Seines Glückes Schmied

Die Aufschreie sind immer wieder laut: gegen den Rolling Start, gegen zu große Startfelder und gegen das Windschattenfahren. Und überhaupt ist Triathlon nicht mehr das, was es vor zehn Jahren noch war. Diese Schreie sind zwar nicht unbegründet, aber unnötig – denn wir sind unseres Glückes Schmied. Ein Gedankengang von Niclas Bock.

Von > | 24. Oktober 2016 | Aus: Szene

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Beim Ironman Frankfurt wurde der Start in diesem Jahr erstmals als Rolling Start durchgeführt.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Zur Situation: Vor ein paar Tagen bekam ich eine E-Mail von Ironman. „Noch drei Tage bis zur Preiserhöhung“, hieß es sinngemäß in der Betreffzeile. Bisher hatte ich die Entscheidung, ob ich mich nun beim Ironman Hamburg anmelde oder eben nicht, vor mir hergeschoben. Es spricht einiges dagegen: Bei den Agegroupern wird es einen Rolling Start geben. Das mag ich eigentlich nicht, denn ich will den direkten Kampf gegen meine Mitstreiter und ich will wissen, auf welchem Platz ich im Rennen liege. Für den Startplatz soll ich 560 Euro auf den Tresen blättern, für mich eine Stange Geld. Ist es mir das wert? Befeuert wurden meine Bedenken von den schier endlosen Diskussionen um die Windschattenproblematik. Auf Windschattenfahrerei habe ich so gar keinen Bock und in den Rennen, wo ich es selbst erlebt habe, bin ich mehr als einmal ausfällig geworden. Ich gerate ins Hadern mit mir selbst, denn die 226 Rennkilometer in Hamburg werden sicher gigantisch. Tolle Strecken in der Stadt, fanatisches Publikum und irgendwie habe ich Bock drauf, meinen Namen vom Streckenrand zu hören und angefeuert zu werden. Es brennt mir unter den Nägeln, aber warum kann ich mich nicht zur Anmeldung durchringen?

Kurze Zeit später sitze ich im Auto und denke nach. Worüber beschweren wir uns eigentlich immer? Die Startgebühren sind hoch – das ist mittlerweile wirklich keine Überraschung mehr. Die Startfelder sind vollgestopft bis oben hin – doof, aber auch nichts Neues. Windschattenfahren auf der Radstrecke? Traurig, aber die Realität. Worauf ich hinaus will ist, dass wir doch schon vorher wissen, worauf wir uns einlassen. Wir kaufen nicht die Katze im Sack! Und nun das Paradoxe: Es gibt ja auch noch Rennen, da ist das alles (noch) nicht so (schlimm). Es gibt Rennen, die sind günstiger, haben kleinere Startfelder, weniger Windschattenprobleme. Wieso melde ich mich also bei Wettkämpfen an, wenn ich schon vorher weiß, dass sie teuer sind? Dass es einen Rolling Start gibt? Ich mich nachher darüber aufrege, dass wieder mal so viel gelutscht wurde? Es gibt eigentlich nur zwei Optionen: Ich melde mich an, darf mich dann aber auch nicht aufregen. Oder ich suche mir ein anderes Rennen, wo ich den Problemen aus dem Weg gehen kann und mich gar nicht erst aufregen muss. Vielleicht gibt es auch noch eine dritte Option? Ich bin auf eure Sichtweisen gespannt.

Und wie habe ich mich nun entschieden? Für Hamburg. Ich will das Spektakel erleben und bei der Premiere dabei sein, das ist mir das Startgeld wert. Rolling Start? Mir doch wurscht. Windschattenfahren? Sollen sie halt, ich fahre vorn. Sobald ich in die Alster springe gebe ich alles, bis ich auf dem Rathaus Markt ins Ziel laufe. Ich habe Bock drauf und bin seit gestern in der Startliste. Und ich weiß worauf ich mich eingelassen habe. Denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Bis in Kürze, euer Bocki