Lionel Sanders' Leistungsdaten vom Ironman 70.3 Oceanside

Lionel Sanders dominierte beim Ironman 70.3 Oceanside ein weiteres Mal auf seiner Lieblingsdistanz. 354 Watt Durchschnittsleistung und ein taktisch gelaufener Halbmarathon in 1:14 Stunden sprechen eine klare Sprache. Wir haben den erfolgreichen Kanadier zu seinem Training befragt.

Von > | 12. April 2017 | Aus: SZENE

2017 ungeschlagen: In Kalifornien gewann Sanders dieses Jahr bereits sein drittes Ironman-70.3-Rennen. Das große Ziel ist der Sieg bei der Ironman-70.3-WM.

2017 ungeschlagen: In Kalifornien gewann Sanders dieses Jahr bereits sein drittes Ironman-70.3-Rennen. Das große Ziel ist der Sieg bei der Ironman-70.3-WM.

Foto >Donald Miralle/IRONMAN

Analyse der Leistungsdaten

Schon einige Zeit vor seinem deutlichen Sieg beim Ironman 70.3 Oceanside beschäftigte sich Lionel Sanders damit, auf dem Rad noch aerodynamischer zu werden. Dazu führte der Kanadier nach dem Ironman Hawaii im vergangenen Jahr mehrere Tests auf einer Radrennbahn in seiner Heimat durch. Das Ziel war es, in Vorbereitung auf den Ironman Arizona, eine noch radikalere Sitzposition auf dem Rad zu finden, die Sanders bei gleicher Wattleistung noch schneller machen sollte. Das erste Ergebnis der neuen Position in Arizona: Das schnellste Ironman-Rennen aller Zeiten (7:44:29 Stunden) und eine Radzeit von 4:04:38 Stunden, neun Minuten schneller als im Vorjahr. 

Schaut man sich die Daten des Ironman 70.3 Oceanside 2016 und 2017 im direkten Vergleich an, erkennt man, dass sich die Veränderungen der Position auch anhand von Zahlen belegen lassen. Zur Auswertung haben wir den Aero Analyzer von Best Bike Split genutzt.

Es fällt auf, dass Sanders auf dem Radkurs in beiden Jahren fast die identische Wattzahl getreten hat. 2016 waren es im Schnitt 352 Watt, in diesem Jahr 354. Dennoch fuhr der Mitteldistanz-Spezialist in diesem Jahr mit einer Radzeit von 2:05:42 Stunden über zwei Minuten schneller als Vorjahr (2:07:47 Stunden). Einerseits könnte das Wetter eine Rolle gespielt haben, andererseits ist an der Auswertung des Programms deutlich erkennbar, dass die neue Sitzpostion einen maßgeblichen Einfluss an dem Zeitersparnis hat. In seinem Blog beschreibt Sanders die Veränderungen – und wie es ihm damit ergangen ist. 

Welche Rolle das Wetter gespielt haben könnte, erklärt unser Experte Ryan Cooper von Best Bike Split: "Wenn man den Einfluss der äußeren Bedingungen einschätzen möchte, kann man dies gut an Lionel Sanders' CdA-Wert (Strömungswiderstand) festmachen. Der Aero Analyzer zeigt für 2017 (Calculated) deutlich bessere Wert an als 2016 (Current). Während Sanders schneller als im Vorjahr fuhr, waren seine Kontrahenten Andy Potts, Andreas Dreitz und Trevor Wurtel deutlich langsamer als ein Jahr zuvor. Das deutet darauf hin, dass dieses Jahr tendenziell schlechtere Bedingungen geherrscht haben als 2016", erklärt Cooper. 

Das Rennen in Zahlen

Lionel Sanders hat am Schwimmen gearbeitet – mit Erfolg. Mit weniger Abstand als sonst kam der 29-Jährige in Oceanside aus dem Wasser. Dieser Umstand änderte seine Renntaktik komplett. "Ich war sehr erstaunt, als ich gehört habe, dass ich nur etwas mehr als zwei Minuten Rückstand auf Jan Frodeno habe. Eigentlich war ich darauf eingestellt, zu Beginn sehr hart Rad fahren zu müssen, um die Lücke möglichst schnell zu schließen. Da ich aber näher an der Spitze dran war als jemals zuvor, entschied ich mich dazu, es kontrolliert und gleichmäßig anzugehen", sagte Sanders im Nachhinein. 

