Disqualifiziert – und trotzdem happy

Auf der Mitteldistanz in Uelzen testete unser Redakteur Daniel Eilers seine Form. Die Leistung war in allen drei Disziplinen überzeugend – auch wenn das Ergebnis nicht zählt. Sein Rennbericht.

Von > | 28. Juni 2017 | Aus: SZENE

Auf der zweiten Runde der Laufstrecke sind die Beine unseres Redakteurs Daniel Eilers noch frisch. Mit jedem weiteren Armband werden sie aber schwerer.

Auf der zweiten Runde der Laufstrecke sind die Beine unseres Redakteurs Daniel Eilers noch frisch. Mit jedem weiteren Armband werden sie aber schwerer.

Foto >Hendrik Oyen

Formtest auf der Mitteldistanz

Die Vorfreude auf den O-See-Triathlon war groß. Schon deswegen, weil zwei Kollegen aus der Redaktion ebenfalls am Start waren. Und auch sonst fand ich viele bekannte Namen auf der Startliste. Der O-See-Triathlon gilt als familiäre Veranstaltung, top organisiert, dabei noch relativ preiswert und ist von Hamburg aus in nur einer Stunde Autofahrt gut zu erreichen. Perfekte Rahmenbedingungen, um mir den Lohn für knapp acht Monate strukturiertem und häufig auch schweißtreibendem Training auszuzahlen.

Der Himmel war bei Ankunft am Oldenstädter See bereits gefährlich grau gefärbt. Und die dunklen Regenwolken bewiesen zur Freude aller Teilnehmer ein exzellentes Timing: Pünktlich zum Bike-Check-in ab 7 Uhr schüttete es wie aus Kübeln. Die Stimmung war so trüb wie das Wasser im Oldenstädter See, in den sich um 8.30 Uhr rund 200 Mitteldistanz-Teilnehmer stürzten. Kurz überlegte ich tatsächlich, ob ich starten soll. Ich brauche bei meinem Fliegengewicht Sonne und Wärme – das Risiko, mich zu erkälten oder auf der Radstrecke zu stürzen und damit die weitere Vorbereitung zu gefährden, wären exzellente Ausreden gewesen. Andererseits: Wer sagt, dass es am 13. August nicht auch in Hamburg regnet und stürmt? Soll es – ich bin gewappnet.

Schwimmausstieg beim O-See-Triathlon Uelzen nach 1,9 Kilometer.

Schwimmausstieg beim O-See-Triathlon Uelzen nach 1,9 Kilometer.

Foto >Hendrik Oyen

Kein Triathlon ohne Pannen! Die erste erwischte mich beim Schwimmen. Ich packte die verspiegelte Freiwasser-Brille anstelle meiner Pool-Brille ein. Blöd nur, dass ich erst in der Startbox merkte, dass die Gläser mit Sonnencreme verschmiert waren. Zu spät zum Saubermachen – der Startschuss ertönte pünktlich für die „Sub-30-Minuten“-Schwimmgruppe. Insgeheim träumte ich von einer Zeit unter 30 Minuten, vorausgesetzt, ich würde gute Beine finden, an die ich mich heften könnte. Doch es kam anders: Die ersten schnellen Jungs schwammen vorn weg und ich guckte alle drei Armzüge nur hinterher. Irgendwann erwischte ich eine Gruppe, die ich halten konnte. Doch dann bekam ich ein Schlag von der Seite, wodurch die Brille verrutschte. Danach war auch diese Gruppe weg und ich im Niemandsland. Nach der Hälfte der 1,9 Kilometer wartete ein Landgang. Gefühlt hatte ich schon 1,5 Kilometer in den Armen und Beinen. Mein Kreislauf war auch im Keller. Das hing vielleicht mit dem eingeschränkten Sichtfeld zusammen – oder mit der Belastung? Keine Ahnung! Jedenfalls torkelte ich durch den Sand wieder ins Wasser. Auf der zweiten Runde lief es wesentlich besser. Ich konnte immer mehr Schwimmer überholen und meinen eigenen Rhythmus finden. Der Ausstieg war allerdings wieder holprig: Ich stürzte beinahe und konnte die Rampe nur auf allen Vieren zum Amüsement der Zuschauer hochkrabbeln.

Am Rad angekommen wurde mir erstmal übel. Übergeben musste ich mich nicht, aber hinsetzen. Denn ich hatte Probleme, den Neoprenanzug im Stehen auszuziehen. Gegenüber schob mein Kollege Simon gerade sein Rad aus der Wechselzone. Ich wusste, dass er auf der Mitteldistanz Zeiten um 30 Minuten schwimmt. So konnte ich hinter die Auftaktdisziplin immerhin ein Haken setzen. Doch das Hosenbein wollte immer noch nicht über die Füße. Ich denke, eine halbe Minute muss ich rumgefummelt haben, bis ich endlich die Gummipelle vom Leib hatte. Doch dann das nächste Desaster: Nach dem flüssigen Aufsteigen kam ich nicht in die Radschuhe rein. Eine Mitteldistanz ist lang – die paar Sekunden sind am Ende egal, beruhigte ich mich.

Ein holpriger erster Wechsel – auf der Radstrecke kann es nur besser werden.

Ein holpriger erster Wechsel – auf der Radstrecke kann es nur besser werden.

Foto >Hendrik Oyen

Keine zehn Minuten war ich auf dem Rad, dann ergoss sich der jetzt rabenschwarze Himmel über uns. Die Sicht durch das beschlagene Visier meines Aerohelms ging gegen null. Ich wechselte in den Oberlenker, denn Sicherheit geht vor. Irgendwann fuhr ich auf der ersten Runde an einem Kontrahenten vorbei, der merkte, wie ich immer mit den Fingern scheibenwischerartig nacharbeitete. „Schmeiß das Ding weg – habe ich auch gemacht“, bekam ich den goldenen Tipp von ihm. Geile Idee, dachte ich, warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen? Aber das Teil kostet 80 Euro oder mehr. Außerdem wäre das wahrscheinlich ein Regelverstoß. Aber so weiterfahren war auch nicht möglich. Also nahm ich das Visier ab und klemmte es hinter das Startnummernband, bevor ich es nach der ersten Runde an der Verpflegungsstelle einer Helferin gab. Endlich freie Sicht! Herrlich! Im Rausch ließ ich es krachen und pendelte mich um 40 km/h ein. Probleme gemeistert. Endlich konnte ich mich aufs Rennen konzentrieren.