Trio mit Olympiatraum – DTU-Youngster schmieden Zukunftspläne

Mitten im Hin und Her um die Olympischen Spiele 2016 durften in Hamburg drei der heißesten Anwärter auf die Spiele in vier Jahren erste WM-Serien-Erfahrungen sammeln: Lena Meißner, Lisa Tertsch und Lasse Lührs gehören zu Deutschlands größten Nachwuchshoffnungen. Nun stehen die Perspektivsportler aber vor der schwierigen Abwägung, wie wichtig ihnen der Sport ist.

Von > | 23. Juli 2016 | Aus: SZENE

Hamburg 2016 | Lisa Tertsch (vorne) und Lena Meißner (hinten) beim Hamburg-Triathlon 2016.

Lisa Tertsch (vorne) und Lena Meißner (hinten) beim Hamburg-Triathlon 2016.

Foto >Janos Schmidt / International Triathlon Union

Das Schicksal hält manchmal komische Wendungen bereit – und im Falle von Lisa Tertsch könnte der Ärger über eine Freundin im Kindesalter den Start einer möglicherweise sehr erfolgreichen Sportlerkarriere bedeutet haben. Denn weil ihre Freundin ständig im Schwimmtraining war, hatte sie selten Zeit für Tertsch, die kurz zuvor erst mit ihrer Familie von Freiburg ins hessische Darmstadt gezogen war. "Deshalb bin ich dann einfach mal mit zum Schwimmtraining gegangen", erzählt Tertsch. Ein Junge aus dem Schwimmtraining nahm sie etwas später mit zum Laufen, wo sie sich noch besser schlug als im Schwimmen – und schon fehlte zum kompletten Triathlonglück nur noch das Radfahren.

Lisa Tertsch | Lisa Tertsch (Darmstadt, Jahrgang 1998) begann als Schwimmerin und fand über einen Vereinskollegen zusätzlich zum Laufen, bevor sie dann den Triathlon für sich entdeckte. Das Schwimmen bezeichnet sie als ihre Schwäche, sieht sich aber auf dem Weg der Besserung. In Hamburg schloss sie Ende der ersten Radrunde zum Hauptfeld auf, dabei übernahm sie sich aber und musste nach einem Antritt des Felds am nächsten Wendepunkt abreißen lassen. Am Ende belegte sie aus einer abgeschlagenen Verfolgergruppe heraus den 52. Platz. „Ich habe mich trotzdem sehr darüber gefreut, dabei sein zu dürfen. Die Erfahrung, einmal auf diesem Level gestartet zu sein, ist sehr wertvoll und motivierend“, meint Tertsch. Auch Tertschs jüngere Geschwister betreiben mittlerweile Ausdauersport und gehören in Hessen bereits zu den Besten ihrer Jahrgänge.

Lisa Tertsch (Darmstadt, Jahrgang 1998) begann als Schwimmerin und fand über einen Vereinskollegen zusätzlich zum Laufen, bevor sie dann den Triathlon für sich entdeckte. Das Schwimmen bezeichnet sie als ihre Schwäche, sieht sich aber auf dem Weg der Besserung. In Hamburg schloss sie Ende der ersten Radrunde zum Hauptfeld auf, dabei übernahm sie sich aber und musste nach einem Antritt des Felds am nächsten Wendepunkt abreißen lassen. Am Ende belegte sie aus einer abgeschlagenen Verfolgergruppe heraus den 52. Platz. „Ich habe mich trotzdem sehr darüber gefreut, dabei sein zu dürfen. Die Erfahrung, einmal auf diesem Level gestartet zu sein, ist sehr wertvoll und motivierend“, meint Tertsch. Auch Tertschs jüngere Geschwister betreiben mittlerweile Ausdauersport und gehören in Hessen bereits zu den Besten ihrer Jahrgänge.

