Der erste Test

98 Tage vor dem Ironman Hamburg stand unser Herausgeber Frank Wechsel für den ersten Test unter Wettkampfbedingungen an der Startlinie. Und weiß nun, was es noch alles zu tun gilt.

Von > | 8. Mai 2017 | Aus: SZENE

Auf der 22 Kilometer langen Radstrecke: Die Position passt.

Auf der 22 Kilometer langen Radstrecke: Die Position passt.

Foto >Silke Insel / spomedis

Für meinen ersten Test in diesem Triathlonjahr 2017 habe ich mir eine kleine Veranstaltung im äußersten Norden ausgesucht: Zum dritten Mal findet in Flensburg der Campus-Triathlon statt. Etwas mehr als 500 Teilnehmer am Start, Schwimmen im Hallenbad, regional und trotzdem durch viele Dänen international besetzt, durch die Ligawettkämpfe auch hochklassig: ein ideales Testterrain.

Vor dem Start: Frank Wechsel und Daniel Eilers bloggen über die Saison 2017.

Vor dem Start: Frank Wechsel und Daniel Eilers bloggen über die Saison 2017.

Foto >Silke Insel / spomedis

Start zum zähen Sprint

Die Backen sind an diesem zehnten Tag nach der Weisheitszahn-OP auch schon wieder abgeschwollen, der Chirurg hat grünes Licht gegeben - und so mache ich mich am frühen Sonntagmorgen auf in den Norden. Mit leichtem Halskratzen und Kopfschmerzen, aber das spürt ja jeder Sportler am Tag des Wettkampfes. Im strahlenden Sonnenschein bei mittags um die 16 Grad: perfektes Triathlonwetter. Dass es für mich nicht der perfekte Tag werden soll, zeigt sich jedoch schon beim Einschwimmen: Die Arme fühlen sich schwer an - und sollen es auch bleiben. Die Aufgaben auf unserer Bahn 8 sind schnell verteilt. Ein Überflieger, der die 700 Meter in jeweils 1:20 Minuten schwimmen will: Er soll das Tempo machen. Dann ich, dahinter unsere beiden Mitstreiter. Um 11:25 Uhr fällt der Startschuss und spätestens um 11:26 Uhr weiß ich, dass es heute wohl eher ein zäher Sprint wird.

Bahn für Bahn schleppe ich mich durch das Wasser, von schwimmerischer Leichtigkeit ist nichts zu spüren. 10:54 Minuten zeigt die Uhr, als ich nach 700 Metern anschlage. Bäh, das hatte sich zwar jetzt nicht gut angefühlt, aber 30 Sekunden schneller hätte ich schon erwartet. Auf die 3,8 Kilometer lange Ironman-Distanz hochgerechnet, ist das zwar immer noch ein Tempo von etwas unter einer Stunde, zumal hier im Wettkampfeinteiler und ohne Neoprenanzug geschwommen - aber für mich ist das heute noch nicht vorstellbar. Und daraus ziehe ich die erste Erkenntnis: In meinem Alter reicht es dann doch nicht, nur einmal in der Woche ins Wasser zu springen.

Trainingsfleiß lohnt sich - für die anderen

Nach der Erkenntnis die Überraschung: Als ich von Bahn 8 aus an den Bahnen 7, 6, 5 ... vorbeilaufe, um am der anderen Seite des Beckens durch die Glastür zu rennen, schlüpft kurz vorher noch der auf Bahn 1 gestartete Kollege Daniel Eilers vor mich - und über die erste Zeitmessmatte. Da zeigt sich, dass sich Trainingsfleiß lohnt. Bei unserem letzten gemeinsamen Schwimmen, dem Hoala Swim eine Woche vor dem Ironman auf Hawaii im Oktober, lag noch eine kleine Welt zwischen uns. Und es steht jetzt schon fest: Das heutige Duell wird wohl 3:0 zu meinen Ungunsten ausgehen.

Doch wenigsten im Wechseln will ich mithalten, was mir auch gelingt. Die zwei Sekunden Vorsprung vom Schwimmbadausgang nimmt Daniel zwar mit bis zum Radaufstieg, aber sie werden nicht mehr. Noch nicht. Denn dem Feuerwerk, das der junge Kollege dann auf zwei Rädern abbrennt, kann ich nicht viel entgegensetzen. Ich sehe ihn bald nur noch an den vielen Wendepunkten.

Ein schneller Wechsel - doch dann kontert Eilers.

Ein schneller Wechsel - doch dann kontert Eilers.