Hier sehen sie Sanders' Leistungsdaten vom Radkurs, gemessen mit PowerTap P1 Pedalen:

Nach knapp 25 Kilometern sah Sanders dann Frodeno, wie er mit einem Platten am Straßenrand anhalten musste. Damit ging kurzzeitig ein Teil seiner Motivation verloren: "Ich habe von der Revanche gegen Jan auf diesem Kurs seit zwei Jahren geträumt und mich auf alle möglichen Szenerien vorbereitet. Mit einem Defekt habe ich allerdings nicht gerechnet. Ich habe mich sehr geärgert und es hat etwas gedauert, bis ich mich wieder richtig motivieren konnte."

Natürlich setzte Sanders das Rennen dennoch mit dem Ziel fort, seinen Vorjahressieg zu wiederholen. "Am Anfang hatte in den Plan, 90 Minuten gleichmäßig und hart zu fahren. Als ich mich zu dem Zeitpunkt aber noch gut fühlte, beschloss ich, noch 20 härtere Minuten dranzuhängen." In den ersten anderthalb Stunden trat Sanders 358 Watt im Durchschnitt (4,78 Watt/kg) bei 42 km/h. In den anschließenden 20 Minuten konnte Sanders seine Leistung noch einmal steigern, trat 363 Watt (4,85 Watt/kg) bei 45,2 km/h.

Während des 20-Minuten-Abschnitts erlegte sich Sanders eine weitere Herausforderung auf: Einen anderthalb Kilometer langen Anstieg mit 5,3 Prozent Steigung, für den die meisten Athleten aufs kleine Kettenblatt wechseln müssen, fuhr er spontan auf dem großen Kettenblatt hinauf. "Ich entschied mich spontan dazu, es komplett auf dem großen Blatt zu probieren. Dafür musste ich zwar über 420 Watt treten, aber es hat funktioniert." Für etwas mehr als drei Minuten trat Sanders eine Normalized Power (NP) von 422 Watt und eine Durchschnittsleistung (Average Power) von 417 Watt (5,57 Watt/kg) bei einer Trittfrequenz von 76 Umdrehungen pro Minute. 

In den letzten 15 Minuten der Radfahrt erlaubt sich Sanders, in Führung liegend, seine Leistung etwas zurückzuschrauben. Er trat in diesem Abschnitt eine Durchschnittsleistung (AP) von 317 Watt bei einer Geschwindigkeit von 45,2 km/h.

Mit dieser Leistung erzielte Sanders die mit Abstand schnellste Radzeit des Tages und fuhr 4:49 Minuten schneller als der Zweitplatzierte Chris Leiferman aus den USA. Seinen deutlichen Vorsprung verteidigte Sanders beim abschließenden Halbmarathon mit einem kontrollierten Tempo. Die Zeit von 1:14:06 Stunden reichte zur drittschnellsten Laufzeit des Tages und einer Gesamtzeit von 3:50:04 Stunden.

Seine NP von 366 Watt und AP (Durchschnittsleistung) von 355 Watt zeigt, dass er auf dem Rad sehr gleichmäßig unterwegs war, da der Variability Index (Dieser Wert ergibt sich, wenn man NP durch AP teilt; er soll zeigen, wie konstant der Fahrer unterwegs war und Aufschluss geben, ob man sich das Rennen gut eingeteilt hat) nur 1,03 beträgt. Ein Wert unter 1,1 gilt als ausgezeichnet. 

Mit der vorhandenen Leistungsfähigkeit, den Fortschritten im Schwimmen und der optimierten Aerodynamik dürfte Lionel Sanders der Favorit in jedem Rennen sein, das er dieses Jahr bestreiten wird.

Grundlage des Artikels ist eine Kooperation zwischen der spomedis GmbH und TrainingPeaks. Ein Teil der Informationen wurden vom TrainingPeaks-Autor AJ Johnson übernommen, ins Deutsche übersetzt und zusätzlich angereichert.