Foto >Lennart Klocke / spomedis

Scheideweg zwischen Beruf und Sport

Mittlerweile hat Lisa Tertsch zwei Junioren-Europacuprennen gewonnen, ist Europameisterin im Duathlon, Vize-Europameisterin im Triathlon der Juniorinnen und startete am vergangenen Wochenende in Hamburg zum ersten Mal in einem Rennen der World Triathlon Series – wie auch der 20-Jährige Lasse Lührs und die 17-Jährige Lena Meißner: Neben der 20-Jährigen Laura Lindemann und der 22-Jährigen Sophia Saller sind sie drei der größten Hoffnungen der Deutschen Triathlon Union für die Olympischen Spiele in Tokio in vier Jahren. Doch sie stehen an einem Scheideweg: Alle drei haben gerade ihr Abitur erfolgreich abgeschlossen oder werden das bald tun – aber alle drei sind natürlich auch noch keine Sportler von Weltklasseniveau, die beruflich guten Gewissens voll auf den Sport setzen könnten, haben aber grundsätzlich das Zeug dazu, dieses Niveau einmal zu erreichen. Nun müssen die Nachwuchssportler entscheiden, welchen Stellenwert sie dem Sport in ihrem weiteren Leben geben wollen und ob sie bereit sind, dafür beruflich möglicherweise etwas zurückzustecken.

Lena Meißner | Lena Meißner (Neubrandenburg, Jahrgang 1998) hat mehrere Sportarten ausprobiert, ehe sie noch im Grundschulalter zum Triathlon fand. Seit der 5. Klasse geht sie in Neubrandenburg auf eine Sportschule und will im kommenden Jahr das Abitur abschließen. Ihre Stärke sei ihre Ausgeglichenheit, meint Meißner, die sich mit Blick auf ihren 55. Rang in Hamburg sehr selbstkritisch zeigt. Besonders war die 17-Jährige darüber enttäuscht, dass sie in Hamburg beim Schwimmen das Hauptfeld verpasste. „Ich bin mir sicher, dass es von meinem Schwimmvermögen her für vorne gereicht hätte. Aber es geht in der WM-Serie im Wasser sehr viel ruppiger zur Sache, als ich das kannte“, meinte Meißner. „An diesen Körperkontakt beim Schwimmen muss ich mich erst noch gewöhnen. Das geht wahrscheinlich am besten über weitere Rennen.“

Lena Meißner (Neubrandenburg, Jahrgang 1998) hat mehrere Sportarten ausprobiert, ehe sie noch im Grundschulalter zum Triathlon fand. Seit der 5. Klasse geht sie in Neubrandenburg auf eine Sportschule und will im kommenden Jahr das Abitur abschließen. Ihre Stärke sei ihre Ausgeglichenheit, meint Meißner, die sich mit Blick auf ihren 55. Rang in Hamburg sehr selbstkritisch zeigt. Besonders war die 17-Jährige darüber enttäuscht, dass sie in Hamburg beim Schwimmen das Hauptfeld verpasste. „Ich bin mir sicher, dass es von meinem Schwimmvermögen her für vorne gereicht hätte. Aber es geht in der WM-Serie im Wasser sehr viel ruppiger zur Sache, als ich das kannte“, meinte Meißner. „An diesen Körperkontakt beim Schwimmen muss ich mich erst noch gewöhnen. Das geht wahrscheinlich am besten über weitere Rennen.“

Foto >Lennart Klocke / spomedis

Denn kann man sich nicht für eine Karriere bei einer Sportfördergruppe, beispielsweise bei der Polizei, begeistern, bei der Laura Lindemann nach Abschluss ihres Abiturs im kommenden Jahr anheuern will, erwartet die jungen Sportler ein schwieriger Spagat zwischen Hochleistungssport und beruflicher Perspektive. Dessen sind sich speziell die beiden jungen Frauen im deutschen Team bewusst. "Klar, so leicht wie zu Schulzeiten wird das künftig nicht mehr miteinander zu vereinbaren sein", sagt Lisa Tertsch, die ihr Abitur dieses Jahr im Gegensatz zu den Sportschülern Meißner, Lindemann und Lührs an einer „normalen“ Schule abgelegt hat. Die Darmstädterin hat zuletzt unter Anleitung von Ron Schmidt die guten Trainingsbedingungen im Triathlon-Bundesstützpunkt Nachwuchs in Potsdam genutzt, doch für die nächsten voraussichtlich vier Jahre zieht es sie in die Vereinigten Staaten: Tertsch wird ein Studium an der renommierten Universität in Harvard antreten. Den Sport will sie dann weiterhin ambitioniert verfolgen und aus der Ferne weiterhin mit Trainer Ron Schmidt zusammenarbeiten. Doch wie gut sich all das vereinbaren lassen wird und wo im Zweifel ihre Prioritäten liegen werden, kann auch Tertsch kaum abschätzen.

