"Aufgeben finde ich respektlos"

Die erste Profi-Saison hätte für Lukas Krämer nicht besser beginnen können. In Rom erlitt der Neu-Profi allerdings einen Rückschlag. Zeit für ein erstes Resümee.

Von > | 9. August 2017 | Aus: SZENE

Auch diese Momente gehören zum (Profi-)Sport dazu.

Auch diese Momente gehören zum (Profi-)Sport dazu.

Foto >Privat

Lukas Krämer zieht ein erstes Fazit

Die Premieren-Saison als Profi hätte erstmal für Krämer nicht besser laufen können. Von Verletzungen und Rückschlägen ist er verschont geblieben und einem guten sechsten Platz in Rimini folgte in Venedig der erste Sieg auf der Langdistanz. Im Juli erlebte der hauptberufliche Feuerwehrmann die erste Enttäuschung der Saison. Einer kurzen verletzungsbedingten Laufpause folgte nun der erste Rückschlag im Profifeld. Statt an seiner Form zu zweifeln, nutzte Krämer dieses Rennen, um sich an grundsätzliche Verhaltensregeln und respektvollen Umgang unter Profikollegen zu erinnern.

"So richtig als Profi fühle ich mich nicht"

Ein kurzer Rückblick: Im Juni gewinnt Lukas Krämer die Challenge Venedig und bringt den Beweis, dass die Entscheidung für eine Profi-Lizenz seine Berichtigung hatte. Es waren Gedanken, die dem Münchner in den Monaten zuvor Kopfzerbrechen bereitet haben. So logisch der Schritt zu „den Großen“ auch schien, so unsicher ist sich Krämer über die Berechtigung dieser Entscheidung gewesen. „So richtig als Profi fühle ich mich nicht“, erzählt er immer noch und nimmt Bezug auf seine Arbeit bei der Feuerwehr und die Triathlonkarriere, die sich parallel den beruflichen Verpflichtungen unterzuordnen hat. Hat er überhaupt das sportliche Niveau, um bei den Profis mitzumischen? Verdient er die Bezeichnung Profi? Immerhin bringt ihm der Sport kein festes Einkommen. Krämer stellte die Entscheidung lange in Frage: „Der Sieg in Venedig war dahingehend ein echter Befreiungsschlag“, sagt er noch Wochen später und verweist gleichzeitig auf Probleme, die die aktuellen Strukturen für Athleten wie ihn mit sich bringen.

Im Prinzip kann jeder Triathlet mit Vereinsmitgliedschaft eine Profi-Lizenz lösen und die Rennen aus der ersten Reihe heraus starten. Kurzfristigere Anmeldefristen für die großen Rennen, potentielle Beteiligungen am Preisgeld und bei genügend Starts schlichtweg Ersparnisse bei den Anmeldegebühren – in Besitz einer Lizenz zu sein, bietet viele Vorteile.

Für Krämer hat sich mit Lösen der Lizenz das Gefühl von ständiger Rechtfertigung eingestellt – anderen Athleten, aber vor allem sich selbst gegenüber. Der Erfolg in Venedig hat ihn in seiner Entscheidung bestätigt. Dennoch wünscht er sich und Athleten, die sich in vergleichbaren Situationen befinden, Kriterien, die einem diese Entscheidung abnehmen. Ein System, in denen sich Athleten für den Status als Profi qualifizieren müssen und eine objektive Berechtigung erlangen. Die Zweifel, die Krämer über Monate begleiteten, würden somit verschwinden und Profis der zweiten Garde müssten sich für ihren Status nicht rechtfertigen. Hört man Krämer zu, wird einem bewusst, dass die bisherigen sportlichen Erfolge nicht nur Freude in ihm auslösen, sondern sichtlich den Druck genommen haben.

Der erste Rückschlag

Nach einer sportlich erfolgreichen ersten Saisonhälfte hat sich die rechte Schienbeinkante gemeldet. Krämer und sein Trainer beschlossen, eine sofortige Laufpause einzulegen, um keine schwerere Verletzung zu riskieren, obwohl das nächste Rennen und damit wichtige qualitative Einheiten auf dem Programm standen. Durch das schnelle Reagieren gelang es ihm, die Probleme innerhalb einer Woche in den Griff zu bekommen. Zwar litt seine Vorbereitung in Hinblick auf die Challenge Roma 735 und Krämer konnte erst wenige Tage vor dem Rennen seinen ersten 30-minütigen Lauf absolvieren, dennoch reiste er zuversichtlich in Italiens Hauptstadt, um über eine verkürzte Mitteldistanz an den Start zu gehen.

Dort jedoch konnte er zum ersten Mal in seiner noch jungen Profikarriere nicht sein Leistungsvermögen abrufen. Zwar gelang ihm auf dem Rad eine furiose Aufholjagd, die ihn in eine aussichtsreiche Position brachte, der abschließende Lauf wurde für Krämer jedoch zur bitteren Enttäuschung: „Meine Füße wollten sich einfach nicht bewegen, die Pace war sogar langsamer als beim Marathon in Venedig.“ Ausgerechnet das Laufen, seine eigentlich stärkste und zuverlässigste Disziplin, lässt ihn in der Hitze von Rom im Stich. „Komplett enttäuscht“ sei er dementsprechend in den Minuten nach dem Rennen gewesen. Die einwöchige Laufpause möchte er nicht als Grund anführen. Auch der Trainingsschwerpunkt auf die Langdistanz erklärt das verkorkste Rennen nicht. Vielmehr verständigt er sich mit seinem Trainer darauf, dass es Tage gibt, an denen es einfach nicht so läuft wie gewünscht.