Maximilian Schwetz klagt gegen die Deutsche Triathlon Union

Die Strukturreform bei der Deutschen Triathlon Union sorgt für Wirbel: Nationalmannschaftsathlet Maximilian Schwetz hat beim Landgericht Frankfurt Klage eingereicht. Streitpunkt ist das Nominierungssystem des Verbandes.

Von > | 2. April 2017 | Aus: SZENE

Maximilian Schwetz kämpft juristisch um sein Startrecht (Archivbild)

Maximilian Schwetz kämpft juristisch um sein Startrecht (Archivbild)

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Mit einem neuen Nominierungssystem für internationale Rennen wollten die Deutsche Triathlon Union und ihr neuer Sportdirektor Dr. Jörg Bügner für mehr Struktur und Klarheit sorgen. Zunächst hat es aber für die zweite Klage eines Kader-Athleten gegen die Deutsche Triathlon Union binnen weniger Monate gesorgt: Nachdem Rebecca Robisch im vergangenen Jahr bereits erfolgreich gegen die Olympianominierungen geklagt hatte, wehrt sich Nationalmannschaftsathlet Maximilian Schwetz nun gegen die zur neuen Saison eingeführten neuen Strukturen.

Leistungstest und Umwege

Die Kernpunkte des neuen Systems: Seit diesem Jahr müssen deutsche Sportler, die bei internationalen ITU-Rennen starten wollen, bei einem internen Leistungstest der Deutschen Triathlon Union Normzeiten im Schwimmen und Laufen erfüllen. Wer das nicht schafft oder den Test auslässt, wie es beim diesjährigen Leistungstest Mitte März aus gesundheitlichen Gründen die Kaderathleten Maximilian Schwetz, Hanna Philippin und Anne Haug taten, kann sich theoretisch ab Juni in Rennen der Triathlon-Bundesliga für internationale Einsätze empfehlen. Dort müssen sich die Sportler dann über festgeschriebene Ergebnisse von Kontinental- über Weltcups in die finanziell lukrative World Triathlon Series "hocharbeiten".

Schwetz kritisierte dieses System bereits Anfang März gegenüber triathlon (Ausgabe Nr. 149, hier und im Kiosk erhältlich): Praktisch sei die internationale Saison für Eliteathleten, die am internen Test nicht teilnehmen konnten, durch die zeitaufwendigen und kraftintensiven Umwege gelaufen, was speziell für Berufssportler ein großes Problem sei. Dazu komme, dass ihm durch den Verband Leistungen gestrichen werden sollen, weil Schwetz mit seinem vertrauten Trainer Dan Lorang weiterarbeiten und sich nicht einem der Bundestrainer anschließend will. Das aber soll künftig Voraussetzung für Kaderathleten sein, um uneingeschränkt an Verbandsmaßnahmen teilnehmen zu dürfen.

Für Schwetz sei das "okay, weil ich eine Wahl habe. Nicht okay ist, dass ich trotzdem noch auf den Verband angewiesen bin, der mich nominiert. Warum darf mir der Verband Starts untersagen, wenn ich doch genug Weltranglistenpunkte habe, es auf die Startliste zu schaffen? Meinetwegen sollen sie eine Bearbeitungsgebühr dafür nehmen, dass sie mich auf die Liste setzen, aber mich dann wenigstens auch wirklich starten lassen", sagte Schwetz in triathlon 149. Der Verband lud ihn kurz darauf wenige Tage vor geplanter Abreise von einem Trainingslager aus - weil er sich kritisch gegenüber Medien, DTU-Verantwortlichen und auf seiner Facebook-Seite geäußert habe, erklärte Schwetz via Facebook. "Maximilian Schwetz wurde von der DTU nicht wegen kritischen öffentlichen Äußerungen vom Trainingslager auf Mallorca ausgeschlossen, sondern, weil er nicht dazu bereit war und ist, mit den beiden verantwortlichen Trainern, die unter anderem das Trainingslager leiten, zusammenzuarbeiten", erklärt die DTU.

Im Eilverfahren vor dem Landesgericht

Wie dem auch sei: Schwetz nahm den Ausschluss hin – anders als die neuen Nominierungsstrukturen. Deshalb forderte er die DTU ebenso wie sein Anwalt Dr. Michael Lehner schriftlich auf, ihn für drei bestimmte Rennen zu nominieren: Ein Afrika-Cup-Rennen, ein Weltcuprennen und ein Rennen der World Triathlon Series. Der Verband lehnte das ab. Am Freitag fand noch einmal ein moderiertes Gespräch zwischen Schwetz und dem DTU-Sportdirektor Dr. Jörg Bügner statt, bei dem der Verband dem Athleten - wie auch allen anderen beim Test im März krankheitsbedingt verhinderten Sportlern - das Angebot eines Nachtests am 6. Mai in Saarbrücken unterbreitet habe, erklärt die DTU. Das habe Schwetz, der schon vor diesem Test bei einem Rennen starten möchte, abgelehnt und stattdessen, so erklärt es die Deutsche Triathlon Union, "einen als Angebot bezeichneten Forderungskatalog vorgelegt", welches der Verband ablehnte.

Deshalb reichten Schwetz und sein Anwalt Dr. Michael Lehner Klage gegen die DTU ein. Lehner hat langjährige Erfahrung im Sportrecht und im vergangenen bereits Rebecca Robisch im Rechtsstreit gegen die Deutsche Triathlon Union vertreten. Anders als im Falle Robisch wird das Verfahren diesmal aber nicht vor einem Sportgericht stattfinden, sondern vor dem Landesgericht Frankfurt: Eine Athletenvereinbarung mit der DTU, die die Sportler verpflichtet, bei Rechtsstreitigkeiten vor Sportgerichte zu ziehen, hatte Schwetz nicht unterzeichnet. Mit der Klage wollen Schwetz und Lehner den Verband auffordern, den Sportler für das Rennen in Afrika zu melden, für das die Meldefrist Anfang kommender Woche ende - wobei diese kolportierte Meldefrist nach DTU-Informationen nicht existiere. Die Kläger zweifeln an, dass der Verband das Recht hat, einem Sportler, der seinen Lebensunterhalt mit dem Sport verdient, Renneinsätze zu verweigern und wollen per Anordnung eine Meldung für den Wettkampf herbeiführen. Eine Entscheidung soll im Eilverfahren fallen und wird für Dienstag erwartet.

Update (4. April): Die Entscheidung wird voraussichtlich nach einer Anhörung Mitte April folgen.