 20 Kilometer um über 30 Sekunden ausgebaut. Mehr Zeit konnte Brownlee auf den folgenden 70 Kilometern zwar nicht mehr zwischen Kienle, Sanders und sich selbst legen - weniger wurde es aber auch nicht mehr. Kienle und Sanders wechselten rund drei Minuten hinter dem Briten auf den abschließenden Halbmarathon. Alle anderen Konkurrenten hatten die drei Schnellsten zu diesem Zeitpunkt mit ihren Husarenritten - Kienle, Sanders und Brownlee fuhren alle Zeiten zwischen 2:01 Stunden und 2:02 Stunden - bereits entscheidend distanziert.

Sanders greift an, Kienle souverän

Beim Halbmarathonlauf versuchte Lionel Sanders dann noch einmal alles. Der Kanadier löste sich schnell von Kienle, der sich wiederum auf dem dritten Rang hielt, und probierte, sich näher an den Führenden Alistair Brownlee heranzuschieben. Das gelang zwar - allerdings zunächst in kleinen Schritten. Nach der Hälfte des Halbmarathons betrug der Abstand zwischen Brownlee und Sanders immer noch zwei Minuten, Kienle lag zu diesem Zeitpunkt weitere 90 Sekunden hinter dem Zweitplatzierten. Dann konnte Sanders aber noch einmal eine Schippe drauflege.: Binnen der nächsten sieben Kilometer lief der Kanadier bis auf eine Minute an Brownlee heran und vergrößerte seinen Vorsprung auf Kienle auf drei Minuten. Brownlee aber hatte sich seine Kräfte gut eingeteilt. Mit letztlich 33 Sekunden Vorsprung vor Sanders sicherte er sich den Sieg bei den nordamerikanischen Ironman-70.3-Meisterschaften - und machte deutlich, dass bei den Weltmeisterschaften im September mit ihm zu rechnen sein wird. Kienle verteidigte viereinhalb Minuten hinter Brownlee souverän den dritten Rang vor Tim Don (GBR).

Ironman 70.3 St. George | Männer

  1. Mai 2017, St. George (Utah / USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Alistair Brownlee

GBR

3:41:58

23:18

2:01:39

1:14:49

2

Lionel Sanders

CAN

3:42:31

26:25

2:01:24

1:12:19

3

Sebastian Kienle

GER

3:46:20

25:23

2:01:53

1:16:10

4

Tim Don

GBR

3:48:26

23:57

2:05:27

1:16:41

5

Ben Kanute

USA

3:50:29

23:16

2:06:46

1:18:10

6

Brent McMahon

CAN

3:51:20

23:58

2:09:49

1:15:21

7

Joe Gambles

AUS

3:52:55

24:01

2:08:44

1:17:45

8

Jackson Laundry

CAN

3:56:27

24:23

2:06:28

1:23:23

9

Sam Appleton

AUS

3:56:43

23:22

2:07:39

1:23:19

10

Antony Costes

FRA

3:57:49

24:01

2:06:08

1:25:18

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Lawrence überragt Frauenkonkurrenz

Im Rennen der Frauen setzte sich einmal mehr die Britin Holly Lawrence beeindruckend in Szene. Die amtierende Ironman-70.3-Weltmeisterin aus Großbritannien wählte im Rennen eine ähnliche Strategie wie ihr Landsmann Brownlee - war damit aber sogar noch dominanter als der Brite. Beim Schwimmen löste sich Lawrence zusammen mit der Australierin Ellie Salthouse und der Südafrikaner Jeanni Seymour bereits deutlich von den übrigen Verfolgerinnen, und baute dieses Poslter in der Folge schnell aus. Auch ihre beiden Begleiterinnen aus der Auftaktdisziplin hatten auf den 90 Radkilometern keine Chance gegen Lawrence und verloren bis zum zweiten Wechsel fast sechs Minuten auf die Spitzenreiterin.

Diese gute Ausgangslage ließ Lawrence auf den abschließenden 21 Laufkilometern nicht ungenutzt. Zwar lief Seymour noch einmal deutlich an die Britin heran - die schien das Rennen aber jederzeit unter Kontrolle und gewann in 4:12:07 Stunden vor Seymour, die rund drei Minuten hinter Lawrence Silber holte. Dass Lawrence sich dabei aber nicht schonte, erklärte sie später im Ziel: "Ich konnte es heute nicht so genießen, wie ich es sonst versuche", erzählte die Britin nachdem Zieleinlauf. Ellie Salthouse konnte das Tempo der Südafrikanerin Seymour beim Laufen nicht mitgehen, verteidigte sieben Minuten hinter der Zweitplatzierten aber den dritten Rang vor der aus einer Babypause zurückgekehrten Britin Rachel Joyce und Lesley Smith (USA).

Ironman 70.3 St. George | Frauen

  1. Mai 2017, St. George (Utah / USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Holly Lawrence

GBR

4:12:07

24:56

2:17:46

1:26:57

2

Jeanni Seymour

RSA

4:15:12

25:03

2:25:00

1:22:36

3

Ellie Salthouse

AUS

4:22:25

24:59

2:25:40

1:28:25

4

Rachel Joyce

GBR

4:25:46

27:18

2:26:15

1:28:49

5

Lesley Smith

USA

4:27:44

27:40

2:33:54

1:22:52

6

Jackie Hering

USA

4:29:42

26:20

2:33:22

1:27:18

7

Lisa Roberts

USA

4:35:24

30:25

2:34:33

1:27:15

8

Cecilia Davis-Hayes

USA

4:38:01

30:22

2:30:05

1:34:40

9

Skye Moench

USA

4:40:08

28:11

2:32:22

1:36:28

10

Jen Annett

CAN

4:40:53

30:22

2:28:44

1:39:01

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