Raelert rast in Schottland zum Sieg

Andreas Raelert hat nachgewiesen, dass mit ihm weiterhin zu rechnen ist. Beim Ironman 70.3 Edinburgh stürmte der Rostocker mit offensiver und überlegenen Radleistung zum Sieg.

Von > | 2. Juli 2017 | Aus: SZENE

Andreas Raelert (Archivbild)

Andreas Raelert (Archivbild)

Foto >José Luis Hourcade

Sein Weg zum Ironman Hawaii wird ein außerordentlich schwieriger bleiben. Doch immerhin hat Andreas Raelert ein Lebenszeichen gesendet - und sich damit vermutlich auch selbst wieder Mut gemacht. Beim Ironman 70.3 Edinburgh dominierte der Rostocker das Rennen, obwohl der Auftakt des Wettkampf für ihn nicht optimal gelaufen war.

Raelert setzt früh auf Offensive

Beim Schwimmen verlor Raelert als Neunter nämlich rund 45 Sekunden auf eine fünf Mann große Spitzengruppe um Martin Bader (AUT) und David McNamee (GBR) und konnte hinterher froh sein, dass die Auftaktdisziplin wegen schwieriger äußerer Bedingungen mit starkem Wind und kaltem Wasser auf 950 Meter verkürzt worden war. Sonst wäre der Abstand zur Spitze vermutlich noch größer ausgefallen. So aber glückte Raelert binnen weniger Radkilometer der Anschluss an die Spitze - und sogar noch mehr. Der 40-Jährige setzte in Schottland in der zweiten Disziplin früh auf Offensive und sich prompt von den Verfolgern ab. Nach 30 Rennkilometern lag er als einsamer Spitzenreiter bereits rund zwei Minuten vor einer acht Mann starken Verfolgergruppe, wogegen Raelerts potenziell ärgster Konkurrent David McNamee das Rennen nach einem Platten aufgab. Der ebenfalls gemeldete Kurzdistanzspezialist Javier Gomez (ESP) war gar nicht erst nicht an den Start gegangen.

Auf den übrigen 60 Radkilometern baute Raelert diesen Vorsprung nicht mehr derart dramatisch schnell aus, aber doch konsequent und signifikant. Rund 5:20 Minuten trennten den in Führung liegenden Routinier beim zweiten Wechsel vom Australier Lachlan Kerin, und sogar beinahe sechs Minuten von der Verfolgergruppe Martin Bader und Alessandro Degasperi (ITA), die die Radstrecke überwiegend gemeinsam absolviert hatte.

Raelert bleibt zum Siegen verdammt

Andreas Raelert auf einem Halbmarathon sechs Minuten abzunehmen ist ohnehin schon beinahe ein Ding der Unmöglichkeit - und noch mehr, wenn der Rostocker nach dem offensiven Radpart gleich auf dem Gaspedal bleibt. Denn statt sich zurückzulehnen und seinen Vorsprung zu verwalten, baute Raelert sein Polster auf den ersten Laufkilometern sogar noch aus und führte nach sieben Kilometern bereits sechseinhalb Minuten vor den nächsten Verfolgern Alessandro Degasperi und Martin Bader. Wenige Kilometer später hatte sich der Franzose Yvan Jarrige auf den zweiten Rang geschoben, Raelerts Vorsprung war nun aber sogar schon auf 7:15 Minuten gewachsen. Letztlich gewann der Routinier in 3:55:21 Stunden rund sieben Minuten vor Alessandro Degasperi und Yvan Jarrige.

Durch seinen Sieg und damit verbundene 750 Kona-Punkte kommt Raelert im "Kona Pro Ranking", über das die Hawaii-Startplätze an Profis vergeben werden, nun auf 910 Punkte. Profis rechnen damit, dass für die Qualifikation zum Ironman Hawaii rund 3.500 Punkte nötig sein werden. Raelert kann noch ein weiteres Ironman-70.3-Rennen in die Wertung einbringen, wobei in den Mitteldistanzrennen bis zum Cut-Off am 20. August für den Sieger jeweils 500 oder 750 (Letzteres aber bei keinem europäischen Rennen) Punkte winken. Durch einen Ironman-Sieg bis inklusive zum 20. August könnte Raelert sein Punktekonto zudem um bis zu weitere 2.000 Punkte aufstocken. Ausrutscher darf sich der 40-Jährige für eine Hawaii-Teilnahme 2017 also trotz seines Siegs in Schottland nicht mehr leisten.

Ironman 70.3 Edinburgh 2017

  1. Juli 2017, Edinburgh (GBR)

Name

Nation

Gesamt

950 m Swim

90 km Bike

21 km Run

1

Andreas Raelert

GER

3:55:21

13:53

2:22:18

1:15:11

2

Alessandro Degasperi

ITA

4:02:15

14:13

2:27:41

1:16:08

3

Yvan Jarrige

FRA

4:02:58

13:46

2:28:34

1:16:50

4

Elliot Smales

GBR

4:04:35

13:08

2:29:13

1:18:08

5

Fraser Cartmell

GBR

4:06:42

13:40

2:28:23

1:20:32

6

Martin Bader

AUT

4:07:20

13:10

2:28:37

1:21:15

7

Colin Norris

GBR

4:08:07

14:43

2:33:44

1:15:06

8

Henry Irvine

GBR

4:09:10

17:24

2:28:02

1:19:26

9

Lachlan Kerin

AUS

4:09:41

14:09

2:26:42

1:24:08

10

Albert Moreno

ESP

4:11:23

15:31

2:33:12

1:18:11

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Pallant baut aufs Laufen

Was Raelert auf Männerseite zum Vorteil kam, dürfte Sarah True (USA) geärgert haben: Die US-amerikanische Kurzdistanzspezialistin ist eine exzellente Schwimmerin und erarbeitete sich auf den 950 Auftaktmetern 1:45 Minute Vorsprung auf Alice Hector und sogar 2:30 Minuten auf Emma Pallant (beide GBR) - und auf regulärer doppelt so langer Schwimmstrecke wären dieser Unterschied wohl noch gewaltiger ausgefallen. So aber wurde True vergleichsweise früh gestellt. Nach etwa 50 Radkilometern musste sie die Führungsposition an das britische Duo Lucy Gossage und Emma Pallant abgeben, die bis zum zweiten Wechsel gemeinsame Sache machten und die US-Amerikanerin um drei Minuten distanzierten. Auf dem abschließenden Halbmarathon löste sich Pallant prompt von Gossage und lief zum ungefährdeten Sieg drei Minuten vor ihrer Landsfrau. True verteidigte achteinhalb Minuten hinter Siegerin Pallant souverän den dritten Rang.