Dreitz gewinnt, Sanders sticht Stein aus

Es gibt einen neuen Ironman-70.3-Europameister: Andreas Dreitz hat sich in Wiesbaden nach einer Flucht auf dem Rad souverän den Titel gesichert. Titelverteidiger Boris Stein wurde auf der Laufstrecke von Lionel Sanders auf den Bronzerang verwiesen - war aber trotzdem nicht unzufrieden.

Von > | 14. August 2016 | Aus: SZENE

Andreas Dreitz | Andreas Dreitz setzt sich im Taunus ab und krönt sich zum Ironman-70.3-Europameister.

Andreas Dreitz setzt sich im Taunus ab und krönt sich zum Ironman-70.3-Europameister.

Foto >Michael Rauschendorfer

"So einen Tag erlebt man wirklich selten", erklärte Andreas Dreitz, nachdem er freudestrahlend wie selten zuvor ins Ziel vor dem Wiesbadener Kurhaus gelaufen war. "Es hat heute alles gepasst, von vorne bis hinten war das ein großartiges Rennen" - das einen neuen Champion gefunden hat: Andreas Dreitz hat sich in Wiesbaden mit einer wieder einmal beherzten Vorstellung auf dem Rad und einem souveränen Lauf den Europameistertitel im Ironman 70.3 gesichert.

Dreitz fährt davon

Zu  Beginn des Rennens hatte aber noch Steffen Justus die Akzente gesetzt: Auf den ersten 1,9 Kilometern im Raunheimer Waldsee setzte sich der Kurzdistanz-Spezialist zusammen mit Jens Roth an die Spitze und bestimmte von vorne weg das Tempo. Lösen konnte er sich aber nicht. Ihm hing eine große Gruppe an den Füßen, in der sich in einem Abstand von bis zu 20 Sekunden ein großer Teil der vielen Rennfavoriten hielt. Nur drei der größten Favoriten verloren deutlich  Boden: Lionel Sanders (CAN), Titelverteidiger Boris Stein und Bart Aernouts (BEL) machten sich mit zwei bis drei Minuten Rückstand auf die Führenden um Justus auf den Weg auf die folgenden etwas mehr als 90 Kilometer durch den Taunus.

Dort hatten viele erwartet, dass vor allem Sanders, Dreitz und möglicherweise auch Stein auf dem Rad für ein hohes Tempo sorgen würden. Und alle drei wurden dieser Erwartung gerecht: Während sich Dreitz bald um rund eine Minute von seinen Verfolgern um Maurice Clavel, Steffen Justus und Patrick Lange absetzte, schoben sich Stein und Sanders nach und nach näher an Dreitz' Verfolger heran. Binnen der 90 Kilometer gelang es Stein, sich an die zweite Position vorzuarbeiten - Andreas Dreitz fuhr aber noch schneller als der Montabaurer und wechselte rund 3:20 Minuten vor ihm auf den abschließenden Halbmarathon. Nur Thomas Steger fünf Minuten und Patrick Lange sechs Minuten hinter Dreitz wechselten außerdem noch vor Sanders auf die Laufstrecke, Steffen Justus und Maurice Clavel verloren rund acht Minuten auf den Spitzenreiter, bevor es für sie in die Laufschuhe ging.

Podest | Die schnellsten drei Männer in Wiesbaden bei der Sektdusche: Andreas Dreitz, Lionel Sanders und Boris Stein.

Die schnellsten drei Männer in Wiesbaden bei der Sektdusche: Andreas Dreitz, Lionel Sanders und Boris Stein.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Sanders überholt Stein

Beim Laufen legten speziell Justus und Sanders prompt offensiv los, wogegen Steger nun zurückstecken musste. Während der Abstand von Stein zu Dreitz auf der ersten Hälfte des Halbmarathons beinahe konstant blieb, schob sich Sanders schon binnen dieser ersten 11 Kilometer auf weniger als eine Minute an den Zweitplatzierten Stein heran - und nach 13 Kilometern an ihm vorbei auf den Silberrang. An Dreitz war aber auch für den laufstarken Kanadier, der den Halbmarathon letztlich in 1:09:20 Stunden rannte, kein Herankommen mehr, und so konnte sich der Athlet aus dem Erdinger-Team im Ziel über einen emotionalen Sieg freuen. Auch Boris Stein war mit seinem dritten Rang weniger als 100 Sekunden hinter Dreitz zufrieden und hatte für den Sieger nur Anerkennung übrig. "Wenn Andreas sich bis zum Laufen drei Minuten erarbeitet, dann sagt das alles darüber aus, wie überlegen er war und was er hier gezeigt hat", sagte Stein im Ziel. "Ich habe heute gesehen, dass ich bis Hawaii noch Hausaufgaben zu machen habe, vielleicht sogar mehr, als ich wollte. Aber das muss manchmal gar nicht schlecht sein", meinte der Drittplatzierte. 

Patrick Lange beendete das Rennen auf dem vierten Rang vor Steffen Justus, der beim Zieleinlauf immer wieder auf seinen Unterarm deutete, auf den er sich die olympischen Ringe tätowiert hat: Eigentlich wollte Justus kommende Woche in Rio de Janeiro an den Start gehen, die deutschen Startplätze blieben nach einem Rechtsstreit aber unbesetzt.

Ironman 70.3 Wiesbaden 2016 | Männer

  1. August 2016, Wiesbaden

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21 km Run

1

Andreas Dreitz

GER

3:59:05

24:34

2:16:18

1:14:41

2

Lionel Sanders

CAN

4:00:23

26:13

2:20:39

1:09:20

3

Boris Stein

GER

4:00:42

26:32

2:17:45

1:13:04

4

Patrick Lange

GER

4:02:02

24:13

2:22:52

1:11:19

5

Steffen Justus

GER

4:03:52

23:54

2:25:21

1:11:39

6

Rodolphe von Berg

USA

4:06:45

24:14

2:26:09

1:12:40

7

Maurice Clavel

GER

4:07:24

24:11

2:24:41

1:15:09

8

Thomas Steger

AUT

4:07:33

24:27

2:20:59

1:17:48

9

Bart Aernouts

BEL

4:09:03

26:36

2:23:39

1:15:20

10

Will Clarke

GBR

4:09:03

24:17

2:26:22

1:14:52

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