Ironman und Challenge wollen wieder miteinander reden

Im Terminstreit zwischen Challenge Roth und Ironman Frankfurt ist guter Rat teuer: Eine Einigung scheint in weiter Ferne. Immerhin wollen beide Seiten miteinander reden.

Von > | 22. Februar 2017 | Aus: SZENE

Foto >Nils Flieshardt / spomedis

In einer Pressemitteilung erklärte das Challenge-Team am Freitag, künftig werde das Rother Rennen vom angestammten Termin am zweiten Juliwochenende abweichen und die Challenge Roth grundsätzlich am ersten Juliwochenende ausgetragen, weil es zum wiederholten Mal Terminüberschneidungen mit dem Ironman Frankfurt gegeben habe und längerfristige Versuche von Terminabsprachen mit der Deutschen Triathlon Union (DTU) und Ironman erfolglos geblieben seien. Hintergrund dieser Entscheidung war wohl nicht nur, dass das Rennen in Roth und der Ironman in Frankfurt in diesem Jahr parallel stattfinden werden - sondern auch, dass der Frankfurter Ironman im kommenden Jahr erneut auf das zweite Juliwochenende terminiert ist, wie Ironmans "Managing Director" Björn Steinmetz im Gespräch mit tri-mag.de erklärt.

Unterschiedliche Darstellungen

"Wir haben Felix Walchshöfer und das Roth-Team schon im Juli darüber informiert, dass wir 2018 wieder auf dieses Wochenende gehen müssen, und vorgeschlagen, uns diesbezüglich abzustimmen", sagt Steinmetz. Er persönlich sei vom Challenge-Team zuletzt aber ignoriert worden, seitdem er sich 2013 vom Challenge-Label abwandte und hauptberuflich zu Ironman wechselte. Felix Walchshöher dagegen widerspricht gegenüber tri-mag.de der Darstellung, er wolle aus persönlichen Gründen nicht mit Steinmetz sprechen: "Ich bin professionell genug, das auszublenden. Fakt ist, dass wir im vergangenen Jahr kurz vor dem Ironman in Frankfurt aus der Zeitschrift triathlon erfahren haben, dass sich unsere Termine wieder überschneiden. Dass Ironman uns immer mit Vorlauf informiert, stimmt einfach nicht", sagt Walchshöfer. Auch ein echtes Gesprächsangebot habe er seitens Ironman nicht erkannt. Steinmetz habe in einer E-Mail zwar erwähnt, man könnte sich ja irgendwann an einem neutralen Ort auf ein Glas Wein treffen. "Unter einem Gesprächsangebot zwischen Ironman und Challenge verstehe ich aber etwas anderes", sagt Walchshöfer.

Stattdessen versuchte das Challenge-Team nach Walchshöfers Darstellung im Dezember, über die DTU als Mittelsmann einen Kontakt zu Ironman aufzubauen und ins Gespräch zu kommen. "Ich will die DTU mit im Boot haben, weil Ironman einem sonst ständig das Wort im Mund umdreht. Ich bin da ein gebranntes Kind", sagt Walchshöfer. Weil er nicht wisse, wer bei Ironman in Europa überhaupt etwas zu sagen habe, habe er die Kommunikation ganz in die Hände der DTU gelegt, die sich an Geschäftsführer Hans-Peter Zurbrügg gewandt habe. Zu wirklichen Gesprächen sei es aber nie gekommen. Steinmetz kritisiert dabei, dass Challenge sich nicht direkt an ihn als Verantwortlichen für die europäischen Rennen gewandt habe - Walchshöfer hält dagegen, man habe den Eindruck, dass Steinmetz in solchen Fragen wenig zu sagen habe und diese Entscheidungen viel eher in den USA getroffen würden.

"Roth springt nicht, wenn Frankfurt pfeift"

Nur eines scheint im Konflikt zwischen Ironman und Challenge wirklich sicher: Die grundsätzliche Entscheidung des Rother Teams, auf das erste Juli-Wochenende auszuweichen, verbessert die Lage langfristig nicht. "Damit gehen wir uns 2018 zwar aus dem Weg, 2019 wird der Ironman in Frankfurt aber ebenfalls auf diesem Termin liegen", sagt Steinmetz. "Challenge muss verstehen, dass sie in Roth eine sehr luxuriöse Situation haben", fährt er fort: Bei Ironman in Europa gebe es für kein Event ein "grundsätzliches" Wochenende, an dem bestimmte Rennen stattfänden. "Wir koordinieren 56 Wettkämpfe, und dann gibt es da auch noch Dinge, die der Triathlonwelt übergeordnet sind" - wie zum Beispiel der Terroranschlag im vergangenen Jahr in Nizza. Die lokalen Behörden sperrten die Strandpromenade für sämtliche Veranstaltungen für ein Jahr, weswegen der Ironman France 2017 auf den 23. Juli verlegt werden musste. Aber auch mit anderen Zwängen und Einschränkungen müsse Ironman umgehen, finden viele Rennen doch in Metropolen statt. Deshalb plädiert Steinmetz dafür, "die Emotionalität aus dem Thema rauszunehmen und vernünftig miteinander zu reden." Seine Hoffnung sei, Termine zwischen Challenge Roth und Ironman Frankfurt künftig drei Jahre im Voraus abzustimmen - so weit könne man bei Ironman etwa in die Zukunft planen.

Eine entsprechende E-Mail hat Steinmetz bereits an Walchshöfer geschickt, der dem Gespräch zugesagt hat. Gegenüber tri-mag.de macht Walchshöfer aus seinen Zweifeln an den Erfolgsaussichten dieses Treffens aber keinen Hehl. Zunächst müsse klar werden, wer bei Ironman etwas zu sagen habe - Walchshöfer befürchtet aber, dass die Antwort der Sache nicht zuträglich sein und es darauf hinauslaufen werde, dass Ironman fixe Termine für die eigenen Rennen präsentiere, an die sich Challenge anpassen müsse. "Roth springt aber nicht, sobald Frankfurt pfeift", sagt Walchshöfer. "Ironman kann nicht immer nur diese 56 Rennen als Argument vor sich her schieben", zumal auch in Roth Absprachen etwa mit dem Rothsee-Triathlon getroffen werden müssten. Ironman sei nun an der Reihe, guten Willen zu zeigen und ihnen entgegenzukommen - Roth sei, 2018 mitgezählt, bereits fünfmal ausgewichen. Immerhin versucht sich Ironmans Managing Director Steinmetz bereits an einer Annäherung: "Die Walchshöfers haben in Roth ein großartiges Rennen. Wenn wir beide einen Schritt zurückgehen, bringt das den Triathlon mehrere Schritte voran", sagt er. Vielleicht besteht ja doch noch ein wenig Hoffnung darauf, dass Gespräche miteinander Terminkollisionen der beiden deutschen Langdistanz-Flaggschiffe effektiver vermeiden als solche übereinander.