Die Königsetappe

Kein Trainingslager ohne Königsetappe – das gilt auch für unseren Herausgeber Frank Wechsel auf Fuerteventura. Der letzte Tag hatte es in sich ...

Von > | 3. April 2017 | Aus: SZENE

Eis und Kaffee drinnen, Hitze und Wasser draußen

Eis und Kaffee drinnen, Hitze und Wasser draußen

Foto >Thorsten Schröder

Nur eine Einheit steht an meinem letzten großen Trainingstag auf Fuerteventura auf dem Programm: die Königsetappe. Mit Trainingseinheiten über vier Stunden Dauer ist es ja ähnlich wie mit der Homöopathie: Man weiß, dass es nichts bringt. Aber der Kopf sorgt dafür, dass es trotzdem hilft.

Also wie jeden Morgen um 7:15 Uhr Abmarsch, aber nicht zum Pool, sondern gleich ans Frühstücksbüfett. Dieser Tag will gut vorbereitet sein, auch kulinarisch (die regelmäßigen Leser dieses Blogs wissen schon: Berge von Eiern, Speck, Bohnen und Müsli werden mit Kaffee, viel Kaffee, hinuntergespült). 

Abfahrt

Um 9 Uhr treffe ich mich mit Andrea, Marcus und Thorsten am Kreisel. Das Wetter ist perfekt, die Sonne strahlt, der Calima-Wind hat sich gelegt (man kann also den Horizont wieder sehen). Der Sand, der gestern noch in der Luft lag, ist in unseren Fahrradketten gebunden – so fühlt es sich jedenfalls an, denn die Belastung der letzten Woche ist nicht spurlos an uns vorübergegangen. Thorsten hat deshalb zwei Radhosen übereinander angezogen, ich habe es bei einer belassen, aber eine ebenso dicke Polsterschicht aus Vaseline aufgetragen. Außerdem fahre ich heute erstmals mit Armlingen und Handschuhen – nicht, weil es kalt wäre, sondern um auf der ersten Hälfte die Sonne draußen zu halten.  

Am frühen Sonntagmorgen ist noch nicht viel los auf den Straßen Fuerteventuras. Unsere Strategie: Wir fahren erst in den Süden, um uns dann im Gegenwind durch die Bergkette nordwärts zu arbeiten. Am Ende sollten wir dann mit Rückenwind nach Hause rollen können. Die Tour ist wie die große Zusammenfassung der letzten Woche: Eigentlich waren wir schon überall, nur eben nicht in einer Einheit. Es geht los über den berühmten roten Radweg, ins Hinterland nach Juan Gopar. Anders als an den meisten anderen Tagen biegen wir nicht nach La Florida ab, sondern folgen der Straße nach Süden. Die ersten richtigen Höhenmeter warten auf der 15-Prozent-Rampe nach Las Hermosas auf uns. Die Kilometer kommen und gehen, die Stimmung ist gut, auch am langen Anstieg zum Mirador Astronomico. 

Erste Kaffepause

Die Abfahrt ist genauso lang, wir verlängern sie bis auf Meereshöhe nach Ajuy: 63 Kilometer sind geschafft, Zeit für ein erstes Flaschennachfüllen. Und natürlich einen Kaffee. Doch zu lange pausieren wir nicht, es geht weiter – und aufwärts. In Pajara biegen wir auf die Traumstraße zum Mirador del Risco de las Peñas ein. Nie gehört? Das ist dort, wo die Streifenhörnchen den Radfahrern aus der Hand fressen. Thorsten und Marcus entwischen mir gleich zu Beginn der Steigung, sind bald hinter den nächsten Kurven verschwunden – doch das lasse ich mir nicht bieten. 200 Meter vor dem Pass habe ich sie wieder eingeholt (und meinen Tageshöchstpuls erreicht).

Leises und lautes Fluchen

Vom Mirador geht es hinab zu Kloster Betancuria, von dort folgt der Gipfelsturm zu den Eisenmännern, den Statuen der beiden Inselkönige, die einst das Reich unter sich aufteilten. Heute nur ein kurzer Trinkstop, wir verabreden uns am nächsten Supermarkt nach der langen Abfahrt, an dessen Ende sich unsere Wege trennen: Andrea und Marcus treten nach 100 Kilometern den Heimweg an, Thorsten und ich fahren weiter nach Norden. Der Abstecher nach Los Molinos rollt bei gutem Asphalt, schönem Gefälle und Rückenwind so richtig locker – dummerweise ist diese Straße eine Sackgasse, auf den acht Kilometern zurück gestehen wir uns zum ersten Mal ein, dass es anstrengend wird. Weiter nach Norden werden Steigung und Gegenwind brutaler, der Asphalt rauer. Mit unter 10 km/h fluchen wir innerlich (und, wenn wir meinen, der andere sei außer Hörweite, auch äußerlich) vor uns hin. 

Rückenwind und Eis 

Vor La Matilla ist die Hauptstraße erreicht und es rollt wieder flüssiger. 130 Kilometer haben wir in den Beinen. Es ist Zeit die Flaschen wieder aufzufüllen. In Tetir finden wir ein Kaffee, das nicht nur Wasserflaschen, sondern auch Eis, Kuchen und natürlich Café con Leche hat. Zwei Drittel sind geschafft.

Nun ist auch der Wind auf unserer Seite, aber der direkte Weg zum Hotel wäre zu kurz, um das Tagesziel von 200 Kilometern zu erreichen. Daher machen wir noch zwei Abstecher, fahren sogar zweimal an "Der Bäckerei" in Antigua vorbei(!). Die Sonne neigt sich gen Horizont, als wir pünktlich zum Abendessen wieder auf den roten Radweg Richtung Las Playitas einbiegen. Sonne, Sand, Wind und 3.000 Höhenmeter auf 200 Kilometern haben ihre Spuren hinterlassen. Doch das Leben ist gerecht: Zum ersten Mal in diesem Trainingslager gibt es tatsächlich Mousse au Cholcolat am Nachtischbüfett. Heute drehe ich die Reihenfolge meiner Gänge einmal um – und bei diesem Dessert bleibt es bei nicht bei homöopathischen Dosen ...

Die Königsetappe auf Fuerteventura (powered by Relive.cc)

Franks Trainingslager auf Fuerteventura 2017

Las Playitas, Fuerteventura (Spanien)

Tag

Swim (km)

Bike (km)

Bike (HM)

Run

Total (h)

So., 26.3.

3,2

82,6

1.332

6,7

4:54

Mo., 27.3.

2,5

92,9

1.473

12,1

5:59

Di., 28.3.

2,5

109,0

1.541

5:48

Mi., 29.3.

0:00

Do., 30.3.

2,2

87,0

1.363

3,7

4:47

Fr., 31.3.

2,3

120,7

1.246

5:42

Sa., 1.4.

82,3

993

5,0

4:01

So., 2.4.

200,5

2.949

7:57

Mo., 3.4.

2,4

0:54

Summe

15,1

775,0

10.897

27,5

40:02

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