Lasse Lührs | Lasse Lührs (Potsdam, Jahrgang 1996) fand über ein Schüler-Rennen zum Triathlon und hat im Juni an der Sportschule in Potsdam das Abitur abgeschlossen. Im vergangenen Jahr sicherte er sich unter anderem den Junioren-Europameistertitel, in Hamburg belegte er bei seiner Premiere in der WM-Serie den 31. Rang. Sowohl beim Positionskampf im Wasser, als auch in Sachen Geschwindigkeit sieht er noch Steigerungspotenzial. „Ich denke aber, dass sich das durch kontinuierliche Arbeit im Becken und durch weitere Rennerfahrungen immer weiter verbessern wird“, meint Lührs.

Lasse Lührs (Potsdam, Jahrgang 1996) fand über ein Schüler-Rennen zum Triathlon und hat im Juni an der Sportschule in Potsdam das Abitur abgeschlossen. Im vergangenen Jahr sicherte er sich unter anderem den Junioren-Europameistertitel, in Hamburg belegte er bei seiner Premiere in der WM-Serie den 31. Rang. Sowohl beim Positionskampf im Wasser, als auch in Sachen Geschwindigkeit sieht er noch Steigerungspotenzial. „Ich denke aber, dass sich das durch kontinuierliche Arbeit im Becken und durch weitere Rennerfahrungen immer weiter verbessern wird“, meint Lührs.

Foto >Lennart Klocke / spomedis

Tertsch geht in die USA, Lührs nach Spanien

"Man muss ja realistisch bleiben", sagt die Neubrandenburgerin Lena Meißner. "Auch wenn es im Sport gut läuft, gibt es noch ein Leben danach. Man müsste schon Olympia gewinnen, um sich finanziell abzusichern – und selbst in dem Falle ist man höchstens dann sicher, wenn man sich gut verkaufen und mit den Medien umgehen kann." Eine schwerere Verletzung zu einem ungünstigen Zeitpunkt dagegen könne die Karriere schnell beenden, ist sich Meißner bewusst. Sie will nach dem Abitur, das sie an der Sportschule in Neubrandenburg 2017 abschließen wird, deshalb am liebsten ein naturwissenschaftliches Studium antreten. "Pharmazie würde mich zum Beispiel reizen", sagt die 17-Jährige, die in ihrer Trainingsgruppe in Neubrandenburg meist zusammen mit den Jungs trainiert. Doch es sei fraglich, inwieweit sich das mit meinem Traum von Olympia vereinbaren ließe. Das Pendel zwischen Sport und Beruf schwingt hin und her, und die Perspektivathleten müssen wegweisende Entscheidungen in einer Lebensphase treffen, in der sich die meisten jungen Menschen ohnehin erst noch selbst finden müssen.

Lasse Lührs ist wenige Jahre älter als Tertsch und Meißner und auch in seiner Entscheidungsfindung schon weiter. Er hat sich entschlossen, nach dieser Saison für ein Jahr nach Spanien "auszuwandern" und dort ein internationales wirtschaftliches Studium zu beginnen. "In Spanien kann ich in einer guten Gruppe trainieren, deren Mitglieder ich zum Teil aus der Triathlon-Bundesliga kenne", sagt Lührs. "Wenn ich für das Studium außerdem noch einige Credit Points aus Spanien mitbringe, ist das umso besser." Im Mittelpunkt solle aber seine sportliche Entwicklung stehen, schließlich sind die Olympischen Spiele in Tokio 2020 für Lührs relativ fest eingeplant. Auch, weil die Personaldecke speziell im männlichen deutschen Elitebereich dünn ist und nach den anstehenden Spielen noch einmal dünner werden dürfte. Doch selbst wenn es gut laufe, zeigt sich Lisa Tertsch nachdenklich, könne man sich seiner Sache ja nicht sicher sein. "Man sieht ja aktuell, wie kurz vor Toresschluss noch einmal alles über den Haufen geworfen werden kann", sagt sie. „Ohne die Hintergründe zu den Olympianominierungen im Detail zu kennen und beurteilen zu können, macht es mich natürlich schon nachdenklich, wie viel Politik und nicht-beeinflussbare Faktoren im Sport stecken.“ Da helfe es, sich auf das Wesentliche zu besinnen und den Kopf nicht von hohen Zielen verdrehen zu lassen, meint Tertsch: "Am wichtigsten ist bei allen Überlegungen schließlich, dass der Sport auch Spaß machen soll."