Roth zwischen Siegträumen und Rekordplänen

Das Drehbuch stimmt: Ein emotionaler Siegeskampf bei den Männern und eine Rekordhatz bei den Frauen soll es 2017 in Roth geben. Können die Akteure auch liefern?

Von > | 5. Juli 2017 | Aus: SZENE

Daniela Ryf

Daniela Ryf

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Müsste man einen Sieger im Duell um Aufmerksamkeit zwischen den in diesem Jahr parallel ausgetragenen Ironman Frankfurt und Challenge Roth benennen, es wäre objektiv eigentlich nicht möglich, denn was die Profifelder angeht, haben beide Veranstalter ihre Hausaufgaben gemacht. Während Ironman mit den starken Deutschen Sebastian Kienle, Andreas Böcherer und Patrick Lange in der breiteren, eben nicht nur triathlonaffinen Öffentlichkeit medial eher punkten dürfte, liefert Roth auch im Jahr 2017, 33 Jahre nach Austragung des ersten „Frankentriathlons“, diese besonderen sportlichen Geschichten, die die Herzen der Triathlonszene schneller schlagen lassen dürften.

Sprengt Clavel das erprobte Duell?

Auf Seiten der Männer ist diese Geschichte fast schon ein Klassiker, denn im Jahr eins nach der großen Jan-Frodeno-Show könnte es um den Sieg einen großen Zweikampf zwischen Timo Bracht und Nils Frommhold geben. Diesen Zweikampf durften die Triathlonfans schon 2014 und 2015 erleben: 2014 triumphierte Bracht vor Frommhold, 2015 war die Reihenfolge auf den obersten beiden Treppchen dann umgekehrt – und auch 2017 wird es nicht langweilig werden, denn dafür, dass dieses Duell eine besondere Geschichte beinhaltet, hat Timo Bracht gesorgt. Knapp zwei Wochen vor seinem 42. Geburtstag und 17 Jahre, nachdem er in Roth (damals noch unter Ironman-Label) seine erste Langdistanz bestritt, tritt der Eberbacher mit dem Challenge-Rennen als Profi von der ganz großen Triathlon-Bühne ab.

Schöner als mit einem Sieg ginge das wohl kaum. Nur: leicht wird das nicht. Und das liegt nicht nur an Nils Frommhold, der seit dem vergangenen Herbst auf Laura Philipps Coach Philipp Seipp vertraut und in diesem Jahr bereits mehrfach seine tolle Verfassung nachgewiesen hat, der im Vorfeld aber auch erklärte, dass sein gedanklicher Fokus in diesem Jahr auf Hawaii liege und nicht auf Roth. Nein, da ist auch noch ein anderer junger und wilder Freiburger: Der selbsternannte „Krawallmacher“ Maurice Clavel, der ein exzellenter Schwimmer ist und unter Führung seines Trainers Lubos Bilek in den vergangenen Jahren immer wieder auf der Mitteldistanz Ausrufezeichen setzen konnte, wird in Roth seine Premiere über die Langdistanz geben. Und auch aus internationaler Sicht ist etwas geboten: Speziell den Briten Joe Skipper, der im vergangenen Jahr hinter Jan Frodeno und vor Nils Frommhold Zweiter wurde, dürften die Deutschen auf der Rechnung haben. In guter Verfassung gehört aber auch der Belgier Bart Aernouts zu den Siegfavoriten, ebenso wie Terenzo Bozzone (NZL), hinter dessen Laufform nach dreiwöchiger Zwangslaufpause allerdings ein Fragezeichen steht. Brad Kahlefeldt (AUS), Dougal Allan (NZL), Per Bittner, Fabian Rahn, Christian Brader, Matthias Knossalla, Roman Deisnehofer, Sebastian Neef, Henry Beck, Sean Donnelly, Till Schramm, Markus Hoermann und Marcus Wöllner haben ebenfalls für das Rennen gemeldet und könnten um vordere Platzierungen mitkämpfen.

Ryfs Rekordjagd

Auf Frauenseite wartet das Challenge-Team im ersten Jahr mit neuer Laufstrecke mit einem anderen großen Spannungsbogen auf, der den Spitzensport in Roth seit Jahren prägt: die Rekordjagd. Im Fokus steht dabei die amtierende Ironman-Weltmeisterin Daniela Ryf, die im vergangenen Jahr in 8:22:04 Stunden bereits einmal in Richtung der Langdistanz-Weltbestzeit der Britin Chrissie Wellington (8:18:13 Stunden) schielte. Wie es um Ryfs Form bestellt ist, bleibt aber wohl bis zum Startschuss ihr Geheimnis, denn die Schweizerin, die derzeit in St. Moritz in der Höhe trainiert, hatte in den vergangenen Monaten mit Rückenproblemen zu kämpfen. Das Challenge-Team scheint aber zuversichtlich: Sie haben Weltbestzeit-Inhaberin Wellington schon einmal vorsorglich einfliegen lassen, damit sie ihre mögliche Nachfolgerin als schnellste Langdistanz-Triathletin der Welt als eine der ersten beglückwünschen kann.

Sollte Ryfs Redkordjagd misslingen, könnte plötzlich die Stunde einer Frau schlagen, die in Roth beinahe schon zum Inventar gehört: Yvonne van Vlerken bezeichnet die Challenge Roth selbst als ihr „Lieblingsrennen“ – und das, wo die Niederländerin schon ganz schön rumgekommen ist. Wie weit, lassen diese Jahreszahlen erahnen: Schon 2007, 2008 und zuletzt 2015 hatte sie den Wettkampf gewonnen, und insgeheim dürfte sie davon träumen, das mit 38 Jahren im Frühherbst ihrer Karriere auch noch ein viertes Mal zu schaffen. Dafür müsste sie neben Ryf aber auch noch einige andere internationale Konkurrentinnen neben sich lassen. Die Britin Laura Siddall und die Kanadierin Heather Wurtele dürften ihre ärgsten Konkurrentin sein, zudem haben unter anderem Lisa Roberts (USA) und Annah Watkinson (RSA) gemeldet.