Karrieren in Zeiten sozialer Medien

Till Schenk wundert sich über so manches in den sozialen Medien verkündetes Karriere-Ende und fragt, warum sich Triathleten eigentlich so wichtig nehmen.

Von > | 17. Januar 2017 | Aus: SZENE

Till Schenk

Till Schenk

Foto >Frank Wechsel

Das Triathlonjahr 2017 hat noch nicht richtig begonnen, da erreichen mich beim Durchstöbern der sozialen Medien die ersten Hiobsbotschaften des Jahres. Ein weiterer meiner Bekannten beendet seine Triathlonkarriere. Völlig aus dem Nichts und in der Blüte seines Lebens wurde der Beschluss gefasst: "Das war es!"

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit einem solchen Schicksalsschlag zu kämpfen habe. Habe ich doch gerade erst das zweite Triathlonkarriereende meines Bruders verwunden. Eine bedrückende Nachricht, die ich nur durch die von Weihnachtsgans und Schokolade getriebene Ankündigung eines dritten Comebacks seinerseits überhaupt verarbeiten konnte.

Ich bin nur froh, dass wir dank der sozialen Medien die Chance haben, an solch tiefreichenden Entscheidungen, wie dem wohl durchdachten Ende einer Hobby-Triathlonkarriere, teilzuhaben.

Halt, stop, kurz mal zurückspulen: Triathlonkarriere? Ende als Triathlet? Ende? Karriere? Irgendwas muss ich falsch verstanden haben. Ich dachte immer, Triathlon sei ein Hobby. Ein verdammt geiles Hobby, aber eben ein Hobby. Es sei denn, man heißt Kienle, Frodeno, Bracht, Boecherer, Raelert und so weiter, und so weiter.

Ab wann ist man Triathlet, und wie definiert man Triathlet?

Ich rechne an der Kasse im Supermarkt auch zusammen, ob die Rechnung stimmt. Das macht mich aber noch lange nicht zu einem Mathematiker, und Unkraut jäten vor der Haustüre macht mich noch lange nicht zum Garten- und Landschaftsbauer.

Ich habe noch nie jemanden auf Facebook gesehen, der seine Tenniskarriere offiziell beendet hat, weil er aus dem lokalen Tennisclub ausgetreten ist, oder sein Karriereende als Musiker, weil er keine Lust mehr hat, Klarinette im lokalen Musikverein zu spielen.

Ich halte es mit dem Lieblings-Hashtag von Niklas Bock #NichImmerAllesSoErnstNehmen – sowohl was meine Triathlonkarriere angeht als auch diesen Blog ;-)

Was ich mir für 2017 wünsche, ist mehr Spaß und ein bisschen weniger wie ein Gorilla auf die Brust hauen. Hier sind ein paar Vorschläge für die 2017 Triathlonetikette.

1. Wenn jemand anderes einen Ironman oder anderen Triathlon gemacht hat:

  • Richtige Reaktion: "Cool, wie war es?"
  • Falsche Reaktion: "Cool, wie schnell?"

2. Wenn jemand einen schlechten Tag in einem Rennen hatte:

  • Richtige Reaktion: "Hey, aber trotzdem cool. Beim nächsten Mal läuft es!"
  • Falsche Reaktion: Mitleidsbekundungen, als wäre seine Familie gestorben.

3. Wenn jemand fragt, was Du für ein Rad fährst:

  • Richtige Reaktion: Sag ihm, welches Fahrrad Du fährst.
  • Falsche Reaktion: "Das Ding ist der absolute Hammer! Kostet eigentlich 10.000 Euro, aber ich habe da noch ein bisschen getuned. Ist jetzt locker 11.500 Euro wert."

4. Wenn Du Dich für Hawaii qualifiziert hast und jemand fragt, wie es war:

  • Richtige Reaktion: "Super. Lief echt rund und ich gehe nach Hawaii. Ein Traum!"
  • Falsche Reaktion: "Ah, Schwimmen war echt schwierig, da hat mir schon der Zug gefehlt und auf dem Rad habe ich echt meine Beine nicht gefunden. Dann habe ich auch noch meine Flasche mit der Ernährung verloren und bin die letzten 750 Kilometer von 180 zu fahrenden echt völlig energielos nur noch mit nem 42er-Schnitt dahin gerollt. Beim Laufen ging dann gar nichts bis zum Halbmarathon, danach wurds ein bisschen besser, aber zufrieden kann ich damit echt nicht sein." #DasGiltÜbrigensAuchFürProfisDieRennenGewinnen #Respektlos

5. Und zu guter Letzt: Wenn Du Deine sogenannte Triathlon-Karriere beendest:

  • Richtige Reaktion: Einfach aufhören. Es wird keiner beim nächsten Rennen morgens unter 2.500 Athleten am Start stehen und plötzlich denken: "Scheiße, wo ist denn der Franz? Den habe ich ja gar nicht gesehen. Der wird doch nicht seine Karriere beendet haben?"
  • Falsche Reaktion: Das Hobby eine Karriere nennen und der Welt das Ende der selbigen verkünden.

Da das aber nur Vorschläge und Wünsche sind, die aktuell noch zur Abstimmung stehen, möchte ich mich zum Abschluss des Blogs an die aktuellen Vorgaben halten und nachträglich folgende Karriere-Enden verkünden:

  • 1993: Ende meiner Triathlonkarriere nach Rücktritt als amtierender Vereinsmeister des Tischtennis Clubs Birk
  • 1998: Ende meiner Turnkarriere nach einer beispiellosen Karriere inclusive Bezirksmeister im Mehrkampf
  • Ca. 1994: Ende meiner Fußballkarriere nach dem Grümpelturnier Britzingen
  • 1995: Ende meiner Tenniskarriere
  • 14.1.2017: Ende meiner Karriere als Astronaut und Weltretter, nachdem ich gestern noch Star Wars gesehen habe

So, nun aber genug des Unsinns und ab in den Laufschuh. Schließlich wartet auf viele von uns seine coole, spaßige und spannende Saison 2017. Egal ob Fortsetzung der Karriere oder Comeback! #TriathlonIstGeil