Kienle rennt zum Sieg - und leidet

Sebastian Kienle hat zum zweiten Mal die Ironman-Europameisterschaften gewonnen. In Frankfurt entschied er ein Langdistanzrennen erstmals beim Laufen für sich. Andreas Böcherer sicherte sich einen starken zweiten Rang. Und er brachte Kienle dabei an seine Grenzen.

Von > | 3. Juli 2016 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle | Sebastian Kienle gewinnt den Ironman Frankfurt.

Sebastian Kienle gewinnt den Ironman Frankfurt.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Sebastian Kienle hat im Fernduell mit Jan Frodeno beeindruckend vorgelegt. Bei den Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt am Main setzte Kienle zwei deutliche Ausrufezeichen an die Konkurrenz: Erst in seiner Paradedisziplin beim Radfahren - und danach wies Kienle nach, dass er Langdistanzrennen durchaus auch beim Laufen für sich entscheiden kann.

Kienle fährt mit Böcherer und Llanos davon

Dabei begann der Tag für Kienle eigentlich durchwachsen. Nach den ersten 1,5 Schwimmkilometern, die im etwa 23 Grad warmen Langener Waldsee von den Profis ohne, von den Agegroupern mit Neoprenanzug absolviert wurden, lag der Knittlinger bereits rund eine Minute hinter der Spitzengruppe, die zu diesem Zeitpunkt von Andreas Böcherer angeführt wurde. Der leerte bei dem kurzen Zwischenausstieg zwar seine Brille aus und fiel deswegen ans Ende der Gruppe zurück, langsamer wurde die Gruppe deswegen aber nicht. Am Ende der 3,8 Kilometer standen schon rund vier Minuten Vorsprung der führenden Männer auf Sebastian Kienle - mehr, als der sich im Vorfeld wohl erhofft hatte.

Auf dem Rad startete Kienle dann prompt eine seiner berüchtigten Aufhojagden. Binnen der ersten 90 Kilometer hatte er bereits wieder zur Spitze aufgeschlossen und formte zusammen mit Andreas Böcherer, Eneko Llanos (ESP), Marko Albert (EST), Bas Diederen (NED), Johann Ackermann und Igor Amorelli (BRA) die Spitzengruppe, die sich um mehrere Minuten deutlich von den nächsten Verfolgern absetzte. Zwar musste Kienle wenig später seine Kette neu auflegen und verlor dadurch rund 20 Sekunden, trotzdem setzte er sich in der Folge gemeinsam mit Böcherer und Llanos auch von den vier Begleitern ab - und das Trio wechselte rund fünf Minuten vor dem schnellsten Verfolger Marko Albert (EST) geschlossen auf die Marathonstrecke.

Böcherer geht auf der Laufstrecke mit

Dort machte Kienle prompt Tempo. Llanos ging das hohe Anfangstempo Kienles, der die ersten 10 Kilometer in rund 37 Minuten anlief, nicht mit und fiel zurück - Böcherer dagegen versuchte, an Kienle dranzubleiben. Bei der Halbmarathonmarke, die Kienle in 1:18:30 Stunden passierte, war Böcherer immer noch in Sichtweite unter einer halben Minute Rückstand an seinem badischen Berufskollegen Kienle dran. Doch der hatte sich die Kräfte gut eingeteilt, und während Böcherer auf den letzten 15 Kilometern deutlich leiden musste und zwischenzeitlich bis auf zwei Minuten zurückfiel, konnte Kienle sein Tempo im nun einsetzenden Regen am Main weiterhin hochhalten. Zwar lief Böcherer noch einmal näher heran, Kienle konnte seine Spitzenposition aber verteidigen - und lag nach dem Zieleinlauf minutenlang erschöpft am Boden. "Die letzten vier, fünf Minuten waren nicht schön. Ich hatte das Gefühl, ich hätte an der Himmelspforte geklopft", erzählte Kienle nach seinem Triumph in 7:52:43 Stunden und nach einem Marathonlauf über 2:44 Stunden. Nur eine Minute später folgte ihm Böcherer als überglücklicher Zweiter ins Ziel und drehte prompt eine Ehrenrunde. "Ich habe meine Marathonzeit heute um zehn Minuten verbessert", sagte der im HR-Interview grinsend. "Danke, Sebastian - Du Arsch!" Dritter wurde über zehn Minuten hinter Böcherer der Spanier Eneko Llanos.

Ironman Frankfurt 2016 | Männer

  1. Juli 2016, Frankfurt am Main

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Sebastian Kienle

GER

7:52:43

52:12

4:12:12

2:44:12

2

Andreas Böcherer

GER

7:53:40

48:41

4:15:27

2:45:02

3

Eneko Llanos

ESP

8:09:08

49:11

4:15:21

3:00:33

4

Marko Albert

EST

8:11:38

48:12

4:22:04

2:57:33

5

William Clarke

GBR

8:14:56

52:17

4:36:01

2:42:08

6

Christian Kramer

GER

8:18:14

48:34

4:32:35

2:47:33

7

Dennis Chevrot

FRA

8:19:59

48:14

4:39:39

2:53:58

8

Bertrand Billard

FRA

8:26:27

52:15

4:35:49

2:53:58

9

Marc Duelsen

GER

8:26:59

54:23

4:34:23

2:53:32

10

Johann Ackermann

GER

8:31:06

48:25

4:31:09

3:06:41

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