Inselhopper Golo Röhrken und die Red Bull Tri Islands

450 Athleten aus 16 Nationen sind am Samstag bei den 3. Red Bull Tri Islands am Start. Fest steht: Auf dem Sylter Treppchen werden am Ende zwei neue Gesichter ganz oben stehen. Gelingt Hawaii-Starter Golo Röhrken bei seiner Premiere in der Nordsee der Sieg?

Von > | 7. September 2017 | Aus: SZENE

Golo Röhrken war bei der Premiere des Ironman Hamburg in 8:56:41 Stunden der schnellste Agegrouper.

Golo Röhrken war bei der Premiere des Ironman Hamburg in 8:56:41 Stunden der schnellste Agegrouper.

Foto >Nils Flieshardt / spomedis

Die beiden ersten Auflagen der Red Bull Tri Islands, die sturmgepeitschte Premiere 2015 und das Triathlon-Sommerfest 2016, sahen jeweils die gleichen Topathleten vorn: Während der damals für die Türkei startende Hannoveraner Jonas Schomburg bei den Männern nicht zu schlagen war (im letzten Jahr nicht einmal von Sebastian Kienle), siegte bei den Frauen mit Hanna Winckler aus Flensburg eine Lokalmatadorin. Beide werden ihre Titel am Samstag nicht erneut verteidigen und machen den Weg frei für neue Sieger.

Drittplatzierter feiert Drei-Insel-Comeback

Bei den Herren gehört der hinter Schomburg und Kienle in Vorjahr Drittplatzierte, der Kölner Robert von Leesen, der damals noch Skazidroga hieß, auf dem Papier zu den hohen Favoriten. Doch nach der Geburt seiner Tochter hatte von Leesen seine Triathlonkarriere eigentlich schon beendet – bis die Anfrage des Renn-Co-Sponsors Gerolsteiner kam, ob er es nicht im Trikot der Mineralwassermarke noch einmal versuchen wolle.

Herausgefordert wird von Leesen von einem Hamburger: Der 29-jährige Golo Röhrken war vor knapp vier Wochen schnellster Agegrouper (8:56:41 Stunden) bei der Premiere des Ironman Hamburg und qualifizierte sich als Sieger der Altersklasse M25-29 für den Ironman auf Hawaii. Erklärtes Ziel der beiden für den Samstag ist: „Wir wollen es auf das erste Boot schaffen.“ Die Boote - sie sind ein elementarer Teil des Kults der Red Bull Tri Islands. Doch bis dorthin ist es für die 450 Teilnehmer aus 16 Ländern ein langer Weg. 

Kreuz und quer durchs Wattenmeer

Der beginnt am Samstagmorgen um 9 Uhr mit der Wattwanderung von Dunsum auf Föhr nach Amrum. Nach etwa zwei Stunden und acht Barfuß-Kilometern werden die Sportler dort ankommen, um weitere drei Stunden auf das Wasser zu warten, das aus dem Wattenweg die Schwimmstrecke für die erste Disziplin macht. Die Wanderung verläuft quer zwischen den Inseln, die Schwimmstrecke direkt. Jedenfalls theoretisch, denn Wind, Wellen und Gezeiten lassen die 2,5 Kilometer um den vorher unbekannten Faktor X wachsen.

Einmal auf Föhr angekommen, angeschwommen oder angespült, warten die Räder auf die Sportler. Eine kleine und eine große Runde sind auf der grünen Insel zu absolvieren, insgesamt 40 Kilometer. Wer Teil 1 und 2 in weniger als 2:30 Stunden schafft, darf auf’s Boot, das die Cut-off-Besieger zur Laufstrecke nach Sylt bringt. „Ich werde mich auf dem Rad taktisch verhalten“, sagt Golo Röhrken. Taktisch, das bedeutet im Idealfall: Platz 12. Denn nach jedem zwölften Radfinisher fährt ein Boot nach Sylt, wo alle Insassen gleichzeitig den Lauf in Angriff nehmen. „Ich komme wahrscheinlich recht weit hinten aus dem Wasser und weiß nicht, wie auf dem Rad die Übersicht ist.“ Es gilt, Kräfte für den Lauf zu sparen: „Der soll anstrengend sein, aber auch eine Mordsstimmung bieten“, so hat sich Röhrken, der für das ProEnzym Tri Team Hamburg startet, berichten lassen.

Zwei Rennen, zwei Meere

Für die 450 Teilnehmer abzüglich derer, die nach dem Radfahren auf Föhr „stranden“, ist das Rennen nach knapp elf Laufkilometern (davon drei im Sand) im Ziel auf Sylt zu Ende – nicht jedoch für Röhrken. Denn der muss schnellstmöglich zurück auf’s Festland und dort von der Nord- zur Ostsee: „Am Sonntag stehe ich als Staffelradfahrer beim Ironman 70.3 auf Rügen am Start.“ Mit der Doppelherausforderung will der Jungarzt, der nebenbei an seiner Doktorarbeit über die „Auswirkungen eines dreimonatigen Ausdauertrainings auf die Ermüdung von MS-Patienten“ schreibt, eine kleine Spitze setzen, um motiviert in die Vorbereitung auf den Ironman Hawaii zu gehen.

Die beginnt am Dienstag oder spätestens am Mittwoch nächster Woche in Hamburg und endet am 1. Oktober. Dann nämlich fliegt der 29-Jährige nach seinen Kurzbesuchen auf Amrum, Föhr, Sylt und Rügen auf die Trauminsel aller Triathleten: Big Island, Hawaii. Wir werden ihn dorthin begleiten.