Kastelein crasht die Schildknecht-Show

Nicholas Kastelein ist der neue König von Zürich. Der Australier gewann den Ironman Switzerland und verhinderte Ronnie Schildknechts zehnten Triumph.

Von > | 30. Juli 2017 | Aus: SZENE

Nicholas Kastelein gewinnt den Ironman Switzerland 2017.

Nicholas Kastelein gewinnt den Ironman Switzerland 2017.

Foto >Getty Images for Ironman

Es sollte sein letzter großer Auftritt in Zürich werden. Bei den letzten neun Malen, bei denen Ronnie Schildknecht hier beim Ironman Switzerland an den Start gegangen war, war er nach 226 Rennkilometern jeweils auch  als Sieger durchs Zieltor gelaufen. Aller guter Dinge sind zehn, überlegte sich Schildknecht nach dem neunten Triumph im vergangenen Jahr, und richtete seine sportlichen Planungen zusammen mit Coach Lubos Bilek erneut auf sein Heimrennen aus. Zum vielleicht, oder aus Schildknechts Sicht: hoffentlich letzten Mal. Denn würde ihm auch ein zehnter Triumph glücken, erklärte der Schweizer im Vorfeld des Wettkampfs gegenüber heimischen Medien, wäre das wohl sein letzter Start beim Ironman Switzerland gewesen.

Kastelein tritt aus Frodenos Schatten

Somit ist es beinahe schon eine gute Nachricht für die Schweizer Ironmanfans, dass die Chancen auf eine Rückkehr ihres Lieblings in einem der kommenden Jahre enorm gestiegen sind: Aus Schildknechts zehntem Sieg hintereinander wurde nichts - und Schuld ist ein deutsch-australisches Gespann. Denn der Sieger des Jahres heißt Nicholas "Nick" Kastelein, und das vor allem auch, weil der in den vergangenen Jahren enorm von Jan Frodeno profitierte. Mit diesem trainiert Kastelein nämlich von Januar bis Oktober zusammen in Girona (Spanien), vertraut zudem auch auf die Geschicke dessen Trainers Dan Lorang. Schon vor Saisonbeginn erklärte Kastelein gegenüber triathlon, sich im Optimalfall für den Ironman Hawaii qualifizieren und auf dem Weg dorthin für ein paar Überraschungen sorgen zu wollen. "Wie Jan versuche ich, ein Allround-Athlet zu werden. Was ich durch ihn außerdem gelernt habe, ist, dass ich 2017 mental stärker werden muss. Im Training wie auch im Rennen."

Was die mentale Stärke in Rennen angeht, dürfte Kastelein in Zürich einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Denn den Wettkampf bestritt er fast durchweg alleine: Beim Schwimmen hielt er problemlos in der Spitzengruppe mit, beim Radfahren machte er sich prompt im Alleingang auf und davon. Einer großen Verfolgergruppe, zu der früh auch Ronnie Schildknecht zählte, brummte der Australier zwischenzeitlich über acht Minuten Rückstand auf - nur Cameron Wurf (AUS) hielt sich mit etwas mehr als einer Minute Rückstand zunächst noch in Schlagdistanz zu Kastelein. Die Schweizer Schildknecht und Jan van Berkel konnten sich bis zum zweiten Wechsel zwar noch bis auf sechs Minuten an Kastelein heranarbeiten, dieser bewies aber auch beim Laufen seine im Vorfeld der Saison erhofften Allrounder-Fähigkeiten. Statt Zeit zu verlieren, setzte sich Kastelein anfangs sogar noch weiter von der Konkurrenz ab und feierte nach 8:13:28 Stunden seinen ersten Ironmansieg, wogegen Schildknecht das Rennen, von Krämpfen geplagt, nach einigen Laufkilometern aufgab. Stattdessen sicherte sich hinter Kastelein der Schweizer Ruedi Wild den zweiten Rang vor seinem Landsmann Jan van Berkel.

Ironman Switzerland 2017 | Männer

  1. Juli 2017, Zürich (SUI)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42 km Run

1

Nicholas Kastelein

AUS

8:13:28

48:18

4:31:13

2:50:24

2

Ruedi Wild

SUI

8:20:37

48:43

4:38:52

2:49:21

3

Jan van Berkel

SUI

8:26:51

48:45

4:36:42

2:58:01

4

Samuel Hürzeler

SUI

8:31:37

54:03

4:33:52

2:59:43

5

Daniel Fontana

ITA

8:36:06

48:41

4:42:04

3:01:32

6

Daniil Sapunov

UKR

8:37:49

48:38

4:41:58

3:03:09

7

Cameron Wurf

AUS

8:43:57

52:01

4:28:06

3:19:41

8

Anton Blokhin

BLR

8:46:12

51:54

4:38:50

3:11:42

9

Alexander Chikin

RUS

9:03:36

55:46

4:44:14

3:18:53

10

Mike Schifferle

SUI

9:07:17

59:31

4:49:09

3:12:25

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Schärer machts von vorn

Ähnlich überlegen wie Kastelein präsentierte sich die Siegerin des Frauenrennens: Die Schweizerin Celine Schärer konnte sich in Zürich schon beim Schwimmen um über fünf Minuten von ihren schnellsten Verfolgerinnen lösen, und ließ diese auch auf dem Rad nicht kampflos näher kommen. Zwar war ihre Landsfrau Regula Rohrbach auf den ersten 90 Radkilometern bis auf vier Minuten auf Schärer heranarbeiten. Schärer, die seit einigen Wochen wieder auf Brett Sutton vertraut, der sie früher schon einmal trainiert hatte, hatte aber offenbar noch etwas im Köcher - und verdoppelte den Abstand zwischen der bis dahin Zweitplatzierten Rohrbach und sich selbst bis zum zweiten Wechsel wieder.

Und auch beim Laufen leistete sich Schärer keine Schwäche. Statt Zeit einzubüßen, wuchs ihr Polster sogar immer stärker an - bis sie nach 9:23:02 Stunden als Siegerin mit 14 Minuten Vorsprung vor der Zweitplatzierten Tine Holst ins Ziel lief. Dritte wurde die Schweizerin Martina Kunz.

Ironman Switzerland 2017 | Frauen

  1. Juli 2017, Zürich

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42 km Run

1

Celine Schärer

SUI

9:23:02

51:45

5:11:00

3:15:36

2

Tine Holst

DEN

9:37:44

1:05:52

5:11:05

3:16:50

3

Martina Kunz

SUI

9:40:08

1:02:05

5:09:58

3:23:40

4

Els Visser

NED

9:52:21

1:01:45

5:14:28

3:31:29

5

Regula Rohrbach

SUI

9:54:18

1:00:20

5:10:01

3:39:31

6

Katrin Esefeld

GER

9:55:24

1:03:21

5:17:47

3:29:29

7

Laurel Wassner

USA

9:56:16

57:29

5:29:32

3:24:27

8

Jane Fardell

AUS

10:05:15

1:01:14

5:26:20

3:32:18

9

Anna Derron

SUI

10:05:17

57:31

5:24:35

3:39:11

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