Sanders gewinnt "The Championship" vor Kienle und Raelert

Lionel Sanders hat die erste Challenge-Meisterschaft gewonnen und den ersten großen Titel seiner Karriere geholt. Der Kanadier rang im Laufduell Sebastian Kienle nieder, der vor Michael Raelert Zweiter wurde.

Von > | 3. Juni 2017 | Aus: SZENE

Das Podium in Samorin: Michael Raelert (links) und Sebastian Kienle (rechts) nehmen Lionel Sanders in die Mitte.

Das Podium in Samorin: Michael Raelert (links) und Sebastian Kienle (rechts) nehmen Lionel Sanders in die Mitte.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Ein großes Duell der Langdistanzspezialisten gegen die Kurzdistanzler hatte sich angekündigt, und das Challengerennen in Samorin (Slowakei) hielt, was die sensationelle Line-up mit Weltmeistern und Olympiasiegern versprach. In einem Rennen mit zahlreichen Führungswechsel zeigten die "Longos" den schnellen Jungs am Ende die Grenzen auf. Mitteldistanz-Spezialist Sanders gewann nach 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer in 3:40:04 Stunden. Für den Kanadier, der bereits mehr als ein Dutzend Ironman-70.3-Erfolge auf dem Konto hat, ist es der vierte Saisonsieg über diese Distanz.

Kienle kämpfte aufopferungsvoll und lieferte Sanders einen langen und harten Fight. Erst auf der letzten von drei Laufrunden musste der 32-Jährige den Rivalen ziehen lassen. Der von vielen favorisierte Olympiasieger Alistair Brownlee spielte zu diesem Zeitpunkt bereits keine Rolle mehr. Der Brite war zwar als Erster vom Bike gestiegen, platzte jedoch beim Laufen und gab das Rennen auf. Dafür lieferten Michael Raelert und Andreas Dreitz mit Platz drei und vier starke Resultate aus deutscher Sicht. Für Südafrikas Sprintspezialist Richard Murray endete die Mittdeldistanzpremiere auf Rang fünf. Boris Stein und Julian Mutterer schafften es noch in die Top Ten.

Kurzdistanzler machen die Pace    

Was herauskommt, wenn Topathleten von der Sprint-, Kurz-, Mittel- und Langdistanz aufeinandertreffen, hatte sich schon beim Schwimmen in der Donau gezeigt, als Lokalmatador Richard Varga vom Start weg dominierte. Bei seiner ersten Mitteldistanz überhaupt setzte sich der zweifache Olympiateilnehmer deutlich von der Konkurrenz ab. Brownlee versuchte noch die Füße des Slowaken zu halten, musste aber schon bald abreißen lassen. 45 Sekunden vor dem Briten entstieg Varga dem 19 Grad warmen Fluss. Weitere 30 Sekunden später führte Raelert eine zehnköpfige Verfolgergruppe mit Murray und Erdinger-Teamkollege Dreitz über einen langen Steg über den Deich in die Wechselzone.

Brownlee brauchte nicht lange, um Varga auf dem Bike zu stellen, doch es waren vor allem drei Deutsche, die nun auftrumpften. Raelert und Dreitz fuhren bis zur 20-Kilometer-Marke zur Spitze auf und setzten sich mit Brownlee ab. Noch etwas schneller auf dem flachen Kurs entlang der Donau fuhr Sebastian Kienle. Zusammen mit Lionel Sanders, der wie der Knittlinger knapp über drei Minuten beim Schwimmen verloren hatte, ließ Kienle einen Konkurrenten nach dem anderen hinter sich. Nur 57 Minuten und 30 Sekunden benötigte das deutsch-kanadische Duo bis zum Wendepunkt bei Kilometer 45. Ihren Rückstand verringerten sie bis hierhin auf unter 60 Sekunden.

Brownlee platzt, Sanders siegt

Auf einen Zusammenschluss der Top fünf hatte Brownlee jedoch keine Lust. Als würde er nicht erst Monate, sondern Jahre in der Aeroposition trainieren, setzte er sich mit einer Attacke auf dem Rückweg nach Samorin erneut ab. Raelert und Dreitz konnten nicht folgen und mussten wenig später auch Sanders und Kienle ziehen lassen. Bis in T2 holte Brownlee 40 Sekunden auf Kienle und Sanders heraus, die mit Hammerzeiten von 1:56:04 Stunden (Sanders) und 1:56:09 Stunden (Kienle) über den Bikekurs geflogen waren. Raelert und Dreitz erreichten die Wechselzone zwei Minuten später.

Wer nun dachte, Brownlee würde nach seinen Triumphen auf Gran Canaria und in St. George auch dieses Rennen sicher nach Hause laufen, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Der 29-Jährige kam nach dem Wechsel überhaupt nicht in die Gänge und hatte dem heraneilenden Duo Kienle/Sanders nichts entgegenzusetzen. Brownlee lief die erste Runde noch zu Ende, stieg dann aus und zog sich ins Hotel zurück.

Vielleicht verfolgte er dort im exzellenten Challenge-Live-Stream, wie Kienle auf dem zwischen Gras, Sand und Asphalt wechselnden Laufkurs immer wieder kleine Lücken herauslief. Die entscheidende Attacke setzte dann aber der Rivale aus Kanada fünf Kilometer vor dem Ziel. Meter um Meter vergrößerte Sanders seinen Vorsprung und lief letztlich ungefährdet zum Sieg.

The Championship | Männer

  1. Juni 2017, Samorin (Slowakei)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Lionel Sanders

CAN

3:40:04

24:47

1:56:04

1:14:22

2

Sebastian Kienle

GER

3:41:46

24:46

1:56:09

1:16:07

3

Michael Raelert

GER

3:45:35

22:48

2:00:15

1:18:00

4

Andreas Dreitz

GER

3:47:18

23:00

2:00:01

1:18:55

5

Richard Murray

RSA

3:50:22

22:51

2:05:59

1:15:50

6

Pieter Heemeryck

NED

3:52:18

23:00

2:05:40

1:18:46

7

Boris Stein

GER

3:54:22

24:51

2:04:03

1:20:14

8

Julian Mutterer

GER

3:55:30

23:01

2:07:09

1:20:08

9

Trevor Wurtele

CAN

3:56:36

24:41

2:07:13

1:19:35

10

Mark Buckingham

GBR

3:58:07

22:54

2:09:50

1:20:04

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