Prosit Neujahr!

Der 1. November markiert traditionell den Saisonstart für viele Triathleten. In diesem Jahr reihe ich mich ein mit meinen guten Vorsätzen.

Von > | 1. November 2016 | Aus: SZENE

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Schon vor 20 Jahren galt der 1. November als der inoffizielle Start einer jeden Triathlonsaison. Schwer fielen sie stets, die ersten Kilometer einer neuen langen Reise, die mit den ersten Schritten eines neblig-grauen Novembervorabends begann. Schwer war auch ich damals meistens zu diesem Datum - nach sechs, acht Wochen der Zügellosigkeit, der Ernährungsplanlosigkeit und des kulinarischen Belohnens für die letzte Saison.

Dieses Mal ist das alles ganz anders. Den guten Vorsatz, gewichtsoptimiert in die neue Saison zu starten, habe ich in den letzten Monaten bereits umgesetzt. Auch in Sachen Rumpfstabi und Athletiktraining war ich einigermaßen aktiv. Nur mein Grundlagentraining erlebte einen heftigen Niederschlag. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, heute genau vor zwei Wochen.

Polleralarm!

Ich verrate nicht, ob es am frühen Morgen oder am späten Abend war, als ich im Training brutal niedergeschlagen wurde. Im Baumschatten einer Straßenlaterne lauerte der Bösewicht. Wochen-, wenn nicht gar monate- oder sogar jahrelang hat er dort auf seine Chance gewartet, in diesem Moment war es so weit. Ich weiß nur noch, wie mir beim Laufen brutal die Füße weggezogen wurden und wie ich mich plötzlich am Boden vor Schmerzen krümmte. Wie ich langsam wieder zu mir kam und mich mühsam aufrappelte, um einen ersten Systemcheck zu machen: Gebrochen war wohl nichts. Aber geprellt, das merkte ich sofort. Und noch ein Check: Zum Glück hat das gerade keiner gesehen!

Die guten Vorsätze

Da stand ich also wieder neben diesem kniehohen Betonpoller, über den ich soeben gestolpert war und der mich nun irgendwie blöde angrinste. Ich humpelte nach Hause und fasste gleich zwei gute Vorsätze für mein Comeback, die neue Triathlonsaison, die ja erst in zwei Wochen wieder beginnen sollte. Erstens: Ich kaufe mir eine Stirnlampe. Zweitens: Im Dunkeln und bei außergewöhnlichen Trainingseinheiten kommt das Handy zukünftig mit. Diese guten Vorsätze stehen auf einer langen Liste von Dingen, die ich in der neuen Triathlonsaison umsetzen werde. Und da man gute Vorsätze ja bekanntlich für sich behalten sollte, sind es (für heute) auch die einzigen, die ich hier verrate.

Heute ist der 1. November, meine Bestandsaufnahme zu diesem Zeitpunkt war etwas anders geplant, fällt nun aber so aus: Das Radfahren auf der Rolle ist völlig schmerzfrei möglich, das Laufen ist auch ganz ok. Und bald werde ich auch wieder schwimmen können – man muss die Dinge ja bei allen guten Vorsätzen nicht überstürzen. Und ich bin um die sicher nicht ganz neue Erkenntnis reicher: So laufen sie eben, die Trainingsjahre von uns Triathleten. Soeben noch fix unterwegs, können sich die Dinge so schnell ändern. Die Kunst des Wiederaufstehens ist die Kunst, seine Ziele im Triathlon zu erreichen. Hat nicht Jan Frodeno seine letzte Saison mit einer Wadenverletztung begonnen, um am Ende des Jahres den Weltmeistertitel auf Hawaii zu verteidigen?

Das Triathlonjahr 2017 beginnt heute. Es hat keine 365 Tage, sondern nur 285. Wir sehen uns an der Startlinie des Ironman Hamburg am 13. August 2017. Ich freue mich darauf!