Der ewige Langdistanz-Rookie

Fast zwei Jahre geht Jan Peiniger schon den Weg des Langdistanz-Triathleten. Und trotz eines Sub-10-Finish, auf der Langdistanz angekommen fühlt er sich noch nicht.

Von > | 16. Januar 2017 | Aus: SZENE

Foto >Aylin Schickel

Ungefähr zwei Jahre ist es jetzt her, da habe ich angefangen, von meinem Weg zum ersten Ironman in Frankfurt zu schreiben. Es sollte in meinem ersten Jahr eine unfassbare Hitzeschlacht bei knapp 40 Grad geben. Sieger wurde auch da ein Langdistanz-Rookie.  Der Vorname stimmte, aber nein, ich war's nicht. Der Sieger hieß Frodeno oder so. Aber auch für mich war es ein Tag, der mir wirklich alles abverlangt hat. Dennoch: Am Ende war ich im Ziel, komplett euphorisiert und gleichzeitig komplett ausgezerrt.

Was blieb hängen? Dieser Tag liegt nun knapp anderthalb Jahre zurück. Seit dem bin ich bei drei weiteren Langdistanzen gestartet und auch ins Ziel gekommen. Meine Zeiten konnte ich stetig verbessern: Von 10:52 Stunden, über 10:13 Stunden und 10:08 Stunden bis runter auf 9:50 Stunden. Ich habe endlich den Sport für mich gefunden. Aber bin ich schon komplett angekommen? Nein, ich denke nicht.

Gibt es das perfekte Langdistanz-Rennen?

Ich bin immer noch ein absoluter Rookie. So fühle ich mich zumindest und das gefällt mir eigentlich ganz gut. Obwohl es von Rennen zu Rennen besser wurde – ich habe schließlich kontinuierlich hart gearbeitet – mache ich noch viele Fehler.

Einen großen Teil der Faszination an der Langdistanz ist für mich die Ungewissheit. Es passieren Dinge, die man nicht auf dem Schirm hat, im Rennen sowie im Training. Was folgt? Die Analyse und die vielen, vielen kleinteiligen Schlüsse, die man daraus zieht, und die noch zahlreicheren Stellschräubchen, an denen man dann versucht zu drehen.

Gibt es also überhaupt dieses eine perfekte Rennen, was man abliefern kann? Es ist natürlich das Ziel, auf das man immer wieder hinarbeitet. Aber mein Gefühl sagt mir: Diesen perfekten Tag gibt es nicht. Zu komplex, zu variantenreich und zu unberechenbar ist eine Langdistanz.

Der größte Reiz ist es für mich, möglichst viele dieser Faktoren zu beherrschen und zu kontrollieren. Allein im eigenen Körper liegen sicherlich schon die meisten dieser Faktoren. Ich liebe es an den kleinsten Details zu basteln, ob am eigenen Körper, ob in der Einstellung oder der Ausstattung des Bikes, ob in der Ernährungsstrategie für den Renntag; es gibt einfach unendlich viele.

Foto >Christian Siedler

Langdistanz-Athleten müssen Köpfchen haben

Eine ganz besondere Anforderung an einen Langdistanz Athleten ist es, ein gewisses Köpfchen zu haben: überlegt handeln, die richtigen Schlüsse ziehen, clever sein. Nicht nur am Renntag, sondern das ganze Jahr über. Die Triathlon-Langdistanz ist wahrscheinlich mehr "Kopfsport" als die meisten anderen Sportarten.

Der Blick auf die dritte Langdistanz-Saison

Jetzt ist es also gekommen, mein drittes Jahr als Langdistanz-Agegrouper. Meinen Startplatz beim Ironman Klagenfurt hab ich schon. Dazu kommen noch ein paar "kurze" Halbdistanzrennen und im Herbst soll noch eine zweite Langdistanz her. Welche das wird, weiß ich noch nicht. Irgendwas im September oder Oktober, denke ich. Da bin ich übrigens auch noch für Vorschläge offen. Es muss auch kein Ironman-Event sein, Hauptsache schön!

Fazit: Eine Faszination, die mich nicht loslässt

Leute, ich bin diesem Sport in den letzten zwei Jahren komplett verfallen. Ich hab so viel Bock auf dieses Jahr, das tut schon weh. Und dabei war noch gar kein Rennen. Ich hoffe, das geht euch auch so und wir sehen uns beim einen oder anderen Wettkampf auf ein Stück Kuchen im Ziel!

Foto >Christian Siedler