Leben zwischen Feueralarm und Langdistanz

24-Stunden-Schichten, Feueralarme in der Nacht und trainieren mit Schlafdefizit. Wie Lukas Krämer den Spagat zwischen dem Dasein als Feuerwehrmann und Profi-Triathlet schafft, lesen Sie hier.

Von > | 18. Juli 2017 | Aus: SZENE

Trotz seines Berufes als Feuerwehrmann hat Lukas Krämer einen Weg gefunden, sein Langdistanz-Training mit dem Arbeitsalltag zu verbinden.

Trotz seines Berufes als Feuerwehrmann hat Lukas Krämer einen Weg gefunden, sein Langdistanz-Training mit dem Arbeitsalltag zu verbinden.

Foto >Privat

Schlafloser Ausflug in die 2. Bundesliga

Samstagnacht, auf einmal geht das Licht an, ein lauter Gong ertönt und reißt Lukas Krämer in Sekundenbruchteilen aus dem Schlaf. Soeben ist eine sogenannte BMA-Feuermeldung in der Hauptwache der Feuerwehr in Münchens Innenstadt eingegangen und Krämer ist sofort in Alarmbereitschaft. Anziehen, schnell über die Rutschstange in die Fahrzeughalle, Schutzausrüstung anlegen, letzte Informationen zum Alarm erhalten und los gehts: 120 Sekunden dürfen maximal zwischen Alarm und Ausrücken der Mannschaft vergehen. Jeder Handgriff muss sitzen, der Ablauf ist minutiös durchgeplant und geübt. Man könnte den Vergleich zur Wechselzone eines Triathlons ziehen, nur dass es in Krämers richtigem Beruf um deutlich mehr geht als um schnelle Wechselzeiten und Platzierungen. Lukas Krämer ist in dieser Nacht als Fahrer eingeteilt und lenkt das Einsatzfahrzeug um kurz nach Mitternacht zielsicher zum Bürogebäude, in dem ein heiß gelaufener Kompressor einen Brand ausgelöst hat. Das Feuer an sich ist klein und umgehend gelöscht, die anschließenden Lüftungsarbeiten sorgen aber letztlich dennoch für eine Einsatzdauer von rund zwei Stunden. Dieser Alarm ist nur einer von drei Fällen, in denen Krämer in dieser Nacht ausrücken muss. „Wenn es hoch kommt vier Stunden“, habe er in Summe geschlafen.

Ausgerechnet in dieser Nacht möchte man meinen, denn nicht nur in München, sondern auch in seinem Triathlonteam, dem Volllast TriTeam Schongau, brennt es. Mehrere Starter sind kurzfristig ausgefallen und so springt der Langdistanz-Spezialist trotz Schlafdefizits für sein Team in der 2. Bundesliga ein, weil die Mannschaft ohne seinen Start nicht in die Wertung kommen würde.

„In dem Rennen habe ich wohl alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, konstatiert er hinterher und verweist auf fehlendes Durchsetzungsvermögen an den Bojen beim Schwimmen und falsches Abbiegen auf dem Rad. Auch der erste Wechsel läuft alles andere als planmäßig. Schwungvoll springt er hinter der Markierung auf - oder viel mehr in Richtung - des Rennrads, landet jedoch zu weit hinten und hat statt dem Sattel das Laufrad unter dem Hintern. Die Radgruppe startet den 20 Kilometer langen Kurs ohne Krämer. Erinnerungen an das Trainingslager im März, in dem er zwei Wochen lang als Radguide arbeitet und den Teilnehmern in einem Workshop den schnellen Wechsel beibringt, werden wach.

Am Ende landet Krämer durch die Summierung der Missgeschicke auf Rang 40 der Einzelwertung. Ein unbefriedigendes Ergebnis, das nicht nur, aber mit Sicherheit auch zum Teil auf die vorherige kurze Nacht zurückzuführen ist. Auch der Kopf spielt an diesem Tag nicht mit. „Ich brauche einfach etwas Zeit um mich mental auf so einen Wettkampf vorzubereiten und mich dann richtig quälen zu können.“ Zeit, die er auf Grund der Kurzfristigkeit des Einsatzes nicht hatte. Und dennoch „hat es wieder einmal Spaß gemacht“ - trotz fehlendem Fokus und einiger Pannen. Es ist ein andauernder Spagat, dem Krämer sich regelmäßig ausgesetzt sieht.

Ein sensibler Balanceakt zwischen den extremen Arbeitsbedingungen bei der Feuerwehr und dem anstrengenden Training, das er mit Blick auf seine sportlichen Ziele absolviert. Grund genug, einen Einblick zu geben, wie der Triathlonprofi diese Herausforderung bewältigt und seine beiden Berufe miteinander vereinbart. 

Voll ausgestattet: Im Arbeitsalltag tauscht Krämer den Neoprenanzug, Wettkampfschuhe und Zeitfahrrad gegen Atemschutzmaske, Feuerwehrhelm und Brandschutzkleidung.

Voll ausgestattet: Im Arbeitsalltag tauscht Krämer den Neoprenanzug, Wettkampfschuhe und Zeitfahrrad gegen Atemschutzmaske, Feuerwehrhelm und Brandschutzkleidung.

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