Der Ironman 70.3 Rügen im Praxistest

Der Ironman 70.3 Rügen wurde 2016 zum beliebtesten Ironman-70.3-Rennen weltweit gewählt. 2017 haben wir das Rennen selbst erlebt – und berichten im Insider-Check.

Von > | 13. September 2017 | Aus: SZENE

Auf der Seebrücke in Binz verfolgten hunderte Zuschauer den Start der über 1.500 Athleten.

Auf der Seebrücke in Binz verfolgten hunderte Zuschauer den Start der über 1.500 Athleten.

Foto >Getty Images for Ironman

Fairness

Leider das einzige Manko der Veranstaltung. Zum ersten Mal befand ich mich in der Situation, gefangen in einer Gruppe zu sein, in der die eine Hälfte nicht fair fahren wollte und die andere somit nicht fair fahren konnte. Die anfängliche Versuche, mit viel zu hoher Leistung an der Gruppe vorbeifahren zu wollen, ließ ich schnell sein. Wenn eine 30 Mann starke Gruppe hintereinander fährt und man sich etwa an Stelle 15 befindet, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, mit einem Schwung an allen Vorbeizufahren. Lücken zum Einscheren zwischen den Athleten gab es keine ausreichenden. Wer sich um Fairness bemühte, setzte sich mit etwas Abstand hinter den Vordermann und überholte maximal, wenn sich eine Lücke auftat (was selten bis gar nicht der Fall war). Trotzdem führte der Umstand dazu, dass alle hintereinander – ob mit fairem Abstand oder nicht – die gleiche Geschwindigkeit fuhren. Besonders bitter ist es, wenn man auf die Gruppe auffährt, aufgrund der Umstände nicht vorbei kommt und sieht, wie die Durchschnittsleistung in Watt immer weiter sinkt.

Eine Renndynamik wie diese macht nicht nur den Spaß, sondern auch die (ehrliche) Leistung kaputt und ich erwischte mich auf der Radstrecke sicherlich zehnmal bei einem unbewussten Kopfschütteln. Auch als Wettkampfrichter vorbeikamen und fast zehn Minuten neben der Gruppe herfuhren, wurden keine Strafen verteilt, da alle im gleichen Boot saßen und man der Situation nicht wirklich entkommen oder entgegensteuern konnte. Da alle offensichtlich in etwa das gleiche Leistungsniveau hatten, konnte sich keiner absetzen, es fiel aber auch niemand heraus. Eine unglückliche Situation, in der man als Wettkampfrichter meiner Meinung nach auch nichts ändern hätte können. 1.500 Athleten scheinen einfach zu viel für zwei Radrunden mit je 45 Kilometern zu sein. Der Umstand, dass ich 40 Kilometer komplett alleine gefahren bin, lässt wenigstens darauf schließen, dass es nicht allen Athleten so ging. Dieser fade Beigeschmack der Windschattenproblematik hat nicht wirklich etwas mit der Veranstaltung an sich, sondern mit der Größe des Teilnehmerfelds, der Streckenführung und dem Leistungsniveau zu tun.

Fairness: ★★☆☆☆