Trainingslager: Moin moin statt Mallorca

Außergewöhnliche Ziele bedürfen außergewöhnlicher Maßnahmen. Unser Herausgeber Frank Wechsel steht in drei Wochen beim Ironman Hamburg am Start – und trainiert derzeit in untypischer Umgebung.

Von > | 22. Juli 2017 | Aus: SZENE

Überraschende Begegnung in den Wiesen: Frank trifft eine ganz besondere Radfahrerin ...

Überraschende Begegnung in den Wiesen: Frank trifft eine ganz besondere Radfahrerin ...

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Als im vergangenen September der Termin für den Ironman Hamburg 2017 verkündet wurde, war die Freude groß bei mir: Ja, ich werde zum ersten Mal nach 19 Jahren wieder an der Startlinie einer Langdistanz stehen. Aber ich hatte auch ein Problem: Das Rennen am 13. August liegt eher am Ende der Hamburger Sommerferien. Die Zeit nach dem Event: familientechnisch zu knapp für einen ordentlichen Urlaub. Die Zeit davor: trainingstechnisch zu wertvoll, um sie nur am Strand zu verbringen. Was also tun? Der Kompromiss war schnell gefunden: Föhr!

Silvesterlauf, Neujahrsschwimmen und Tri Islands

Föhr ist wohl die einzige Insel, auf der ich schon öfter war als auf Big Island Hawaii. Und dorthin hat mich mein Beruf seit 1998 immerhin 18-mal geführt, plus meiner eigenen Teilnahme am Ironman 1996, damals, in meinem ersten Sportleben. Schon als Kind habe ich mit meinen Eltern Urlaub auf Föhr gemacht, meine Partnerin hat Verwandtschaft in der „Friesischen Karibik“ und für unsere Kinder ist die Insel ein Paradies. In den letzten Jahren haben wir die eine oder andere ruhige Silvesternacht hier verbracht, inkl. Silvesterlauf am Mittag davor und Neujahrssschwimmen (in der Nordsee, jawohl!) am Mittag danach. Seit zwei Jahren hat sich Föhr zudem auf der Triathlon-Deutschlandkarte etabliert, als Zentrum der Red Bull Tri Island, die mit dem 2,5-Kilometer-Schwimmen (Luftlinie!) von Amrum hierher beginnen, dann zwei Radrunden (40 Kilometer) durch die grüne Ebene der Insel beinhalten und für diejenigen, die rechtzeitig in der zweiten Wechselzone ankommen, mit einer Speedboatfahrt nach Sylt und dem dortigen 11-Kilometer-Lauf enden (dieses Jahr startet das Rennen am 9. September).

Föhr hat Langdistanz-Tradition

Und so hat sich Föhr als einziger Ort auf dieser Welt herauskristallisiert, an dem sich für mich Familienurlaub und Trainingslager verbinden lassen (wenn man mal vom fehlenden Sportpool auf der Insel absieht – hier müssen Nordsee oder ein Abstecher aufs Festland ausreichen). Und es gab noch einen weiteren Grund für diese Entscheidung: Dass man eine Langdistanz-Vorbereitung auch erfolgreich auf Föhr absolvieren kann, haben wir bereits im Jahr 2003 bewiesen. Damals haben wir in jeder Ausgabe unserer Zeitschrift triathlon zwei Langdistanz-Rookies durch das Jahr begleitet, die am Ende erfolgreich bei der Challenge Roth gefinisht haben. Aus unserem Casting waren damals ein Koch aus Hessen und eine Polsterin von der Nordseeinsel Föhr als Sieger hervorgegangen: Frauke.

Wind statt Höhenmeter

Am Donnerstag sagte ich also "Moin moin, Föhr", seitdem trainiere ich in der Nordsee, mitten im Nationalpark Wattenmeer, auf der grünen Insel, in der „Friesischen Karibik“. Die erste Einheit: Vier Stunden Rad, mit verschiedenen Intensitätsaufgaben. Wo die softwarebereinigten 159 Höhenmeter auf den 140 Kilometern hergekommen sein sollen, weiß ich nicht. Aber den Wind, den habe ich kennengelernt. Das Beruhigende ist: Er kommt hier nie länger als zwölf Kilometer von vorn. Spätestens dann ist die Insel nämlich zu Ende.

Das Highlight dieser ersten Tour war eine zufällige Begegnung. Nach 17 von den in den nächsten Tagen geplanten 800 Föhr-Kilometern kam mir auf einer Nebenstraße ein Radfahrer entgegen (hier im flachen Schleswig-Holstein sieht man ja schon am Freitag, wenn am Sonntag Besuch kommt – so konnte ich das Gefährt schon von Weitem erkennen). Als wir uns näher kamen, sah ich, dass mein Gegenüber wie ich auf dem Aerolenker unterwegs war. Noch näher, und ich vermutete, dass es sich um eine Frau handelte. Wir fuhren aneinander vorbei und ich bremste abrupt ab, drehte mich um – und rief fragend: „Frauke?“ Die Antwort: „Frank?“ 

Ja, es war tatsächlich Frauke! Der lebende Beweis, dass man sich auf einer zwölf mal acht Kilometer großen Insel erfolgreich auf eine Langdistanz vorbereiten kann. Und so nehme ich es inspiriert in Angriff: mein finales Trainingslager, den Feinschliff für den Ironman Hamburg – nicht auf Mallorca, sondern in Nordfriesland. An diesem Sonntag sind es noch genau drei Wochen bis zum Start ...

Quick Facts: Mallorca vs. Föhr

Mallorca

Föhr

Land

Spanien

Deutschland

Gewässer

Mittelmeer

Nordsee

Inselgruppe

Balearen

Nordfriesische Inseln

Länge

98 km

12,5 km

Breite

78 km

8,5 km

Fläche

3.603 Quadratkilometer

82 Quadratkilometer

Küstenlänge

550 km

36 km

Höchste Erhebung

Puig Major (1445 m)

Geest bei Nieblum (13,2 m)

Nachbarinseln

Ibiza, Menorca, Formentera, Cabrera, Es Vedrà,

die Halligen, Amrum, Sylt

Temperatur im Juli

17–30 °C

14–19 °C

Einwohner

876.147

8.360

Straßennetz

2.091 km

114 km Radwege (nicht alle asphaltiert)

Erreichbarkeit

per Flugzeug von überall

per Schiff von Dagebüll

Hauptort

Palma

Wyk auf Föhr

Sprache

Katalanisch

Friesisch

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