Holt Kienle den Weltmeistertitel zurück?

In Chattanooga will Sebastian Kienle seinen Ironman-70.3-Weltmeistertitel zurückgewinnen. Einige Konkurrenten haben abgesagt – und doch lauern im Feld Hochkaräter. Auch im Frauenrennen, in dem Laura Philipp um Edelmetall kämpft.

Von > | 7. September 2017 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle | Sebastian Kienle beim Ironman in Frankfurt.

Sebastian Kienle beim Ironman in Frankfurt.

Foto >Michael Rauschendorfer

Doppel-Vizeweltmeister im Ironman und Ironman 70.3 ist er schon. Doppel-Weltmeister war er aber noch nie. Zwar hat Sebastian Kienle beide Titel schon gewonnen – aber noch nicht im selben Jahr. Höchste Zeit also, das zu ändern. Den ersten Schritt dazu muss Kienle am Sonntag im US-Bundesstaat Tennessee machen.

Zahlreiche Podestanwärter

Dort, genauer in Chattanooga, finden am Wochenende die Ironman-70.3-Weltmeisterschaften statt, die erstmals mit Geschlechtertrennung auf zwei Tage verteilt werden: Am Samstag werden am Tennessee River nur Frauen ins Rennen gehen, am Sonntag sind dann die Männer dran. Zwei derjenigen, die im Vorfeld als große Favoriten galten, fehlen aber: Lionel Sanders (CAN) und Alistair Brownlee (GBR) sind wegen Änderungen in ihrer Saisonplanung (Sanders) bzw. einer Operation (Brownlee) nicht dabei. Was aber nicht bedeuten dürfte, dass es Kienle auf der Rennstrecke langweilig werden wird.

Dafür dürfte schon Brownlees Dauerrivale Javier Gomez (ESP) sorgen, der in diesem Jahr bisher ungewohnt wenige Rennen bestritt und den Kampf um seinen zweiten Ironman-70.3-WM-Titel aufnehmen wird. Seinen bislang einzigen hatte er übrigens 2014 gewonnen - also in dem Jahr, in dem Kienle wenig später die Ironman-WM auf Hawaii für sich entschied.

Gomez ist aber nicht Kienles einziger Herausforderer. Da gibt es zum Beispiel auch noch Tim Reed (AUS), der Kienle bei den Titelkämpfen im Vorjahr auf den letzten Metern ausgestochen und auf den zweiten Rang verwiesen hatte, sowie dessen Landsmann Sam Appleton und Terenzo Bozzone (NZL). Auch Tim Don (GBR), der Vorjahresdritte Ruedi Wild (SUI), James Cunnama (RSA) und der junge mexikanische Cross-Spezialist Mauricio Mendez dürften sich Podestchancen ausrechnen. Auf dieses Podest dürfte an einem sehr guten Tag auch Maurice Clavel schielen, der im vergangenen Jahr bereits Achter geworden war – und dem der in diesem Jahr zumindest auf der ersten Hälfte schwierigere Radkurs mit rund 1.000 Höhenmetern besser in die Karten spielen dürfte als der vergleichsweise leichte Kurs in Australien 2016. Auch Andreas Dreitz und Patrick Dirksmeier brennen bestimmt darauf, im Rennen Akzente zu setzen.

Philipp trifft ihr Pendant

Auch ins Frauenrennen startet eine Deutsche mit Podestchancen: Spätestens mit ihrem überlegenen Sieg in Zell am See hat sich Laura Philipp für die Ironman-70.3-Weltmeisterschaften in eine Favoritenposition im Kampf um Edelmetall gebracht. Doch ein Selbstläufer wird das nicht. Außer ihr findet sich auf der Startliste beispielsweise auch Ironman-Weltmeisterin Daniela Ryf – und die Ironman-70.3-Titelverteidigerin Holly Lawrence (GBR), die in gewisser Weise das Pendant zu Philipp darstellt. So, wie die Deutsche nämlich in diesem Jahr in ihren europäischen Mitteldistanzen dominierte, glückte das in den nordamerikanischen Rennen Lawrence, die sich im Wettkampf meist auf ihre große Schwimmstärke und starke Radbeine verlassen kann.

Dazu kommen noch einige weitere Athletinnen, die Philipp und Co. an guten Tagen in Bedrängnis bringen könnten: Annabel Luxford (AUS), Jeanni Seymour (RSA), Sarah Crowley und Melissa Hauschildt (AUS) gehören zweifellos dazu, genauso wie natürlich Heather Wurtele (CAN), die ehemalige Kurzdistanzlerin Sarah True (USA), Alice Hector und Rachel Joyce (beide GBR). Gute Aussichten hat zudem die Thüringerin Diana Riesler – vorausgesetzt, sie schafft es, ihr Potenzial auch auf der von ihr eher ungeliebten Mitteldistanz abzurufen. Die deutschen Profi-Damen Astrid Stienen, Jenny Schulz und Annett Jalowi haben sich ebenfalls für den Wettkampf qualifiziert und dürften im Idealfall von Top-Ten-Platzierungen träumen.