Foto >Silke Insel / spomedis

Immer wieder bremsen und beschleunigen

Ich konzentriere mich auf mich: Rund 240 Watt trete ich, der Puls geht nach dem Schwimmen und Speedwechsel bald runter, das Durchschnittstempo auf meinem Tacho steigt - um alle 2,5 Kilometer rapide abzufallen. Denn die vier Radrunden sind eigentlich acht Radgeraden, zwischen denen jeweils eine Haarnadelwende liegt. Das bedeutet: Abbremsen auf 10 km/h, dann fast aus dem Stand wieder antreten. Das macht zwar den Schnitt kaputt, offenbar aber nicht den Eilers: Sein Vorsprung steigt bei jeder Begegnung an. Mit ziemlich genau 37 km/h im Schnitt biege ich nach 22 Kilometern zur Wechselzone ab. Und ziehe ein zweites Fazit: Die Durchschnittsleistung ist die, die ich mir erhofft hatte - für den Ironman im August. Um sie bis dahin treten zu können, braucht es noch verdammt viel Training.

Der zweite Wechsel flutscht wieder. Leider werden die Wechselzeiten später in der Ergebnisliste nicht ausgegeben - die hätten mich sehr interessiert. Auch der Vergleich mit Kollege Eilers fällt aus, denn der ist schon seit fast vier Minuten weg. Dabei kann ich hier vielleicht noch einmal glänzen. Ein letztes Mal, denn ich weiß, dass ich im Laufen noch viel Luft nach oben habe.

Luft ...

Luft zum Laufen habe ich heute nämlich nicht mehr. Puls 180, Tempo etwa 4:15 bis 4:20 Minuten pro Kilometer - ich laufe konstant und kontrolliert, aber schneller geht es irgendwie nicht. Kollege Eilers stürmt weit vor mir in einem Tempo von unter 3:40 Minuten pro Kilometer dem Ziel und Gesamt-Platz 11 entgegen, ich werde 23. und ziehe für die dritte Disziplin das Fazit: Ich war nie ein Sprinter und werde auch keiner mehr. Dafür hoffe ich, im August ein etwas langsameres Tempo deutlich länger halten zu können.

Auf dem Weg ins Ziel. Endlich. Die Rennen des Sommers werden deutlich länger.

Auf dem Weg ins Ziel. Endlich. Die Rennen des Sommers werden deutlich länger.

Foto >Silke Insel / spomedis

3. Campus-Triathlon: Sprint Männer

  1. Mai 2017 | Flensburg

Platz

Name

Verein

Gesamt

700 m Swim

22 km Bike (+T1 + T2)

5 km Run

1

Fabian Günther

Tri Team Hamburg

0:59:52

9:16

33:14

17:12

2

Benjamin Winkler

USC Kiel

1:00:16

9:51

32:18

18:06

3

Jan Svensson

TriAs Flensburg

1:00:33

9:46

33:41

17:05

11

Daniel Eilers

tri-mag.de

1:03:06

11:06

33:30

18:29

23

Frank Wechsel

tri-mag.de

1:09:59

11:08

37:10

21:41

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Was ist er also wert, dieser Test? So resümiere ich heute, am Tag danach:

  1. Ich bin froh, dass es immerhin noch 97 Tage bis zum Ironman Hamburg sind. Die müssen genutzt werden.
  2. Eine Weisheitszahn-OP ist keine Wellnessbehandlung, sondern ein Eingriff, der verdaut werden muss.
  3. Das Halskratzen und die Kopfschmerzen sind immer noch da. Wohl doch ein kleiner Infekt, der jetzt auskuriert gehört.
  4. Ein Sprinter war ich noch nie und werde es auch nicht mehr.
  5. Einmal Schwimmen pro Woche hat 1996 gereicht, aber 2017 nicht mehr.
  6. Auf dem Rad bin ich auf einem guten Weg. Die Messwerte zeigen mehr als die Durchschnittsgeschwindigkeit.
  7. Beim Laufen wartet noch viel Arbeit, aber wir haben noch genug Zeit dafür.
  8. Ich sollte mich nicht mit der 20 Jahre jüngeren Konkurrenz dieses schnellen Rennens in Flensburg, sondern mit dem 2 Jahre jüngeren Frank Wechsel vergleichen und sehen: Es geht doch ganz gut voran.
  9. Beim nächsten Test, dem Ironman 70.3 Rapperswil in fünf Wochen, werde ich getapert und mit klaren Zielen an den Start gehen und auf mehr vergleichbare Konkurrenz in meiner Altersklasse treffen. Erst danach lassen sich die Ziele für Hamburg konkretisieren.
  10. Das Tempo ist da. Jetzt muss ich nur noch lernen, es über die vollen 226 Kilometer zu halten ;-)