Dünnes deutsches Aufgebot beim Heimspiel in Hamburg

Das WM-Rennen in Hamburg soll ein Highlight für die Deutschen werden - in Einzelrennen dürfen aber nur drei von ihnen ran. Zudem geht es in der Hansestadt um Staffel-Titel.

Von > | 13. Juli 2017 | Aus: SZENE

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Drei Höhepunkte hat die Deutsche Triathlon Union für die Saison 2017 ausgemacht: Die bereits gelaufene Sprint-Europameisterschaft in Düsseldorf, der World Triathlon in Hamburg an diesem Wochenende sowie im September das Finale der World Triathlon Series in Rotterdam sollen die sportlichen Highlights für das DTU-Team in diesem Jahr darstellen. Der Auftakt ist auch geglückt: In Düsseldorf sicherte sich Laura Lindemann im Juni dank cleverer Taktik und beherztem Endspurt ihren ersten Elite-Europameisterschaftstitel, auch das junge Männer-Team präsentierte sich überraschend gut. Ob das Fazit vom zweiten Saisonhighlight in Hamburg an diesem Wochenende ähnlich positiv ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Schon wegen des deutlich schmaleren personellen Aufgebots - die DTU lässt insgesamt nur drei Athleten in den Einzelrennen antreten - scheinen die Erfolgsaussichten auf den ersten Blick geringer.

Lindemann peilt Top-Ten an

Andererseits sind die derzeit stärksten Sportlerinnen und Sportler aber in diesem Trio vertreten. Die größten Hoffnungen trägt angesichts ihrer Erfolge und der ihr entgegenkommenden Sprintdistanz erneut die Potsdamerin Laura Lindemann auf ihren 21 Jahre jungen Schultern - was nicht heißt, dass das Rennen für sie ein Selbstläufer wird. Denn Lindemann wird in Hamburg auch die in der Gegenwart negativen Seiteffekte der zukunftsorientierten Verbandsstrategie zu spüren bekommen: Dadurch, dass Lindemann wie das gesamte DTU-Team vergleichsweise wenige Rennen bestreitet, steht sie im ITU-Punkteranking nur im Mittelfeld und wird sich beim Rennen in Hamburg keine besonders gute Startposition auf dem Ponton sichern können. Denn diese taktisch wichtigen Positionen können sich die Sportler nach der Reihenfolge des Punkterankings aussuchen.

Gut für Lindemann, dass sie auch so als gute Schwimmerin gil. Allerdings wird sie in Hamburg zeigen müssen, wieso. Denn im rund 60 Frauen großen Feld finden sich mehrere Spezialistinnen für die Auftaktdisziplin: Flora Duffy (BER), Katie Zaferes (USA), Caroline Routier (ESP), Lucy Hall, Jessica Learmonth (beide GBR) und Pamela Oliviera (BRA) haben sich allesamt angekündigt und großes Interesse daran, sich über das Schwimmen von anderen starken Läuferinnen zu lösen. Zu denen gehören, neben Zaferes und Weltmeisterin Duffy natürlich, in Hamburg auch Kirsten Kasper (USA), Ashleigh Gentle, Charlotte McShane (beide AUS), Andrea Hewitt (NZL), Rachel Klamer (NED), Jolanda Annen (SUI) und Cassandre Beaugrand (FRA). Ein starkes Feld, in dem Lindemann bei günstigem Rennverlauf eine einstellige Platzierung zuzutrauen wäre. "Eine Top-Ten-Platzierung wäre perfekt für mich", sagt sie auch selbst.

Nieschlag im Konzert der Großen

Auf doppelt so viele Starter - nämlich zwei - bringt es das deutsche Team im Männerrennen, das wie das der Frauen am Samstag über die Sprintdistanz ausgetragen werden wird. Dass es für Nachwuchsathlet Lasse Lührs dabei ebenfalls schon zu einer Top-Ten-Platzierung reichen könnte, scheint unwahrscheinlich - im Falle seines Teamkollegen Justus Nieschlag aber denkbar, wenn auch schwierig. Der genießt nämlich ebenfalls den Ruf, ein guter Schwimmer zu sein, und hat in dieser Saison über die Sprintdistanz auch bereits mit guten Laufleistungen auf sich aufmerksam gemacht. Allerdings wird er sich in Hamburg nicht mit irgendwem messen, sondern mit einigen der derzeit weltbesten Kurzdistanzathleten. Allein die spanische Armada aus Fernando Alarza, Mario Mola und Javier Gomez flößt eine Menge Respekt ein. Dazu kommt zudem noch Konkurrenz durch Henri Schoeman, Richard Murray (beide RSA), Kristian Blummenfelt (NOR), Vincent Luis (FRA), Jacob Birtwhistle, Aaron Royle, Ryan Bailie (alle AUS), Joao Pereira (POR), Pierre Le Corre (FRA) und einigen weiteren, vor allem auf der Sprintdistanz stark einzuschätzenden Konkurrenten. Jonathan Brownlee (GBR), der bis vor Kurzem ebenfalls auf der Meldeliste stand, hat für den Wettkampf abgesagt und damit wohl auch seine Hoffnungen auf den WM-Titel 2017 aufgegeben.

Mit Aushilfen zur Relay-WM

Mit nur diesen drei Startern könnte die DTU keine Team-Relay (bestehend aus zwei Männern und zwei Frauen; mehr Infos hier) bestücken, deshalb hat der Verband für die am Sonntag ausgetragene Relay-Weltmeisterschaft junge "Aushilfen" im Gepäck, die nur für einen Staffel-Einsatz in Betracht gezogen werden. Für das deutsche Team könnte es so mit viel Geschick und ein wenig Glück möglicherweise sogar um Edelmetall gehen in dem Format, das 2020 erstmals im Olympiaprogramm stehen wird. Wie genau das deutsche Team besetzt werden wird, will die DTU nach Auswertung der Ergebnisse der Einzelrennen am Samstagabend bekannt geben.