I AM TRUE: Mehr als nur ein Aufkleber

I AM TRUE, das ist die neue Kampagne von Ironman im Kampf für einen fairen Sport im Triathlon. Die Kampagne stellt sich nicht nur gegen Doping auf, sondern gegen jeglichen Betrug im Triathlon: Doping, Drafting, Abkürzen oder sonstige Formen der freien Regelauslegung.

Von > | 7. Juni 2016 | Aus: SZENE

I am true | Der Auflkeber mit dem Slogan zur Ironman-Kampagne \"I AM TRUE\" auf einer Startnummer beim Ironman 70.3 Kraichgau.

Der Auflkeber mit dem Slogan zur Ironman-Kampagne "I AM TRUE" auf einer Startnummer beim Ironman 70.3 Kraichgau.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Übrigens ist es völlig wurscht, ob da I AM TRUE dahinter steht, oder irgendwas anderes. Das Thema des Tages ist fairer Sport und das Beispiel dieser Kampagne zeigt nur bildlich ganz schön, was aktuell so alles schief läuft.

Bei I AM TRUE werden Profis und Agegrouper dazu eingeladen, sich vor dem Rennen auf einem großen "Fairness Board" mit ihrer Unterschrift zu verewigen. Mit dieser Unterschrift gibt der Athlet ein klares Statement ab, dass er für fairen Sport steht. Damit es da auch keine Missverständnisse gibt, wird im Race Briefing vorab nochmals genau darauf eingegangen, dass fairer Sport weit über den Verzicht von Nadeln im Arm hinausgeht. Wer dann noch einen obendrauf setzen möchte, der kann sich sogar noch einen I-AM-TRUE-Aufkleber auf den Helm kleben, um somit auf der Radstrecke ein zusätzliches Zeichen zu setzen.

Das klingt doch so weit ganz gut und im Kraichgau haben am vergangenen Wochenende auch viele Profis und Agegrouper unterschrieben. Nur dachten leider viele, dass sie damit ihren Beitrag zur Fairness geleistet haben. Nochmal zur Erklärung: Nur unterschreiben, wenn ihr es auch so meint! Das ist hier kein Monopoly und eure Unterschrift keine Einmal-aus-dem-Bescheißen-frei-Karte.

Fair racen ist nicht, am Vortag so tun, sondern es am Renntag durchsetzen. Wenn dann allerdings schon die Profis als schlechtes Beispiel voraus gehen, wird es nicht einfacher, den Agegroupern zu erklären, weshalb sie fair unterwegs sein sollen. Beim Schwimmstart schon zehn Meter über die Startlinie hinausschwimmen, ehe der Startschuss erfolgt, heimlich den Freund als Betreuer vor dem Rennstart in die Wechselzone einschleusen und sich außerhalb der Special-Feed-Station die eigene Ernährung anreichen lassen, das ist alles schlicht und ergreifend Betrug und unfairer Sport. Und wer mir jetzt sagt, das machen die anderen aber auch so, hat endgültig seinen schwachen Charakter bewiesen.

Nur weil der eine oder andere Profi es so macht, müssen wir als Agegrouper nicht gleich nachziehen. Die Ausrede zählt nicht und wir sind alle mündige Menschen. Wenn ein Pulk von hinten in unsportlicher Art auf dem Rad angeflogen kommt, müssen wir uns davon nicht mitziehen lassen. Einmal kurz von den Aerobars an den Lenker - und schon ist das Grüppchen weg und die fairen Athleten unter uns können weiter ihr eigenes Rennen machen. Selbst eine Kleinigkeit wie an jeder Straßenecke auf der Laufstrecke fünf Meter über den Gehweg abzukürzen ist nun mal Betrug und ganz ehrlich auch ein bisschen peinlich.

Am Ende sehe ich im Kraichgau den Fehler allerdings bei mir als Moderator und muss die einzelnen Athleten hier aus der Verantwortung nehmen. Es gibt gewisse Dinge, die ich im Briefing nicht klar genug erklärt habe. Von daher jetzt nochmal zum Verständnis für kommende Rennen:

  1. "Keine Helfer, Freunde oder Familie mit in die Wechselzone bringen" bedeutet: Auch wenn die selbständig reinlaufen, haben die da drinnen nichts zu suchen! Und wenn ich dann im Profifeld schon vor dem Schwimmstart den Freund am Rad der Athletin rumbasteln sehe, bekommt ihr das nächste Mal von mir den öffentlichen Aufruf über das Mikrofon.
  2. "Wenn ihr den Kopf mehr als 90 Grad rechts oder links drehen müsst, um die Startboje noch zu sehen, dann seid ihr schon vor dem Start zu weit" bedeutet: "Wenn ihr den Kopf mehr als 90 Grad rechts oder links drehen müsst, um die Startboje noch zu sehen, dann seid ihr schon vor dem Start zu weit". Das war, glaube ich, nicht ganz klar an dieser Stelle.
  3. "Die Windschattenbox ist 12 Meter von Vorderrad zu Vorderrad" bedeutet: zum Vorderrad des Athleten direkt vor euch und nicht zum Vorderrad des Führenden in einer draftenden 10er-Gruppe. Ich bringe das nächste mal eine Zeichnung mit. Ach nee, warte: Dazu gab es ja im Briefing eine Zeichnung ...
  4. "Der Überholvorgang auf dem Rad muss innerhalb von 25 Sekunden abgeschlossen sein" bedeutet: 25 Sekunden der international genutzten Zeit, wie sie auf eurer Uhr auch läuft und nicht die "Schatz-ich-muss-nur-noch-mal-schnell-ins-Bad-ich-bin-in-25-Sekunden-fertig-25-Sekunden, die ihr von euren Lebenspartnern kennt.

An der Stelle übrigens nochmal ein ganz ernsthafter Dank an die Führungsgruppen bei den Profis im Kraichgau. Ich habe selten so faires Radfahren in einem Triathlon gesehen wie an der Spitze dieses Rennens. Zumindest, als ihr bei Kilometer 30 und 60 an meinem Moderationsposten vorbeigekommen seid.

In diesem Sinne: Triathlon ist geil, Triathleten sind geiler, aber vor dem Regelwerk sind wir dann doch alle nur gleich geil. Von daher sollten wir uns auch so verhalten ... Und jetzt: Ab in den Pool! Wer heute mehr trainiert, kann morgen schneller racen und das ganz ohne Beschiss!