Lionel Sanders bricht Ironman-Weltbestzeit

Damit hätten wohl die wenigsten gerechnet: Lionel Sanders verteidigt seinen Titel in Arizona und gewinnt mit neuer Ironman-Weltbestzeit. Mit einer Zeit von 7:44:29 Stunden unterbot der Kanadier den fünf Jahre alten Rekord von Marino Vanhoenacker.

Von > | 21. November 2016 | Aus: SZENE

Geschafft: Im Zielkanal sind die Strapazen Lionel Sanders deutlich anzusehen.

Geschafft: Im Zielkanal sind die Strapazen Lionel Sanders deutlich anzusehen.

Foto >Paul Phillips

Nach dem Ironman Hawaii hatte Lionel Sanders bereits mit der Langdistanz abgeschlossen – vorerst jedenfalls. „Ich habe mich 2016 ausschließlich auf die Ironman-70.3-WM konzentriert. Und damit meine ich, dass ich bis zu diesem Rennen so trainiert habe, als würde es den Ironman Hawaii nicht geben“, erklärte Sanders im Anschluss an das WM-Rennen auf Big Island. Im letzten Abschnitt der Radstrecke verließen Sanders auf Hawaii die Kräfte und den Marathon konnte der Kanadier nur noch ins Ziel "joggen". „Ich werde mich zunächst nur der Ironman-70.3-Distanz widmen. Um auf Hawaii eine Rolle spielen zu können, muss ich mich im Schwimmen deutlich verbessern, und das ist auf der halben Strecke einfach besser möglich“, gab Sanders nach der Ironman-WM bekannt. Doch der Ehrgeiz, es noch einmal über die Langstrecke zu beweisen, packte ihn offenbar früher, als er selbst geglaubt hatte: Eine extreme Trainingsumstellung sollte den 28-jährigen Kanadier auf seine Titelverteidigung beim Ironman Arizona entsprechend vorbereiten. Mit teilweise fünf Stunden langen Trainingseinheiten auf dem Rollentrainer versuchte Sanders seine Mitteldistanz-Form so schnell wie möglich auf die Langdistanz zu übertragen. Wie auch bei seinem Sieg im Vorjahr war schnell klar, dass der größte Konkurrent Landsmann Brent McMahon sein würde, der 2015 in 8:00 Stunden nur gut zwei Minuten nach Lionel Sanders ins Ziel kam.

Sanders rasante Aufholjagd

Der Tag begann wie erwartet: Mit acht Minuten Rückstand auf den Führenden kam Lionel Sanders aus dem Wasser. Im Vergleich zum Vorjahr schwamm der 28-Jährige nur 19 Sekunden schneller und benötigte 53:45 Minuten für die 3,8 Kilometer der ersten Disziplin. Auf seine direkten Konkurrenten McMahon, Molinari (ITA) und Tollakson (USA) verlor Sanders je vier bis fünf Minuten. Doch bei seiner Paradedisziplin macht der „grüne Blitz“, wie er aufgrund seines einst komplett grünen Anzugs von seinen Fans genannt wird, schnell Boden gut. 4:04:38 Stunden benötigte Sanders für die 180 Radkilometer. Damit fuhr der Kanadier nicht nur neun Minuten schneller als im vergangenen Jahr, sondern auch deutlich schneller als jeder seiner direkten Konkurrenten. Trotzdem stieg Cameron Wurf gut zwei Minuten vor Sanders vom Rad. Der Australier gilt als starker Radfahrer, ist jedoch im Normalfall nicht in der Lage beim abschließenden Marathon eine Top-Platzierung zu halten. 4:05:45 Stunden brauchte Wurf für den Radkurs, wurde beim Laufen jedoch schnell gestellt und landete schließlich auf Platz 14.

Mit Marathonbestzeit zum Rekord

Auf die Frage, ob Sanders auf dem Rad vielleicht etwas überzogen hat, gab er schnell eine Antwort. Lange war der 28-Jährige sogar auf Kurs einer Marathonzeit von 2:35-Stunden. Während der letzten zehn Kilometer verlor Sanders dann aber doch noch etwas an Tempo. Die Zeit von 2:42:31 Stunden über die Marathondistanz reichte trotzdem zu einer neuen persönlichen Laufbestzeit über die Langdistanz und war knapp fünf Minuten schneller als im Vorjahr. Nach 7:44:29 Stunden verteidigte Lionel Sanders seinen Titel in Arizona und stellte gleichzeitig eine neue Ironman-Weltbestzeit auf - auch wenn die Langdistanz-Bestzeit weiterhin Jan Frodeno hält, der die Challenge Roth in 7:35:39 Stunden absolvierte. Um 89 Sekunden unterbot Sanders die Zeit vom Belgier Marino Vanhoenacker, die er 2011 bei seinem Sieg des Ironman Klagenfurt aufstellte. Auf Platz zwei landete in Arizona  -  wie schon im Vorjahr - Brent McMahon, der seine Zeit aus 2015 um zehn Minuten verbesserte und nach 7:50 Stunden die Ziellinie überquerte. Mit 2:40:17 Stunden erzielte McMahon sogar die schnellste Marathonzeit des Tages. Auf Platz drei landete der US-Amerikaner Tj Tollakson nach 8:02:30 Stunden.

Deutsches Duo in den Top10 – Van Vlerken wird Zweite

Neben dem spektakulären Rekordsieg durch Sanders gab es auch solide Ergebnisse von zwei deutschen Profis: Per Bittner und Jens Frommhold landeten auf den Plätzen neun und zehn mit Zeiten von 8:18:23 und 8:21:48 Stunden.

Das Rennen der Frauen entschied nach 8:43:23 Stunden die US-Amerikanerin Meredith Kessler für sich. Die Niederländerin Yvonne Van Vlerken landete nach einer starken Vorstellung mit drei Minuten Rückstand auf Platz zwei. Komplettiert wurde das Podium der Frauen durch die Kanadierin Malindi Elmore.  

Platzierung

Name

Nationalität

Schwimmzeit

Radzeit

Laufzeit

Gesamtzeit

1

Lionel Sanders

CAN

53:45

4:04:38

2:42:31

7:44:29

2

Brent McMahon

CAN

48:21

4:18:20

2:40:17

7:50:15

3

Tj Tollakson

USA

49:40

4:11:59

2:56:43

8:02:30

4

David Plese

SLO

53:57

4:20:46

2:45:17

8:04:29

5

Giulio Molinari

ITA

49:35

4:15:07

2:58:25

8:06:47

9

Per Bittner

GER

49:45

4:26:23

2:58:24

8:18:23

10

Jens Frommhold

GER

55:37

4:21:55

3:00:32

8:21:48

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