"Natürlich würde ich Jan Frodeno gern schlagen"

Er ist der Vorjahressieger des Ironman 70.3 Barcelona und gewann 2016 seine beiden Langdistanzen in unter acht Stunden - mit 25 Jahren. Am Wochenende tritt er erstmals gegen Jan Frodeno an.

Von > | 18. Mai 2017 | Aus: SZENE

Ein Marathon in 2:41 Stunden bescherte Patrik Nilsson im vergangenen Oktober den Sieg beim Ironman Barcelona.

Ein Marathon in 2:41 Stunden bescherte Patrik Nilsson im vergangenen Oktober den Sieg beim Ironman Barcelona.

Foto >Getty Images

Du hast in einem sehr jungen Alter (23) auf die Langdistanz gewechselt und warst von Anfang an erfolgreich. Warum hast du diese Entscheidung getroffen?

Als ich 2010 in Schweden mit Triathlon angefangen habe, war ich zwei Jahre auf der Kurzdistanz aktiv. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich zu langsam schwimme, um dort richtig gut zu sein. Also bin ich 2012 auf die Mitteldistanz gewechselt und wurde prompt schwedischer Meister. 2013 bin ich dann als Agegrouper beim Ironman 70.3 Mallorca gestartet und habe meine Altersklasse gewonnen. Ein Jahr später habe ich mit 22 Jahren meine erste Langdistanz absolviert und in 8:18 Stunden als Gesamtachter gefinisht. Davon war ich schon etwas überrascht. Natürlich war danach sofort klar, dass mein Talent auf den Langstrecken liegt. 

Hast du damit gerechnet, von Anfang an so außergewöhnlich schnell auf der Langdistanz zu sein?

Als ich meinen ersten Ironman (Malaysia) 2014 gewonnen habe, war ich 23 - nicht gerade ein "gutes" Alter für die Langdistanz, das stimmt. Damit gerechnet habe ich nicht, aber ich war mir meines Potenzials bewusst. Ich bin vielleicht schnell, aber ehrlich gesagt, sehe ich so viele Top-Athleten um mich herum und kann teilweise noch immer nicht glauben, dass ich einer von ihnen bin. Einige Leute bei uns im Team (BMC-Etixx Pro Triathlon Team) sind Athleten, zu denen ich immer aufgeschaut habe. Mehrfache Sub-8-Finisher mit Top-10-Platzierungen in Kona. Ich fühle mich, als müsste ich mich noch deutlich verbessern und beweisen, bevor ich von mir behaupten kann, dass ich außergewöhnlich schnell bin. 

Du kommst ursprünglich vom Laufen und es ist auch im Triathlon deine stärkste Disziplin. Wo siehst du zukünftig dein größtes Verbesserungspotenzial? 

Ich sehe noch jede Menge Potenzial in allen Disziplinen. Speziell im Radfahren hatte ich anfangs Schwierigkeiten, da ich früher schon einmal geschwommen bin und leistungsorientierter Läufer war. Deshalb habe ich mich eine Zeit lang fast ausschließlich dem Radfahren gewidmet und konnte mit viel Aufwand zum Glück deutliche Fortschritte machen. Ich scheine von Natur aus nicht besonders viel Talent fürs Radfahren zu haben. Daher glaube ich, dass dort vielleicht noch etwas mehr rauszuholen ist, als in den anderen beiden Disziplinen. 

 



 

Seit 2017 ist der Schwede Mitglied des BMC-Etixx Pro Triathlon Teams.

Seit 2017 ist der Schwede Mitglied des BMC-Etixx Pro Triathlon Teams.

Foto >BrakeThrough Media

Du gehst am Sonntag in Barcelona als Vorjahressieger an den Start. Dein größter Herausforderer wird Jan Frodeno sein. Wie schätzt du deine Chancen ein und was könnte die Strategie sein, um ihn zu schlagen?

Dass ich in dieses Rennen mit der Startnummer 1 gehe und jemanden wie Jan dahinter mit der 2 habe, ist vielleicht das Größte, was ich sportlich bisher erlebt habe. Natürlich würde ich Jan gern schlagen. Allerdings bin ich seit einigen Monaten Vater und habe etwas Angst, dass meine Form durch den Trainingsrückstand nicht gut genug ist, um mit ihm mitzugehen. Wenn es für mich eine Chance gäbe, bestünde sie sicherlich darin, ihn beim Schwimmen und Radfahren nicht ziehen zu lassen und danach schneller zu laufen. In erster Linie ist Barcelona für mich jetzt aber eine Standortbestimmung und hoffentlich ein weiterer Schritt Richtung Hawaii 2017. 

Es wird dieses Jahr dein erster Start auf Hawaii sein. Für manche zählst du durch deine beiden Sub-8-Siege in Barcelona und Kopenhagen 2016 als Geheimfavorit für das Podium. Was sind deine Ziele für die Premiere auf der Insel? 

Ich glaube, es ist nicht richtig, sich bei seinem erster Start dort auf eine bestimmte Platzierung zu konzentrieren. Dafür hat sich zu oft gezeigt, dass das Rennen unberechenbar ist. Es sind die weltbesten Athleten am Start und viele davon haben mehrfache Erfahrungen mit diesem Rennen. Ich werde mich auf mein Rennen konzentrieren. Schauen, dass ich Faktoren wie Pacing, Verpflegung und Kühlung gut in den Griff bekomme. Je nachdem, wie ich das hinbekomme, wird meine Platzierung ausfallen. 

Kommen wir zur Saisonplanung: Welche Rennen wirst du zwischen Barcelona und Hawaii bestreiten?

Ich werde im Juni noch die Ironman-70.3-EM in Dänemark mitmachen und im Juli entweder in Klagenfurt oder in Frankfurt beim Ironman starten, das ist noch nicht ganz raus. Danach liegt der Fokus voll und ganz auf Hawaii.

 

Beim Ironman Kopenhagen ließ Nilsson der Konkurrenz keine Chance, gewann nach 7:49 Stunden und mit zehn Minuten Vorsprung.

Beim Ironman Kopenhagen ließ Nilsson der Konkurrenz keine Chance, gewann nach 7:49 Stunden und mit zehn Minuten Vorsprung.

Foto >Getty Images