"Ich wollte die Jungs sofort unter Druck setzen"

Beim Ironman 70.3 Rügen präsentierte sich Patrick Lange in starker Form. Wir haben mit dem 31-Jährigen über seine Renntaktik und seine Hawaii-Erwartungen gesprochen.

Von > | 11. September 2017 | Aus: SZENE

Patrick Lange hat wieder Grund zum Jubeln.

Patrick Lange hat wieder Grund zum Jubeln.

Foto >Getty Images for IRONMAN

Im erwarteten deutschen Duell mit Nils Frommhold warst du es, der die erste Attacke gesetzt hat und zu Rennbeginn 30 Sekunden auf dem Rad herausgefahren hat. War das eine geplante Überraschungstaktik?
Ganz und gar nicht. Ich wollte erst einmal sehen wie das Schwimmen läuft und hatte den Fahrplan, mich dort an Nils ranzuhängen. Ich wusste ja aus unserem gemeinsamen Training aus St. Moritz, dass er eine gute Schwimmform hat. Das Schwimmen lief optimal. Ich bin als Zweiter aus dem Wasser und konnte im Prinzip schon auf dem langen Weg in die Wechselzone eine kleine Lücke reißen. Danach habe ich nicht lange gefackelt und wollte die Jungs direkt unter Druck setzen, wobei die Attacke noch kontrolliert war. Ich war aber auch nicht traurig als Nils kurz vor dem Wendepunkt aufgeschlossen hat.

Hast du dich danach auf deine Laufstärke verlassen und warst froh, dass du bei Nils mitfahren konntest oder hast du sogar noch einmal versucht, nach vorn wegzukommen?
Ich habe ihn erst einmal vorbei gelassen, um zu sehen was er drauf hat, bin dann aber relativ schnell wieder nach vorn gefahren und dort auch bis zur Wechselzone geblieben. Meine Radbeine waren heute wirklich gut und von daher habe ich mich auch im Stande gefühlt, das Rennen von vorn zu bestreiten.

Du hast anschließend beim Laufen direkt die Initiative übernommen und dir schnell einen Vorsprung erarbeitet. Wann warst du dir sicher, dass du das Rennen unter Kontrolle hast?
Ich wollte Nils von Beginn an unter Druck setzen und zeigen, dass ich dazu bereit bin, alles zu geben. Ich konnte mich direkt absetzen und die Renndynamik an den Wendepunkten gut einsehen. Ab Kilometer 10 habe ich angefangen, mich sicher zu fühlen und konnte ein bisschen rausnehmen.

War ein derart souveräner Sieg eine besondere Genugtuung und vielleicht sogar eine Ansage an die Skeptiker nach dem 6. Platz in Frankfurt?
Es ist natürlich nie einfach, an große Erfolge anzuknüpfen. Bevor man ein vorschnelles Urteil fällt darf man allerdings nicht vergessen, dass ich in den drei Monaten vor Frankfurt fast keine Laufkilometer absolvieren konnte, das habe ich in Frankfurt deutlich gemerkt. Insofern war heute mit Sicherheit ein kleiner Fingerzeig, aber vor allem bin ich glücklich darüber, dass mein Fuß mittlerweile wieder gesund ist und ich auch heute bei dem Lauf keinerlei Schmerzen hatte. Das war ein weiterer Schritt in Richtung Hawaii und ich werde mich jetzt direkt weiter auf die Weltmeisterschaft vorbereiten