Frodeno gewinnt WM-Titel vor Kienle und Lange

Jan Frodeno hat sich nach einem spannenden Zweikampf mit Sebastian Kienle den WM-Titel gesichert. Patrick Lange stürmte nur wenige Sekunden hinter Kienle auf Rang drei vor.

Von > | 9. Oktober 2016 | Aus: Szene

 |

Jan Frodeno hat den Ironman Hawaii 2016 gewonnen.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Es war das Rennen der Deutschen: Jan Frodeno hat den Ironman Hawaii 2016 in 8:06:30 Stunden gewonnen und sich den Weltmeisterschaftstitel gesichert. Sein stärkster Widersacher Sebastian Kienle machte ihm das Rennen bis zu Kilometer 15 schwer – solange liefen die beiden Athleten Kopf an Kopf, Schulter an Schulter. Nach einer Tempoverschärfung von Frodeno hatte Kienle allerdings das Nachsehen und musste den Olympiasieger von 2008 ziehen lassen. Im Ziel sagte Frodeno, dass er keinen perfekten Tag erwischt habe –  und sich auf dem Rad auch nicht besonders gut gefühlt habe.

Patrick Lange läuft Marathon-Streckenrekord

Gefahr drohte für Kienle von hinten: Ein entfesselter Patrick Lange machte während des Marathons Platz um Platz gut und lief von Platz 23 mit einem neuen Marathonrekord von 2:39:45 Stunden auf den dritten Rang vor. Beinahe wäre Lange sogar noch Kienle gefährlich geworden – die beiden trennten im Ziel weniger als eineinhalb Minuten. Der US-Amerikaner Ben Hoffmann lief als Vierter in 8:13 Stunden völlig erschöpft über die Ziellinie. Das tolle Abschneiden der Deutschen komplettierten Andreas Böcherer auf Platz fünf in 8:13:25 Stunden und Boris Stein in 8:16:56 Stunden auf Rang sieben. Andreas Raelert erwischt keinen guten Tag und musste verletzungsbedingt nach dem Radfahren das Rennen aufgeben.

Alles offen nach dem Schwimmen

Der Ironman Hawaii 2016 war mit einem lauten Kanonenknall pünktlich um 6:25 Uhr gestartet. Das Männerfeld war wohl so gut besetzt wie noch nie, ein Dutzend Athleten hätten Kandidaten für die WM-Krone sein können. Doch mit Spannung wurde der Zweikampf zwischen den beiden deutschen Top-Athleten Jan Frodeno und Sebastian Kienle erwartet. Während der ersten Disziplin entwickelte sich das Duell aber erstmal zur One-Man-Show des Olympiasiegers und Weltmeisters Frodeno. Von Beginn an war das Tempo in der Bucht von Kailua-Kona hoch in der Spitzengruppe mit ihm und Andy Potts, die Schulter an Schulter die 3,8 Kilometer im Pazifik zurücklegten. Doch richtig lösen konnten sich die beiden Spitzenschwimmer nicht – im Schlepptau waren Harry Wiltshire (GBR), Paul Matthews (AUS), Brent McMahon (CAN), Tim Don (GBR), Andi Böcherer und David McNamee (GBR), gefolgt von den deutschen Verfolgern Andreas Raelert und Patrick Lange. Sebastian Kienle kam erwartungsgemäß mit vier Minuten Abstand nach 52:27 Minuten in die erste Wechselzone. Lionel Sanders (CAN) hatte rund acht Minuten Rückstand (56:41 Minuten). Nach dem Schwimmen war alles offen.

Große Spitzengruppe auf dem Rad

Das Radfahren begann für Frodeno-Fans trotz der sehr guten Schwimmperformance erstmal mit einer Schrecksekunde. Der Weltmeister von 2015 griff sich an den Rücken – muskuläre Probleme? Doch es stellte sich schnell heraus, dass Frodeno nach seinem GPS suchte, das er unterwegs verloren hatte. Nach dem Kuakini-Highway ging sofort die Post ab mit vielen Positionswechsel an der Spitze. Schnell schlossen auch die schwächeren Schwimmer Boris Stein und Sebastian Kienle zu der Spitzengruppe auf und rollten im Express-Zug mit extrem hoher Geschwindigkeit in Richtung des Wechselpunkts nach Hawi. Bereits nach 30 Kilometer betrug der Abstand des aufschließendes Duos weniger als vier Minuten.

Nach 60 Kilometer stellte der aufkommende Mumuku-Wind die Athleten auf die Kraftprobe. Michael Weiss übernahm kurzzeitig nach am Anstieg in Hawi die Führung, musste seinem brutalen Tempo jedoch ziemlich schnell Tribut zollen. In Hawi hatte Kienle indes zur Führungsgruppe, in der auch Frodeno fuhr, aufgeschlossen. Nach einem behutsamen Abtasten machte der radstarke Triathlet Kienle dann ernst und riss ein Loch von mehreren hundert Meter. Überraschenderweise war es nach 4:55 Stunden Stein, der sich mutig an die Spitze setzte. Doch dort konnte er sich nicht mehr lange halten und wurde von vier Athleten überholt. Kienle fuhr als Erster in die Wechselzone, gefolgt von Frodeno, Böcherer, McKinzie und Stein. Der Ex-Kurzdistanzler Frodeno wechselte am schnellsten und verließ an Platz eins liegend die Wechselzone. Und wieder eine Schrecksekunde: Er musste kurz die Straßenseite wechseln, um seine verlorene Sportuhr einzusammeln. Dicht dahinter folgte schon ein lauernder Kienle. Der deutsche Ironwar konnte beginnen.