Wenn alles an einer seidenen Sehne hängt

Drei Wochen vor dem großen Rennen schmerzte plötzlich der linke Fuß unseres Redakteurs. Die Diagnose: Entzündung der Peronealsehne. Das Finish steht auf der Kippe, der Start voraussichtlich nicht.

Von > | 7. August 2017 | Aus: SZENE

Das war vor zwei Wochen. Mittlerweile ist Schwimmen und Radfahren schon wieder möglich.

Das war vor zwei Wochen. Mittlerweile ist Schwimmen und Radfahren schon wieder möglich.

Foto >Privat

Zeit ist immer relativ. Zehn Monate, seit 1. November 2016, trainiere ich auf den Ironman Hamburg hin. Eine kilometerreiche, unterhaltsame und lehrreiche Zeit liegt hinter mir. Dafür bin ich dankbar! Ich habe immer gesagt: Was tatsächlich am Renntag passiert, kann ich nicht wirklich beeinflussen. Wichtig ist, dass ich meine Hausaufgaben mache, und dass ich an der Startlinie stehe, lieber etwas weniger fit als in meiner Jahrhundertform. An dieses Versprechen wurde ich nun schmerzlich erinnert. Kurzzeitig musste ich sogar um den Start bangen. Was war geschehen?

Das finale Trainingslager in Hamburg lief vier Wochen vor dem Rennen an. Zweieinhalb Wochen wollte ich nochmal konzentriert und möglichst viel auf der Originalstrecke trainieren. Die ersten vier Tage signalisierten mir bereits ziemlich gute Trainingsleistungen. Doch der fünfte Tag brachte Ärger: Nach dem Radfahren schmerzte plötzlich der linke Fuß. Ich dachte erst, es wäre der Knochen unterhalb des Knöchels. Wenige Tage später diagnostizierte mir mein Orthopäde, dass die Peronealsehne entzündet sei. Maßnahme: Zwangspause, Hoffen, viel Schokolade. Ich habe mich häufig gefragt, wie das passieren konnte. Es gibt keine Erklärung. Ich habe nichts verändert im Training oder beim Material. Ich habe vor dem Block eine Ruhephase eingelegt. Ich habe nicht mehr als sonst auch trainiert. Alles war beim Alten. Manche Dinge passieren einfach.

Eigentlich müsste ich traurig, frustriert und verärgert sein. Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Das hat mehrere Gründe. Zum einen denke ich, dass ich es noch an die Startlinie schaffe. Die Sehne wird zwar nur sehr schleppend besser, aber sie wird besser, auch wenn ich beim Laufen, teilweise beim Gehen, noch Schmerzen habe. Zweitens will ich meine entzündete Sehne nicht überstrapazieren, es gibt schlimmere Schicksale als meins. Und drittens erdet mich die Verletzung wieder. Ein Freund sagte vor kurzem: „Demut ist etwas, ohne das niemand einen Ironman gut schafft.“ Der Höhenflug der letzten zehn Monate ist vorbei. Der Respekt vor der Distanz ist zurück.

Das ist der letzte Blog vor Hamburg. Wenn ich topfit wäre, hätte ich hier wahrscheinlich vor dem Hintergrund der schnellen Zeit in Uelzen eine Prognose verkündet, die weit unter die anvisierten 10 Stunden gelegen hätte. Alles Schall und Rauch. Drei Wochen komplette Lauf- und größtenteils Radpause vor einem Ironman werden das Resultat erheblich beeinflussen. Daher geht’s gedanklich wieder zum Ausgangspunkt dieses Projekts: Ich will am Start stehen. Und ich will das Rennen genießen. Und ich will trotz Einschränkungen mein Bestes geben. Ob die Sehne einen Marathon zulässt? Das wird sich am kommenden Sonntag zeigen.

Was auch immer im Rennen passieren wird: Es war trotzdem ein geiles Jahr! Also, schon jetzt, danke an alle, die mich unterstützt und bisher mitgefiebert haben und am 13. August an der Strecke stehen. Ohne euch wäre es nicht dasselbe.