"Platz acht spiegelt meine Leistung nicht wieder"

Für Timo Bracht war der Ironman 70.3 Rügen das letzte Rennen auf deutschem Boden. Ganz zufrieden war der Routinier mit dem Ausgang des Rennens nicht, hat er uns im Interview verraten.

Von > | 11. September 2017 | Aus: SZENE

Timo Bracht startet dieses Jahr noch beim Ironman Italien, daher hat der Eberbacher beim Laufen etwas ein paar Körner zurückbehalten.

Timo Bracht startet dieses Jahr noch beim Ironman Italien, daher hat der Eberbacher beim Laufen etwas ein paar Körner zurückbehalten.

Foto >Getty Images for IRONMAN

Timo Bracht, Platz acht beim Ironman 70.3 Rügen. Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?
Ich denke, dass Platz acht meine Leistung nicht widerspiegelt. Mit den gleichen Werten auf dem Rad und ähnlicher Laufgeschwindigkeit bin ich letztes Jahr noch Vierter und vorletztes Jahr Dritter geworden. Dieses Jahr war das Feld einfach sehr dicht beieinander. Ich habe das Rennen solide durchgezogen und hinten raus beim Laufen nicht alles investiert, immerhin steht übernächstes Wochenende schon der Ironman Italien auf dem Plan. Das Rennen war aber deutlich mehr für mich, immerhin war es meine letzte Mitteldistanz. Mit der Distanz verbinde ich ja sowieso eine gewisse Hassliebe. Zum einen tut sie richtig weh, zum anderen führt sie einen aber gut in Richtung Langdistanz.

Konntest du während des Rennens ausblenden, dass es für dich das letzte Rennen auf deutschem Boden sein wird?
Das konnte ich komplett ausblenden, auch weil das Rennen sehr unruhig und ereignisreich war. Beim Schwimmen konnte ich gut dranbleiben, aber die ersten 20 Minuten auf dem Rad waren richtig hektisch und schnell. Erst danach wurde es etwas gleichmäßiger und ich konnte mein eigenes Pacing machen. In der zweiten Wechselzone habe ich dann den Schnürsenkel meines rechten Schuhs nicht zubekommen. Nach gefühlten 300 Rennen in meiner Karriere ist mir das also auch noch einmal passiert und ich musste zusehen wie ein Athlet nach dem anderen an mir vorblief. Danach bin ich relativ allein gelaufen und habe erst auf den letzten 30 Metern im Zielkanal daran gedacht, dass es das letzte Rennen in Deutschland ist. Ich muss aber sagen, dass es ein Gefühl der Zufriedenheit war, weniger der Demut.

Welche Schlüsse konntest du in Hinblick auf den Ironman Italien in zwei Wochen ziehen?
Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Auf der einen Seite könnte ich sagen: „Läuft schon, ein Rennen noch, dann Party!“ Auf der anderen Seite habe ich immer noch den analytischen Blick und konnte einige Erkenntnisse mitnehmen. Beim Schwimmen muss ich an meiner Geschwindigkeit beim Anschwimmen arbeiten, für das Radfahren ist es wichtig, dass ich im unteren Rücken beweglicher werde um die 180 Kilometer noch entspannter fahren zu können. Ich bin jemand, der an gutes Training glaubt und habe auf jeden Fall noch zwei bis drei Schlüsseleinheiten geplant und möchte auch noch eine längere Radeinheit absolvieren.