"Aufgeben finde ich respektlos"

Die erste Profi-Saison hätte für Lukas Krämer nicht besser beginnen können. In Rom erlitt der Neu-Profi allerdings einen Rückschlag. Zeit für ein erstes Resümee.

Von > | 9. August 2017 | Aus: SZENE

Auch diese Momente gehören zum (Profi-)Sport dazu.

Auch diese Momente gehören zum (Profi-)Sport dazu.

Foto >Privat

"Aufgeben finde ich respektlos"

Wie schlecht es Krämer im Verlauf des Rennens ging, erzählt er hinterher: „Auf den ersten Kilometern der Laufstrecke habe ich mehrfach ans Aufgeben gedacht.“ Dennoch biss er sich durch, quälte sich ins Ziel, auch wenn ihm früh klar wurde, dass es an diesem Tag weder für eine vordere Platzierung, noch für eine Beteiligung am Preisgeld reichte. „Aufgeben, nur weil es nicht läuft, ist einfach nicht meine Art“, erzählt er und hängt direkt eine einfache und bildliche Erklärung an: „Ein Sieg ist nur dann etwas wert, wenn die anderen sich die Niederlage eingestehen und man nicht alleine auf dem Podest steht.“

Damit meint er, dass die Leistungen des Siegers und der platzierten Athleten nur dann von Medien, Fans und Sponsoren gewürdigt werden, wenn die Konkurrenz dahinter ins Ziel kommt. Entsprechend „respektlos gegenüber den anderen Athleten“ empfände er eine Aufgabe und zieht den Vergleich zum Fußball: „Bei der WM 2014 sind die Brasilianer nach dem 0:7 auch nicht einfach vom Platz gegangen, sondern haben versucht, sich würdevoll zu verabschieden.“ In diesen Momenten scheinen es nicht die Leistungen zu sein, die Krämer beeindrucken, sondern vor allem die innere Einstellung und der Respekt untereinander.

"Theoretisch wäre ich besser" – das zählt nicht

„Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn jemand einfach das Rennen aufgibt, seine Kräfte schont und hinterher Erklärungen und Ausreden angibt“, erzählt er. „Theoretisch wäre ich besser, aber…“, zähle für ihm nicht. Die Zielzeit, das für Triathleten höchste Gut am Wettkampftag, stehe für ihn Schwarz auf Weiß für die Leistungsfähigkeit, zu der ein Athlet an diesem Tag fähig ist: „Wenn ich wie zuletzt in Rom einfach nicht in der Lage bin weiter nach vorn zu laufen, muss ich eben sagen: „an diesem Tag war ich einfach nicht schneller“ und dafür gibt es auch keine Ausreden!“ Die Kräfte schonen wenn die Konkurrenz besser ist und spontan einen anderen Wettkampf am nächsten Wochenende machen, kommt für Krämer nicht in Frage: „Das geht neben meiner Einstellung alleine beruflich schon nicht.“ Dass nicht jeder Athlet diese Einstellung teilt, weiß er: „Wahrscheinlich bin ich diesbezüglich einfach nicht Profi genug.“

Trotz der Enttäuschung unmittelbar nach dem Rennen in Rom ist sich Krämer bewusst, dass Rückschläge – so unerwartet sie auch kommen – zum Leben eines Sportlers dazu gehören. Weder Amateure noch Profis sind vor diesem Schicksal gefeit. Das Wochenende hat er schon einige Tage später abgehakt, kann von den teils chaotischen Tagen rund um den Wettkampf mit einem Lachen berichten und seinen sportlichen Fokus auf die nächsten Highlights legen. Am 13. August wird er wieder über die Mitteldistanz starten. Nach seinen Ausflügen nach Italien geht es dieses Mal in den Norden nach Finnland und gleichzeitig darum, die enttäuschenden Tage von Rom mit einem guten Rennen vergessen zu machen.