Kienle, Brownlee und Sanders beim Schlagabtausch in St. George

Die nordamerikanischen Ironman-70.3-Meisterschaften werden ein Highlight: Olympiasieger Alistair Brownlee misst sich über die Mitteldistanz erstmals mit einigen der besten Triathleten der Welt.

Von > | 4. Mai 2017 | Aus: SZENE

Foto >José Luis Hourcade

Sein erhofftes Kräftemessen mit dem Olympiasieger und Ironman-Weltmeister Jan Frodeno beim Ironman-70.3-Oceanside ist aufgrund einer Panne Frodenos ausgefallen. Nun hat Lionel Sanders (CAN) die Chance zum Kräftemessen mit Alistair Brownlee gewittert - und prompt zugeschlagen. Anders als Frodeno hat der Brite zwar noch keinen Ironman bestritten, dafür aber sogar noch eine Olympia-Goldmedaille mehr im Schrank hängen als der Deutsche. Beim Ironman 70.3 St. George in Utah am Samstag will sich Brownlee nach geglückter Mitteldistanz-Premiere bei der Challenge Gran Canaria am Wochenende erstmals hochkarätiger Konkurrenz stellen und seinem erklärten Saisonziel, den Ironman-70.3-Weltmeisterschaften, ein gehöriges Stück näherkommen.

Entscheidende Frühform

Das Rennen in St. George bietet dafür einen echten Härtetest - denn das Startfeld bei dem Rennen um die nordamerikanischen Meisterschaften hat fast schon weltmeisterschaftstaugliche Qualität. Ironman-70.3-Vizeweltmeister Sebastian Kienle plant schon lange mit dem Rennen und freut sich seit mehreren Wochen öffentlich auf das Kräftemessen mit Alistair Brownlee und Lionel Sanders, auf das er sich auch kulinarisch eingestimmt hat. Denn auch Sanders hat sich nach Kienles Hinweis auf Brownlees Auftauchen in einer ersten Startliste des Rennens entschieden, nach St. George zurückzukehren und mit Kienle und Brownlee in den Ring zu steigen. Schon im vergangenen Jahr wagten Kienle und Sanders in St. George ein Kräftemessen, damals mit besserem Ende für den Kanadier.

Auch deshalb macht Kienle keinen Hehl daraus, dass es schwer werden wird, sein Vorjahresergebnis zu verbessern: Für einen Sieg in St. George müsse man dieses Jahr möglicherweise schon sehr viel besser in Rennform sein, als er es derzeit aufgrund seiner Saisonplanung mit Highlights bei den Ironman-Rennen in Frankfurt und Hawaii sein sollte, erklärte Kienle im Vorfeld. Was aber auch augenscheinlich ist, vor allem nach Kienles überlegenen Sieg beim Cannes International Triathlon: Auf der Rechnung haben sollte man Kienle in Utah.

Ungewohnte Situation für Brownlee und Sanders?

Für Kienle könnte dort dann vor allem auch seine Erfahrung mit der taktischen Konstellation sprechen: Rookie Alistair Brownlee dürfte dem Deutschen im Wasser unter normalen Umständen zunächst einmal etwas Rückstand aufbrummen, was Kienle aber gewohnt ist. Mutmaßlich noch etwas weiter zurückliegen sollte nach dem Schwimmen Lionel Sanders, der im vergangenen Jahr in St. George beim Schwimmen rund zwei Minuten auf Kienle verloren hatte. Wie viel diesmal zwischen dem Duo liegen wird, bleibt spannend. Denn der Kanadier hat im Winter verstärkt an der Auftaktdisziplin gearbeitet und in Oceanside gezeigt, dass das gefruchtet hat. Glückt Sanders das auch in St. George, ist das für ihn zwar grundsätzlich von Vorteil, könnte ihn taktisch auch aus dem Konzept bringen - denn so könnte Sanders sehr viel früher von seinen Konkurrenten in taktische Spielchen verwickelt werden, mit denen der Kanadier nur wenig Erfahrung hat. Und zwar nicht nur von Kienle und Brownlee, dem als hitzeempfindlichen Athleten wiederum die Wetterprognosen von bis zu 31 Grad Celsius am Renntag gar nicht gefallen dürften. Auch Tim Don (GBR), Brent McMahon (CAN), Ironman-Südafrika-Sieger Ben Hoffman (USA), Sam Appleton (AUS) und Tyler Butterfield (BER) gehören zu dem über 40 Männer starken Profifeld.

Mit knapp 30 Starterinnen ebenfalls breit besetzt ist das Profifeld der Frauen. Ironman-70.3-Weltmeisterin Holly Lawrence (GBR) und Ellie Salthouse (AUS) gehen als Favoritinnen ins Rennen, müssen sich aber unter anderem Rachel Joyce (GBR) und Laurel Wassner (USA) erwehren. Aus Deutschland hat Sarah Jarvis als Profi für den Wettkampf gemeldet.