"Ich fühle mich wie ein Teenager vor dem ersten Date"

Till Schenk wird langsam nervös - noch vier Wochen bis zum Extrem-MTB-Rennen in Südafrika, dem Cape Epic. Aus seiner Zeit auf Lanzarote konnte er bereits wichtige Erkenntnisse ziehen.

Von > | 20. Februar 2017 | Aus: SZENE

Geröll, Sand, Staub und Sonne: Auf Lanzarote sammelte Till Schenk Trainingskilometer für sein großes Abenteuer.

Geröll, Sand, Staub und Sonne: Auf Lanzarote sammelte Till Schenk Trainingskilometer für sein großes Abenteuer.

Foto >James Mitchell

Angst, Freude, Vorfreude, Stimmungsschwankungen. Ich fühle mich wie ein Teenager vor dem ersten Date. Vier Wochen sind es noch bis zum Cape Epic, einem Abenteuer, bei dem ich mehr als je zuvor nur sagen kann, dass ich keine Ahnung davon habe, was ich da eigentlich tue. 

Vor ein paar Wochen musste ich mich entscheiden. Will ich einen auf cool machen und sagen können: "Cape Epic" war mein erstes Mountainbike-Rennen im Leben, oder will ich doch lieber wissen, was ich da mache? Da mein Team-Partner Stefan keine Chance auslässt, mir Angst zu machen, habe ich mich für die zweite Variante entschieden und spontan einen Trip zum "4 Stage Club La Santa MTB Race" auf Lanzarote gebucht. Bis vor dem Rennen war mein Plan: 4 Stage Club La Santa Rennen, 4 Stage Rennen Anfang März entlang der Garden Route in Südafrika, Cape Epic und dann, wenn ich noch Lust danach habe, im Mai den Ironman Lanzarote. Jetzt sitze ich hier und denke mir: "Knuffig, war ich vor zwei Wochen noch dumm."

Die vier Tage auf Lanzarote waren ein Traum. Keine genaue Cape-Epic-Simulation, da die Etappen zu kurz und der Puls zu hoch waren, aber Geröll, tiefer Sand, Staub auf der Passiv-Raucherlunge und das eine oder andere hirnlose Wesen, das einen lieber gemeinsam in den Abgrund reißen würde, als hinter einem ins Ziel zu kommen, waren mit dabei. Nach drei Tagen Quälerei hat der Körper endlich akzeptiert und kapituliert, den Puls im Schnitt um acht Schläge runtergeschraubt und auf Autopilot gestellt. Das ist schon eine coole Geschichte, wenn du richtig im Eimer bist, einfach weitermachen. Nach der vierten und finalen Etappe bin ich morgens aufgewacht und wäre durchaus bereit gewesen, nochmal eine Etappe dranzuhängen, aber eine Sache war klar: Never ever, ever, mache ich nach dem Cape Epic (acht Etappen und dreimal so lang wie das 4-Etappen-Rennen auf Lanzarote) den Ironman Lanzarote. Selbst wenn der Körper könnte, woran ich zweifle, hätte ich da überhaupt keinen Bock drauf. Nach so einem Ding will ich nicht wieder fokussieren, sondern mit meinem Bruder gemütlich auf Mallorca zwei Wochen von einem Marktplatz zum anderen radeln, bis am Abend die Herzklappen dank übermäßigem Kaffeegenuss die Grätsche machen.

Mittlerweile bin ich in Südafrika angekommen und der Teenager nimmt volle Überhand. Morgens voller Energie und Begeisterung aufwachen, das “You Can Do It"-Mantra summen und nachmittags nach fünf Stunden im Sand und Geröll beleidigt in der Ecke sitzen wollen, als hätte Mutti mir gerade erzählt, dass sie mir keine Justin-Bieber-Konzertkarten zu Ostern kaufen wird. Ungefähr so geht das den ganzen Tag. Gestern ein bisschen mehr ab, als der Trail in der Abfahrt einfach mal abgerutscht war und ich ungebremst drei Meter ins tieferliegende Flussbett gefallen bin. Schlimme Geschichte dieses Mountainbiken, aber unfassbar viel Spaß macht es! Vier Wochen noch für Stefan und mich. Die Motivationssprüche dürfen jetzt gerne beginnen. Ab nächster Woche ist er auch in Südafrika vor Ort und dann updaten wir euch von unserer "EpicBoyGroup" zum Cape Epic.

Ich bin dann mal raus. Zurück auf dem Trail von gestern. Meine Haut aufsammeln, die ich da gelassen habe! Reingehauen! 

Rund um die Uhr unterwegs: Auch in der Abenddämmerung wurde auf Lanzarote noch trainiert.

Rund um die Uhr unterwegs: Auch in der Abenddämmerung wurde auf Lanzarote noch trainiert.

Foto >James Mitchell