Justus Nieschlag als Einzelkämpfer zur EM

Eine Woche vor der Sprint-EM in Düsseldorf gibt es in Kitzbühel EM-Titel über die doppelte Distanz zu holen. In den Eliterennen versucht sich nur ein Deutscher im Kampf darum - hat aber Podestchancen.

Von > | 14. Juni 2017 | Aus: SZENE

Justus Nieschlag

Justus Nieschlag

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Mit einem vierten Platz im Weltcup hat sich Justus Nieschlag zu einem Mitfavoriten für die ETU-Europameisterschaften über die olympische Distanz gemausert: Wenn von Freitag bis Sonntag im österreichischen Kitzbühel EM-Titel vergeben werden, wird Nieschlag eine Woche vor der Heim-EM in Düsseldorf über die halb so lange Strecke als einziger deutscher Eliteathlet an den Start gehen - er hat vor zwei Wochen im italienischen Cagliari in einem Rennen über die Sprintdistanz allerdings nachgewiesen, dass seine Formkurve in die richtige Richtung zeigt. Der eigentliche Schwimmspezialist sorgte dort sogar für die schnellste Laufzeit und sicherte sich damit in dem Rennen, in dem auf dem Rad eine Ausreißergruppe davongezogen war, am Ende den vierten Rang.

Alarza als Favorit nach Österreich

Von den drei Männern, die bei dem Weltcuprennen schneller waren als Nieschlag, ist bei den Europameisterschaften am Wochenende nur Sieger Adrien Briffod (SUI) dabei. Doch selbst wenn sie alle startberechtigt und gemeldet wären: Bei einem anderen taktischen Rennverlauf hätte Nieschlag angesichts seiner guten läuferischen Leistung möglicherweise sogar in Italien schon Podestchancen gehabt. Der gebürtige Niedersachse hat daher allen Grund, mit breiter Brust nach Österreich zu reisen. Eine Unbekannte ist von außen betrachtet zwar, wie sich Nieschlags Form auf die doppelt so lange olympische Distanz übertragen lässt - auf dem Papier muss sich der 25-Jährige in Kitzbühel aber vor kaum jemandem verstecken und kann den Wettkampf um die EM-Medaillen selbstbewusst angehen.

Gold-Favorit ist allerdings ein anderer: Der Spanier Fernando Alarza finishte in seinen letzten drei Starts in der World Triathlon Series immer auf dem Podium und scheint sportlich keine echte Schwäche zu haben. Auch dessen Landsmann Vicente Hernandez könnte Nieschlag gefährlich werden, ebenso wie die Franzosen Raphael Montoya, Simon Viain und Leo Bergere. Richard Varga (SVK), Adrien Briffod und Andrea Salvisberg (beide SUI) zählen ebenfalls zum Kreis der Medaillenaspiranten - und dann gibt es da noch die großen Unbekannten aus Portugal und Russland: Bei Joao Pereira und Joao Silva (POR) sowie Alexander Bryukhankov und Dmitry Polyanskiy (RUS) lässt sich im Vorfeld selten abschätzen, ob die nun gerade in Form sind und um den Sieg kämpfen, oder ob sie abgeschlagen ins Ziel kommen bzw. das Rennen vorzeitig aufgeben werden.

Großes deutsches Junioren-Aufgebot

Das Elite-Frauenrennen wird ohne deutsche Beteiligung über die Bühne gehen, dafür können sich hier in Jolanda Annen, Lisa Berger (beide SUI), Sara Vilic, Lisa Perterer und Julia Hauser (alle AUT) aber einige Schweizerinnen und Österreicherinnen Hoffnungen auf EM-Edelmetall machen. Ihre größten Konkurrentinnen dürften wohl Non Stanford, Jessica Learmonth, India Lee (alle GBR), Vendula Frintova (CZE), Alice Betto (ITA) und Cassandre Beaugrand (FRA) sein. Auch die unberechenbare Portugiesin Vanessa Fernandes hat für den Wettkampf gemeldet.

Die Junioren-Rennen werden eine größere deutsche Beteiligung erleben - dafür ist die Konkurrenz dort traditionell schwierig einzuschätzen, weil sich nur wenige der JuniorenAthleten bereits international gezeigt haben. Moritz Horn, Tim Siepmann und Gabriel Allgayer werden die DTU im Rennen der männlichen Junioren vertreten, Lena Meißner, Bianca Bogen, Nina Eim und Marie Horn im Wettkampf der Juniorinnen.