Deutsche Profis in Bahrain zwischen Abschied und Auftakt

Für den einen wird es seine Abschiedsvorstellung als Triathlonprofi, für die anderen soll es die Initialzündung in ein erfolgreicheres Jahr 2017 werden: Beim Ironman 70.3 Bahrain gehen Michael Raelert, Steffen Justus und Natascha Schmitt mit guten Aussichten ins Rennen. Und das, obwohl es das Startfeld in sich hat.

Von > | 8. Dezember 2016 | Aus: SZENE

Natascha Schmitt und Michael Raelert wollen beim Ironman 70.3 Bahrain am Wochenende auftrumpfen.

Natascha Schmitt und Michael Raelert wollen beim Ironman 70.3 Bahrain am Wochenende auftrumpfen.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Man kann sich sicherlich stimmungsvollere Destinationen aussuchen, um die eigene Profikarriere nach 18 Jahren als Teil der Triathlon-Nationalmannschaft würdig zu beenden. Doch zumindest sportlich hat Steffen Justus bei der Wahl seiner Abschiedsbühne voll ins Schwarze getroffen: Der Jenaer Kurzdistanzspezialist, der seit vielen Jahren am Triathlon-Stützpunkt in Saarbrücken lebt und trainiert, bekommt es bei seinem zweiten und letzten Mitteldistanz-Start als Profi mit einem gepfefferten Feld zu tun.

Die Routiniers gegen den schwedischen Emporkömmling

Schon die Konkurrenz aus dem eigenen Land ist happig: Michael Raelerts Formkurve zeigte in den vergangenen Wochen, in denen er sich im Renngeschehen zurückmeldete, kontinuierlich nach oben - in Thailand fehlten ihm zuletzt nur wenige Sekunden zum Sieg im direkten Duell mit dem amtierenden Ironman-70.3-Weltmeister Tim Reed (AUS). Falls Raelert erneut einen Leistungssprung gemacht hat und wenn er diesmal nicht erneut seine Verpflegung verliert oder technische Probleme bekommt, geht der Rostocker zusammen mit Reed, der ebenfalls für den Wettkampf gemeldet hat, als heißester Siegeskandidat ins Rennen.

Doch längst nicht als einziger. Der Amerikaner Ben Hoffman, der nach dem Ironman Hawaii noch beim Xterra auf Maui und beim Island House Triathlon startete, verzichtet in diesem Jahr offensichtlich auf eine echte Saisonpause und hat ebenso für den Wettkampf in der Heimat seines Teams gemeldet wie die ebenfalls ernstzunehmenden Antony Costes (FRA), Sam Appleton (AUS), Pedro Gomes (POR), der frisch verheiratete James Cunnama (RSA), Manuel Küng (SUI), Jan van Berkel (SUI) und Matt Trautman (RSA). Ganz besonders aufmerksam werden Justus und Co. außerdem einen jungen Schweden im Auge behalten wollen: Der erst 25-jährige Patrik Nilsson bringt es in seiner Karriere bereits auf vier Ironman-Siege, davon zwei im laufenden Kalenderjahr, und scheint sportlich keine echte Schwäche zu haben. Eine Woche nach seinem Ironman-Sieg in Australien möchte außerdem auch Terenzo Bozzone noch einmal seine Grenzen testen. Aus Deutschland gehen als Profis außerdem David Breuer, Sean Donnelly und Michael Rünz ins Rennen.

Triathletinnen haben es vor Ort schwer

Auch die deutschen vier gemeldeten deutschen Profi-Damen müssen in Bahrain sportlich schwierige Aufgaben bewältigen. Und nicht nur sportliche, wie ein Blick ins Facebook-Profil der Deutschen Natascha Schmitt dieser Tage offenbarte, wo sie die Triathlongemeinde nach Tipps für Trainingsreviere und -stätten in Bahrain fragte. Die Antworten machten deutlich, warum nicht jeder Profi-Triathlet den finanziell lukrativen Triathlonangeboten im Nahen Osten gegenüber positiv gestimmt ist: Radtraining sei in der Gegend schwierig, schrieben einige - und Schmitts Profikollegin Carina Brechters wusste zu berichten, dass für Frauen nicht einmal das öffentliche Schwimmbad nutzbar sei. "Das 50-Meter-Becken dürfen nur Männer benutzen. Radtraining geht in der Gegend nur auf der Rolle oder außerhalb - und wenn, dann nur in Begleitung eines Mannes", so Brechters.

Stören lassen wollen sich die Triahtletinnen, die trotzdem angereist sind, davon nicht. Und einige Hochkaräter finden sich auch bei ihnen auf der Startliste: Die Schweizerin Caroline Steffen und ihre britische Konkurrentin Jodie Cunnama (ehemals Swallow) gilt als Favoritin auf den Sieg, bekommt es aber unter anderem mit Natalie Seymour (GBR), Sarah Crowley (AUS), Tine Deckers (BEL), Emma Pallant, Caroline Livesey , Alice Hector (alle GBR) und Jocelyn McCauley (USA) zu tun. Und auch die Deutschen sind nicht chancenlos. Duathlon-Spezialistin Jenny Schulz und Lina-Kristin Schink sind in Bahrain mindestens Top-Ten-Kandidatinnen, für Diana Riesler dürfte es sogar um noch mehr gehen. Ebenso wie für Natascha Schmitt, die in der Vorbereitung auf die anstehende Saison erstmals ihre Form testen will. "Das Training lief sehr gut. Was der Körper im ersten Rennen hergibt, ist aber immer nochmal eine ganz andere Frage", erklärte Schmitt im Vorfeld gegenüber tri-mag.de. Eine Top-Fünf- oder vielleicht sogar Podestplatzierung wäre für sie ein großer Erfolg in der Vorbereitung auf die neue Saison. In dieser will sie sich über den Ironman Südafrika für die Weltmeisterschaften auf Hawaii qualifizieren und beim Ironman in Frankfurt versuchen, als Lokalmatadorin das Podest zu erklimmen.