Disqualifiziert – und trotzdem happy

Auf der Mitteldistanz in Uelzen testete unser Redakteur Daniel Eilers seine Form. Die Leistung war in allen drei Disziplinen überzeugend – auch wenn das Ergebnis nicht zählt. Sein Rennbericht.

Von > | 28. Juni 2017 | Aus: SZENE

Auf der zweiten Runde der Laufstrecke sind die Beine unseres Redakteurs Daniel Eilers noch frisch. Mit jedem weiteren Armband werden sie aber schwerer.

Auf der zweiten Runde der Laufstrecke sind die Beine unseres Redakteurs Daniel Eilers noch frisch. Mit jedem weiteren Armband werden sie aber schwerer.

Foto >Hendrik Oyen

"Plötzlich taucht der Wettkampfrichter auf"

Das Radfahren lief sensationell gut. Ich hatte mir einen Leistungsbereich vorher zurecht gelegt, wollte allerdings nach meiner Erfahrung in Flensburg meinem Körpergefühl vertrauen. Daher fuhr ich die erste Runde komplett nach Körpergefühl und schaute erst danach auf den Watt-Wert, der sich zu meiner Freude tatsächlich aufs Watt genau in der Mitte meines prognostizierten Korridors einpendelte. Perfekt! Dass ich die Leistung halten könnte, ohne mich blau zu fahren, war mir klar. Auch die eher hochdosierte Verpflegung funktionierte tadellos: Ich hatte insgesamt zehn Gels in der Aero-Flasche und im Trinksystem 700 Millimeter isotonisches Getränk für die erste Runde.

Die Radstrecke nördlich des Oldenstädter Sees ließ sich trotz der nassen Fahrbahn hervorragend fahren. Und auch von den angekündigten Starkböen habe ich nichts gespürt. Den Großteil der Zeit war ich komplett allein auf der Radstrecke. Ab der dritten von vier Radrunden wurde es voller, weil jetzt auch die Kurzdistanzler auf der Strecke waren. Auf der letzten langen Geraden vier Kilometer vor der Wechselzone wollte ich es nochmal richtig rollen lassen und fuhr mit 45 km/h in Richtung T2. Plötzlich setzte einige Hundert Meter vor mir eine Triathletin zum Überholen an. Ich war weit dahinter, kam aber mit jeder Sekunde näher. Ich ließ das Treten aus, rollte aber weiter mit hoher Geschwindigkeit auf sie zu. Der Abstand verringerte sich weiter. Im Affekt zog ich in dritter Reihe auf die Mittellinie und überholte links von ihr, als plötzlich neben mir ein Kampfrichter auftauchte und mir eine Karte zeigte, die später zur Disqualifikation führte. Das war mir in diesem Moment des Rennfiebers allerdings nicht bewusst, sodass ich mich mental aufs Laufen vorbereite.

Auf der Radstrecke rollt\'s. Auch das Wetter wird mit zunehmenden Radkilometern immer besser.

Auf der Radstrecke rollt's. Auch das Wetter wird mit zunehmenden Radkilometern immer besser.

Foto >Hendrik Oyen

Nach 2:14 Stunden auf dem Rad war ich wieder am Oldenstädter See. Das Aussteigen aus den Radschuhen verlief im Gegensatz zum Einstieg problemlos. Die Beine fühlten sich noch gut an und ich sah mich schon einen schnellen Halbmarathon auf der anspruchsvollen Laufstrecke über Park-, Sand-, Asphalt-, und teilweise rutschigen Matschwegen um den See rennen. Dieses Gefühl hielt allerdings nur zwei Runden bzw. 5,2 Kilometer lang an, danach merkte ich, wie mich zunehmend die Kraft verließ. Ich versuchte sofort mit Gels dagegen anzukämpfen, allerdings kam jede Hilfe zu spät. Jeder Zuckerschub verpuffte binnen weniger Minuten und erzeugte nicht mehr wirklich neuen Vortrieb. Hätte ich gewusst, dass ich wegen Überfahren der Mittellinie disqualifiziert wurde, wäre ich definitiv ausgestiegen. Denn die letzten zehn Laufkilometer waren verdammt zäh. Viel habe ich nicht mehr wahrgenommen, nur gelegentlich links und rechts Jubelrufe. Danke nachträglich für alle Anfeuerungsrufe!

Die Radstrecke bietet ausreichend Platz für 200 Mitteldistanzler und die Athleten der Kurzstrecke.

Die Radstrecke bietet ausreichend Platz für 200 Mitteldistanzler und die Athleten der Kurzstrecke.

Foto >Hendrik Oyen

Auf den letzten 1,5 Kilometern überholten mich sogar noch zwei Athleten. Ich zählte durch, weil ich wusste, dass ich an dritter Stelle lag: Platz fünf. Das war mehr als ich mir erträumt hatte. Innerlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt mit der Veranstaltung abgeschlossen – und wusste, dass ich hier ordentlich abgeliefert hatte. Schwimmen war solide, Radfahren war sensationell gut und beim Laufen musste ich doch Federn lassen. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass bei meiner Wunsch-Halbmarathonzeit Anspruch und Wirklichkeit auseinandergeklafft sind. Ein Langdistanztraining macht nicht schnell, sondern ausdauernd.

Meine 5 Learnings aus Uelzen:

  1. Mittellinien sind durchgezogene Linien, auch dann, wenn sie gestrichelt sind.
  2. Ich muss länger und härter schwimmen als zuletzt. Und das Zugseil entstauben.
  3. Kein Visier bei Regen.
  4. Das An- und Ausziehen des Neoprenanzugs ist Teil der Wettkampfvorbereitung.
  5. Es hilft leider nichts: laufen, laufen, laufen!

Die Disqualifikation ist ärgerlich. Aber natürlich genauso berechtigt. Die Endzeit von 4:11 Stunden und nur eineinhalb Minuten Abstand zum theoretischen zweiten Platz sind allerdings Grund genug, nicht nur einen Haken hinter die Generalprobe zu setzen, sondern zwei Ausrufungszeichen – eins fürs Radfahren und eins für die Endzeit. Der Ausflug an den Oldenstädter See hat sich gelohnt – trotz schlechtem Wetter. Bis nächstes Jahr, Uelzen!

Die Split-Zeiten

Uelzen | 25. Juni 2017

Endzeit

Swim (1,9 km)

Bike (90,6 km)

Run (21 km)

4:11:22 (DSQ)

31:09

2:14:05 (inkl. Wechselzeit)

1:26:07

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