Lawrence stürmt zum Weltmeistertitel, Ryf verpasst Podest

Mit diesem Ergebnis hatte niemand gerechnet - nicht einmal die Siegerin selbst: Die Britin Holly Lawrence hat sich in Australien zur neuen Ironman-70.3-Weltmeisterin gekrönt. Daniela Ryf musste sich mit Rang vier begnügen.

Von > | 4. September 2016 | Aus: SZENE

Holly Lawrence | Holly Lawrence ist neue Ironman-70.3-Weltmeisterin.

Holly Lawrence ist neue Ironman-70.3-Weltmeisterin.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

So schnell können sich Gesichtszüge ändern: Die Stirn in Falten gelegt, den Mund verzogen, waren Holly Lawrence auf den letzten zwei Kilometern der Laufstrecke der Ironman-70.3-Weltmeisterschaften in Mooloolaba die Schmerzen ins Gesicht geschrieben. Wenige Minuten später hatte sich das Bild um 180 Grad gedreht: Da jubelte und grinste plötzlich eine junge Frau mit sich selbst um die Wette und wusste gar nicht, wohin mit ihrer Freude. "Ich bin eine verdammte Weltmeisterin!", rief sie überwältigt, als sie das Mikrofon des Streckensprechers in die Hände bekam. Ein Erfolg und eine Siegerin, mit der wohl niemand gerechnet hatte. Auch sie selbst nicht, wie man Lawrence unschwer anmerkte.

Lawrence von vorn nach ganz vorn

Dabei hatte sich schon früh angekündigt, dass sie in diesem Weltmeisterschaftsrennen eine große Rolle spielen könnte. Wie man es von der früheren Kurzdistanz-Athletin aus Großbritannien gewohnt ist, setzte sie schon im Wasser Akzente und sich als Zweite hinter der früheren Schwimmerin Lauren Brandon (USA) um rund eine Minute von den Verfolgerinnen um Caroline Steffen und Daniela Ryf (beide SUI) ab. Und die kamen auch in der Folge nicht näher. Im Gegenteil schloss Lawrence auf dem Rad schnell zu Brandon auf, die bis zur 50-Kilometer-Marke an der Britin dranblieb. Als das Profil anspruchsvoller wurde, musste aber auch sie Lawrence ziehen lassen - und die nutzte diese Gelegenheit und suchte ihre Chance konsequent in der Offensive.

Mit der schnellsten Radzeit der Frauen konnte Lawrence letztlich nicht nur Brandon abhängen, sondern auch ihren Vorsprung auf Daniela Ryf und Caroline Steffen ausbauen, die in einer großen Verfolgergruppe hinter Lawrence und Brandon fuhren. Fast fünf Minuten betrug deren Rückstand auf Lawrence zum zweiten Wechsel bereits - und plötzlich war der Weltmeistertitel für die Britin greifbar.  

Britische Selbstüberlistung

Und doch war Lawrence klar, dass sie genau darüber nicht nachdenken darf. "Ich habe versucht, mich ganz auf mich selbst zu konzentrieren", sagte sie - das allerdings mit mäßigem Erfolg, sah man die Britin sich doch immer wieder umdrehen, als könne sie nicht glauben, dass sie dieses Rennen tatsächlich so deutlich anführt. Dabei hatte sie sich für die Strapazen auf den letzten Kilometern eine simple Taktik zurechtgelegt: "Ich habe mir immer eingeredet, dass ich noch länger laufen muss, als ich wirklich muss", erzählte Lawrence im Ziel lachend. "Wenn es also noch fünf Kilometer waren, habe ich mir immer wieder gesagt, dass es noch sieben sind. So bleibe ich lockerer und bin jedes Mal wieder glücklich, wenn das Ziel doch früher kommt, als ich es erwartet hatte."

Ob sie tatsächlich noch zwei Kilometer so hätte weiterkämpfen können, sei dahingestellt - nach 21 Laufkilometern jedenfalls jubelte die Britin an der Promenade über einen ebenso überraschenden wie emotionalen Erfolg. Zwei Minuten hinter ihr rannte Melissa Hauschildt auf den zweiten Rang, Heather Wurtele wurde weitere zwei Minuten später Dritte. Für Daniela Ryf reichte es nur zum vierten Rang. "Ich hatte auf dem Rad heute einfach keine guten Beine. Ich hatte das Gefühl, als könnte ich das Tempo so gleich auch für den Ironman aufrechterhalten", sagte Ryf im Interview mit triathlonTV. Caroline Steffen wurde hinter Ryf Fünfte, Laura Philipp erreichte in ihrem ersten Weltmeisterschaftsrennen, in dem sie fast durchweg alleine unterwegs war, mit der zweitschnellsten Laufzeit den guten siebten Rang. Astrid Stienen (14.), Natascha Schmitt (17.) und Ricarda Lisk (23.) komplettierten das deutsche Profi-Aufgebot.

Ironman 70.3 World Championships | Frauen

  1. September 2016, Mooloolaba (Australien)

Platz

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Holly Lawrence

GBR

4:09:12

23:24

2:19:28

1:21:48

2

Melissa Hauschildt

AUS

4:11:09

26:46

2:21:06

1:18:43

3

Heather Wurtele

CAN

4:13:36

25:05

2:22:26

1:21:38

4

Daniela Ryf

SUI

4:14:09

24:12

2:23:47

1:21:19

5

Caroline Steffen

SUI

4:17:16

24:13

2:23:09

1:25:10

6

Annabel Luxford

AUS

4:17:26

24:11

2:23:44

1:24:58

7

Laura Philipp

GER

4:17:40

27:16

2:24:46

1:21:00

8

Alicia Kaye

USA

4:17:53

24:17

2:23:31

1:25:35

9

Radka Vodickova

CZE

4:18:17

24:10

2:26:51

1:22:37

10

Magali Tisseyre

CAN

4:18:19

24:16

2:23:49

1:25:36

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