Ryf gewinnt überlegen, starke Philipp wird Dritte

Daniela Ryf hat ihren Weltmeistertitel zurück. In Tennessee dominierte sie das sportliche Geschehen trotz eines frühen Missgeschicks. Laura Philipp erkämpfte einen Podestplatz.

Von > | 9. September 2017 | Aus: SZENE

Daniela Ryf ist Ironman-70.3-Weltmeisterin.

Daniela Ryf ist Ironman-70.3-Weltmeisterin.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Im Ziel angekommen, ließ Daniela Ryf die Sonnenbrille aufgesetzt. Doch verstecken konnte sie trotzdem nicht, dass ihr dieser Erfolg in Chattanooga eine ganze Menge bedeutete. Auch ohne ihre Augen sehen zu können, offenbarte ihre Stimme in einem kurzen Zielinterview am Mikrofon das Streckensprechers, dass die Schweizerin mit den Tränen kämpfte. "Es war ein schwieriges Jahr für mich. Die Verletzung in der ersten Saisonhälfte hat mir zu schaffen gemacht", erklärte sie dazu wenige Minuten später im Zielbereich. Es war auch für die nun dreimalige Ironman-70.3-Weltmeisterin - die jetzt die Titel-Rekordhalterin auf dieser Distanz ist - keine Selbstverständlichkeit, wieder zu gewinnen. Auch wenn es für andere oft so wirken mag.

Ryf im Schwimmen verbessert

Speziell im Schwimmen sah Ryf sich heute selbst wieder deutlich verbessert gegenüber ihren letzten Rennen. Sie stieg rund 1:10 Minute hinter einer US-Dreiergruppe aus Lauren Brandon, Haley Chura und Sarah True aus dem Tennessee River - aber eine Minute vor Titelverteidigerin Holly Lawrence (GBR), von der erwartet worden war, dass sie zu Beginn des Rennens das Tempo an der Spitze bestimmen würde. Zudem verlor auch eine andere Herausfordererin Ryfs, Laura Philipp, rund drei Minuten auf die Schweizerin.

Auf dem Rad machten diese beiden - Philipp und Ryf - dann sofort ernst. Ryf nutzte den frühen, steilen und langgezogenen Anstieg, um die drei Ausreißer nicht nur einzufangen, sondern sie deutlich abzuhängen und an der Spitze ihr ganz eigenes Rennen zu gestalten. Philipp kletterte die ersten 15 Kilometer am zweitschnellsten nach oben und machte somit viel Boden auf die Frauen vor ihr gut. Auf den flacheren Passagen im Anschluss holte sie dann zwar langsamer auf. Trotzdem fing Philipp zusammen unter anderem mit Emma Pallant (GBR) nach rund 60 Kilometern die erste Verfolgergruppe Ryfs ein, sodass sich eine etwa zehn Frauen große Verfolgergruppe zusammenfand  - in der sich Philipp sogleich um die Führungsarbeit bemüht machte. Dennoch betrug Ryfs Vorsprung auf diese Gruppe beim zweiten Wechsel fast neun Minuten. Titelverteidigerin Holly Lawrence gehörte nicht einmal mehr zu den Verfolgern, weil sie das Rennen auf dem Rad vorzeitig aufgegeben hatte. "Ich habe es heute einfach nicht in mir", erklärte sie erschöpft und enttäuscht.

Laura Philipp freut sich über WM-Bronze.

Laura Philipp freut sich über WM-Bronze.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Pallant attackiert Philipp am Berg

So wirkte der Sieg für Ryf bereits sicher. Für alle, außer für sie selbst. Denn die Schweizerin hatte auf dem Rad frühzeitig ihre Verpflegung verloren, und das Angebot an der Strecke war für ihr Gefühl nicht energiehaltig genug. Deshalb machte sie sich Gedanken, ob ihr Tank bis zum Schluss reichen würde - gab auf dem schwierigen Kurs mit rund 300 Höhenmetern aber trotzdem von Beginn an Vollgas.

Am Ende reichte es deutlich zum Sieg: Fast sieben Minuten trennten sie am Ende vom zweiten Rang, um den sich die Britin Pallant und Laura Philipp stritten. Beide liefen die ersten sechs Kilometer gemeinsam, ehe der erste lange Berg folgte und Pallant die Intensität anzog. Mit Erfolg. Sie löste sich innerhalb der folgenden eineinhalb sehr profilierten Kilometer um über 100 Meter von Philipp und verwaltete ihren zweiten Rang vor der Deutschen, die sich über ihre erste Podestplatzierung bei einer Weltmeisterschaft überglücklich zeigte. "Das hatte ich nicht erwartet. Unglaublich!", sagte sie im Ziel.

Ironman 70.3 World Championship 2017

  1. September 2017, Chattanooga (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Daniela Ryf

SUI

4:11:59

26:26

2:20:21

1:22:06

2

Emma Pallant

GBR

4:18:36

27:53

2:28:01

1:19:52

3

Laura Philipp

GER

4:19:40

29:47

2:25:46

1:21:17

4

Sarah True

USA

4:21:40

25:38

2:30:16

1:22:46

5

Helle Frederiksen

DEN

4:22:12

26:23

2:29:07

1:23:42

6

Annabel Luxford

AUS

4:24:04

26:35

2:28:53

1:25:39

7

Heather Wurtele

CAN

4:25:39

27:52

2:27:34

1:27:01

8

Jeanni Seymour

RSA

4:26:30

27:40

2:28:21

1:27:43

9

Haley Chura

USA

4:27:00

25:35

2:31:55

1:26:21

10

Melissa Hauschildt

AUS

4:27:36

30:22

2:28:22

1:25:33

19

Astrid Stienen

GER

4:37:21

31:07

2:36:43

1:26:02

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