Reed schlägt Kienle im Weltmeisterschafts-Krimi

Spannender hätte man diese Weltmeisterschafts-Entscheidung nicht planen können: Der Australier Tim Reed hat den zweimaligen Ironman-70.3-Weltmeister Sebastian Kienle in Mooloolaba um nur wenige Sekunden besiegt. Dabei hatte der den Australier beinahe schon gebrochen - war sich seiner Sache dann aber zu sicher.

Von > | 4. September 2016 | Aus: SZENE

Tim Reed | Tim Reed ist Ironman-70.3-Weltmeister.

Tim Reed ist Ironman-70.3-Weltmeister.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Fünf Kilometer vor dem Ziel schien Sebastian Kienle seinen australischen Konkurrenten gebrochen zu haben, doch dann stand Timothy "Tim" Reed noch einmal auf - zum vierten Mal an diesem Tag, wie er im Anschluss erklärte. So oft habe Kienle den Australier mindestens schon geknackt gehabt, sagte Reed, doch das Publikum und der Traum von einem Weltmeisterschafts-Sieg in der Heimat ließen den 31-Jährigen immer wieder aufleben und weiterkämpfen. Über 110 Rennkilometer hatten Kienle und Reed sich nichts geschenkt, und nun, da diese beiden den WM-Titel auf den letzten Metern vor Augen hatten, wollte er einfach nicht aufgeben.

Große Spitzengruppe auf dem Rad

Nur beim Schwimmen hatten Kienle und Reed sich einmal vorübergehend aus den Augen verloren: Während der Australier Josh Amberger sich dort vom übrigen Feld absetzte, verlor Kienle rund eineinhalb Minuten auf eine große Gruppe, zu der auch Andreas Dreitz und eben Tim Reed gehörten. Diese Rückstand hatte der Deutsche aber schnell egalisiert, und so bildete sich auf dem Rad bald eine 23 Mann große Spitzengruppe, in der mit Ausnahme des Kanadiers Lionel Sanders alle Favoriten vertreten waren. Der konnte, obwohl als sehr starker Radfahrer bekannt, bis zum zweiten Wechsel keinen Boden auf die Spitzenleute gutmachen - was wohl belegt, dass sich die Führenden nicht schonten.

Speziell die Deutschen um Andreas Dreitz, Maurice Clavel und Sebastian Kienle starteten einige Ausreißversuche, doch konnten sich nicht entscheidend lösen. Stattdessen entwickelte sich ein Ausscheidungsrennen, bei dem es mitunter wohl zumindest grenzwertig zuging. "Ich hätte mir da manchmal etwas schärfere Regelauslegung der Kampfrichter gewünscht", sagte Andreas Dreitz im Ziel. So aber ereichte eine große Spitzengruppe geschlossen den zweiten Wechsel. Es sollte also eine Laufentscheidung um die Ironman-70.3-Weltmeisterschaften geben.

Kienle löst sich, Reed kommt zurück

Beim Laufen waren es sofort Tim Reed und der etwas langsamer gewechselte Sebastian Kienle, die das Heft des Handelns in die Hand nahmen und sich an die Spitze setzten. Rund 15 Kilometer absolvierte das Duo oft Schulter an Schulter, während Reed noch überlegte, "wie cool das ist, hier gerade zusammen mit Sebastian Kienle zu laufen", erzählte er. Selten ließ einer der beiden den anderen einmal um mehr als zwei, drei Meter ziehen - und dann schien Kienle das Rennen doch für sich zu entscheiden. Der Deutsche setzte sich auf der zweiten Hälfte des Halbmarathons um über 10 Meter von seinem australischen Konkurrenten ab. Doch als der Vorsprung des Deutschen nicht mehr wuchs, schnupperte Reed noch einmal Morgenluft und kam zurück. "Ich habe mich gut gefühlt und dadurch vielleicht zu sicher", sagte Kienle später. "Wahrscheinlich hat mich genau das den Sieg gekostet." Und so setzte rund einen Kilometer vor dem Ziel plötzlich Reed die entscheidende Tempoverschärfung, die ihm zehn Meter auf Kienle sicherten - und die er bis ins Ziel verteidigte. Erst rund 20 Meter vor dem Ziel konnte sich Reed in dieser engen Entscheidung daher seines Sieges sicher sein und präsentierte sich im Ziel überglücklich.

"Ich habe 15 Jahre lang hierauf hingearbeitet. Es ist unglaublich, dass dieser Traum vom Weltmeistertitel nun wahr wird - und das auch noch auf heimischem Boden", sagte Reed. Sebastian Kienle sackte unmittelbar nach dem Zieleinlauf erschöpft zusammen und konnte seine Enttäuschung über den knapp verpassten dritten WM-Titel kaum verbergen. Dritter wurde mit 25 Sekunden Rückstand der Schweizer Ruedi Wild, der auf den ersten Laufmetern etwas auf Kienle und Reed verloren hatte, im Anschluss aber wieder näher und näher an das Spitzenduo heranrückte. Maurice Clavel sicherte sich als zweitbester Deutscher den guten achten Rang vor Lionel Sanders, Andreas Dreitz war mit seinem elften Platz nicht zufrieden.

Ironman 70.3 World Championships | Männer

  1. September 2016, Mooloolaba (Australien)

Platz

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Timothy Reed

AUS

3:44:14

22:53

2:06:12

1:11:03

2

Sebastian Kienle

GER

3:44:16

24:14

2:04:45

1:11:18

3

Ruedi Wild

SUI

3:44:40

22:47

2:06:28

1:11:07

4

Terenzo Bozzone

NZL

3:45:52

22:44

2:06:20

1:12:44

5

Sam Appleton

AUS

3:46:02

22:40

2:06:23

1:12:51

6

Nicholas Kastelein

AUS

3:46:21

22:43

2:06:41

1:12:46

7

Tim Don

GBR

3:46:32

22:51

2:06:37

1:12:57

8

Maurice Clavel

GER

3:46:47

22:53

2:06:18

1:13:39

9

Lionel Sanders

CAN

3:47:14

25:41

2:06:42

1:10:34

10

Craig Alexander

AUS

3:47:28

22:49

2:06:39

1:14:03

11

Andreas Dreitz

GER

3:48:16

23:20

2:06:36

1:15:18

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