Der Ironman kommt nach Hamburg. Ich bin schon da!

Noch 328 Tage bis zur Premiere des Ironman Hamburg. Woher ich das so genau weiß? Seit der Verkündung am Donnerstag zähle ich die Tage herunter. Denn ich bin im Training. Und damit ganz plötzlich Teil meiner publizistischen Zielgruppe.

Von > | 18. September 2016 | Aus: SZENE

Frank Wechsel | triathlon-Herausgeber Frank Wechsel will beim Ironman Hamburg 2017 an den Start gehen.

triathlon-Herausgeber Frank Wechsel will beim Ironman Hamburg 2017 an den Start gehen.

Foto >Silke Insel / spomedis

Ein Ironman in Hamburg – seitdem die Gerüchte im Frühjahr die Runde machten und die Perspektive in den letzten Monaten immer mehr zur Gewissheit wurde, lässt mich dieses Thema nicht mehr los. Einerseits natürlich dienstlich: Für den Standort meines Medienunternehmens mit dem wohl größten Portfolio der Triathlonwelt ist ein großes Langdistanz-Rennen vor der Haustür natürlich ein Traum. So gerne wir jedes Jahr nach Frankfurt, Roth und Hawaii fahren: Die Elite der Langdistanz daheim begrüßen zu dürfen, ist ein großes Geschenk. Auf der Kurzdistanz kennen wir das bereits seit 15 Jahren, doch da sich der Fokus der Triathlonwelt nach Jan Frodenos Olympiasieg 2008 immer mehr in Richtung Langdistanz gedreht hat, ist es für die Sportstadt Hamburg Zeit, die nächste Stufe zu zünden. 

Andererseits aber auch privat: Ich habe selbst fünf Langdistanzen gefinisht, die erste 1995 in Schwerin, die letzte am 15. August 1998 in Almere. Der Triathlonsport steckte damals noch in den Kinderschuhen. Wie ich, irgendwie. Ich trainierte, wie alle, nach der Methode „Viel hilft viel“, fuhr einen 26-Zoll-Alurenner und achtete bei der Ernährung eigentlich nur darauf, so viele grundsätzlich gute Kohlenhydrate und so wenig per se schlechte Fette wie möglich zu mir zu nehmen. Triathlon war so einfach, irgendwie.

Im Jahr 2016 ist der Triathlon längst erwachsen geworden. Wie ich, irgendwie. Und darin liegt der Reiz, der mich in den letzten Wochen immer mehr gefesselt hat: Lässt sich die Leidenschaft der Pionierzeiten mit den Erkenntnissen der Wissenschaft des Triathlons von heute unter einen Hut bringen?

Die Voraussetzungen haben sich in den letzten 20 Jahren gravierend geändert. Damals war ich Student, konnte mir meine Zeit recht frei einteilen, 20 Stunden pro Woche trainieren. Und hatte irgendwann genug erlebt. Andere Dinge standen fortan im Vordergrund, zehn Jahre lang habe ich so gut wie keinen Sport getrieben. Den vielen Kohlenhydraten bin ich treu geblieben (was man mir zwischendurch auch angesehen hat). Heute habe ich Familie, eine Firma. 

Und genau darin liegt der Reiz, den zunächst die Startlinie, viel später sicher auch die Ziellinie des Ironman Hamburg auf mich ausübt. Ist Triathlon eine Sportart, die man als Normalsterblicher ernsthaft betreiben kann? Ich bin bereit, diesen Versuch zu starten, diesen Weg zu gehen. Den Weg, den Jahr für Jahr Tausende unserer Leser gehen. Ironman, das sind nicht 226 Kilometer in elf oder zwölf Stunden – Ironman, das sind elf Monate zwischen jetzt und dem 13. August 2017. Ich weiß, dass es ein Weg mit Höhen und Tiefen wird.

Als der Ironman Hamburg am Donnerstag in der Hamburger Handelskammer offiziell vorgestellt wurde, war ich gerade in einem lange geplanten Termin in unserem Fotostudio im Verlag. „Bikefitting“ stand dort auf dem Programm, ein Shooting für ein Buch, das demnächst bei spomedis erscheint. Und bei jedem Foto fragte ich mich nun nicht nur, ob Einstellung und Belichtung stimmen, ob das Bild genau das aussagt, was der Autor meint – sondern auch, ob ich selbst so elegant, stromlinienförmig und perfekt auf dem Rad sitzen kann wie unser austrainiertes Model. Und was ich dafür tun muss, um mit meiner bis heute bekannt mäßigen Rumpfstabilität sechs Stunden in einer ähnlichen Position bestehen zu können.

Während des Shootings stellte ich fest: Ab heute bin ich nicht mehr nur der Verleger der Medien aus der triathlon-Familie, sondern auch Zielgruppe. Und als Teil dieser werde ich über meine Vorbereitung auf den Ironman Hamburg berichten. Noch 328 Tage ...