"Wenn ich das überlebe, hilft es mir für Hawaii"

Daniela Ryf zeigte in Zürich eine herausragende sportliche Leistung und krönte ihren zweiten Langdistanz-Sieg innerhalb einer Woche mit einem neuen Streckenrekord. Wir haben das Schweizer Ausnahmetalent zum Interview getroffen.

Von > | 25. Juli 2016 | Aus: SZENE

Daniela Ryf | Die Schweizerin Daniela Ryf hat derzeit gut lachen: Nach ihren Langdistanz-Siegen in Roth und Zürich gilt die 29-Jährige als Topfavoritin für die Ironman-WM auf Hawaii.

Die Schweizerin Daniela Ryf hat derzeit gut lachen: Nach ihren Langdistanz-Siegen in Roth und Zürich gilt die 29-Jährige als Topfavoritin für die Ironman-WM auf Hawaii.

Foto >Silke Insel / spomedis

Der Doppelschlag von Daniela Ryf fasziniert und erstaunt die Triathlon-Welt. Nur sieben Tage nach ihrem Sieg in Roth gewann die 29-jährige Doppel-Weltmeisterin auch den Ironman in Zürich – in Rekordzeit. In 8:51:50 Stunden pulverisierte die Solothurnerin den sechs Jahre alten Streckenrekord ihrer Landsfrau Karin Thürig um mehr als acht Minuten. Ein bisschen überraschte sich die Schweizerin beim Ironman Switzerland auch selbst, wie sie im Interview mit tri-mag.de erzählte.

Daniela Ryf, die letzten sieben Tage wirken recht verrückt. Erst am Mittwoch haben Sie entschieden, nach Ihrem Sieg in Roth auch beim Ironman Switzerland an den Start zu gehen, um das Hawaii-Ticket für die Weltmeisterschaften zu lösen. Wie gut hat sich diese Entscheidung am Renn-Morgen angefühlt?
Sehr gut, ich habe mich erstaunlich schnell erholt nach Roth. Es war ein Rennen, das nahezu perfekt war, und natürlich haben auch die Bedingungen und der Kies auf der Laufstrecke sicher ein bisschen geholfen, um die Beine nicht ganz zu verschlagen. Ich hatte eine gute Woche und bin auch für drei Tage zurückgegangen nach St. Moritz. Dort habe ich die Höhe schon ein bisschen gespürt, aber ich konnte ein gutes, lockeres Training mit ein paar schnelleren Einheiten machen. Heute Morgen habe ich mich wirklich sehr gut gefühlt. Klar, gegen Schluss eines Ironman, da kommt der Moment, an dem man einfach mal müde wird. Im Laufen die letzten 15 Kilometer, die waren schon hart. Aber ich bin super zufrieden mit beiden Rennen.

Sie hatten hier in Zürich vor zwei Jahren bereits einen Doppelstart, erst samstags den 5i50 und dann am Sonntag Ihr erster Ironman. Aber Roth und jetzt dieser Ironman – so ein Programm haben selbst Sie noch nicht abgespult?
Für mich war es einfach wichtig, wieder Renn-Praxis zu haben. Vor den zwei Rennen habe ich gesagt, dass es mich stärker machen wird, wenn ich das überlebe. Und das hat es definitiv. Die Chance, zweimal 180 Kilometer zu drücken ohne dabei mal rausnehmen zu müssen, das hilft sehr für die Form. Man muss natürlich Respekt haben vor der Langdistanz, aber eben auch nicht zu viel. Ich hatte vor Frankfurt überlegt: Kann ich das noch, neun Stunden Gas zu geben? Nach den zwei Rennen weiß ich es jetzt definitiv, dass ich es noch kann. Das hilft für die weiteren Rennen. Ich glaube, es wird mir gerade für Hawaii für den Kopf helfen.

Das Tief im Kopf nach Frankfurt dürfte komplett ausgebügelt sein?
Ja, die Bedingungen in Frankfurt waren schon ein bisschen extrem. Es war nicht unmenschlich, aber da hätte ich einfach nicht viel machen können. Es war einfach ein Tag, an dem ich mal nicht konnte. Für mich war es ärgerlich, weil eben die Quali auf dem Spiel stand – aber auch, weil ich noch nie nicht gefinisht habe. Das lässt mein Kopf nicht gern zu, da würde ich dann lieber Zweiter werden als nicht zu finishen. Das ist, ganz ehrlich, ein Scheißgefühl, da steht man vor dem Nichts. Jetzt bin ich sehr happy, dass ich zwei solche Rennen machen und zeigen konnte, was ich im Training gemacht habe. Ich war ja auch in Frankfurt nicht unfit.

Die letzten 15 Kilometer des Marathons in Zürich waren vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf das, was Sie auf Hawaii erwartet? Die Muskeln sind eigentlich zu, aber man muss einfach durch?
Nur man hat da eben noch eine Mirinda Carfrae, die einen 2:48-Stunden-Marathon läuft. Das ist nicht zu vergleichen. Ich denke aber, dass es vor allem für mich selber wichtig war. Ich muss auf mich achten und muss auch auf Hawaii mein eigenes Rennen machen. Wenn ich das Maximum heraushole, dann sehe ich, ob ich schneller bin als die anderen oder nicht.

In Roth haben Sie gemerkt, dass gerade im Marathon in Richtung 2:48 noch viel Puffer vorhanden ist. Bei Ihrem 2:57-Stunden-Marathon sah es nicht so aus, als würden Sie am Limit laufen?
Das war echt erstaunlich: Roth war die beste Laufleistung, die ich je auf einer Langdistanz gezeigt habe. Das hat mich sehr positiv gestimmt. Auch nach einem wirklich harten Radfahren konnte ich da richtig gut laufen. Ich hatte nur am Schluss mal kurz eine Krise zwischen Kilometer 28 und 35, aber das ging eben auch vorbei.

Von Krise war in Zürich überhaupt keine Spur. Jetzt geht es direkt zurück nach St. Moritz zur Vorbereitung auf die Ironman-70.3 WM in Mooloolaba und die Ironman-WM auf Hawaii?
Andere Rennen sind nicht geplant. Jetzt kommt ein bisschen Relaxing und dann das Training für die beiden großen Rennen.