Ironman Hamburg – Die Wette gilt

In seiner Wahlheimat möchte triathlon-Redakteur Daniel Eilers bei der Premiere des Ironman Hamburg auf seiner ersten Langdistanz den Sprung unter die 10-Stunden-Marke schaffen. Kann in einem Dreivierteljahr aus einem Läufer ein Ironman werden? Eine Reise ins Ungewisse beginnt.

Von > | 10. September 2016 | Aus: SZENE

Daniel Eilers Blog | triathlon-Redakteur Daniel Eilers bereitet sich auf den Ironman Hamburg vor.

triathlon-Redakteur Daniel Eilers bereitet sich auf den Ironman Hamburg vor.

Foto >Marcus Vogel

Ich sehe ihn noch heute vor mir: meinen Vater, wie er den Kopf schüttelte, als er vor sieben Jahren von meinem Marathonvorhaben erfahren hatte. Doch trotz aller berechtigten Zweifel stellte er mir zur Motivation eine Belohnung in Aussicht: „Wenn du das schaffst, hast du einen Wunsch frei.“ Nach zwölf Wochen Vorbereitung und einem Finish knapp unter vier Stunden löste ich sein Versprechen ein und wünschte mir einen neuen Laufschuh. Noch einen, warum das? Ein Investment in die zweite Wette mit ihm. Denn ich wusste, er würde eine Revanche fordern, weil er ein ebenso schlechter Verlierer ist wie ich. Nur dieses Mal musste ich den Marathon unter drei Stunden rennen, das war eine ganz andere Hausnummer. Der Wetteinsatz (eine Laufuhr) war deswegen ungleich höher. Weitere Wetten folgten nicht, vermutlich wurde ihm das Geschäft mit der Wette nach Zahlung der Laufuhr zu unsicher.

Entsprechend ereignislos, abgesehen von wenigen spontanen Starts bei Läufen und einer olympischen Distanz, verlief mein weiterer sportlicher Werdegang – bis letzte Woche, als bekannt gegebenen wurde, dass Hamburg einen Ironman bekommt. Ich war bei der Pressekonferenz vor Ort und augenblicklich von der Vorstellung fasziniert, in meiner Wahlheimat Hamburg den Olymp des Ausdauersportlers zu erklimmen. Hypothetisch kündigte ich nach der Bekanntgabe im Kollegenkreis meine erste Langdistanz an – nicht darum verlegen, eine eigentlich halbernste Wunschvorstellung in die Runde zu werfen: „Unter 10 Stunden sollte es schon gehen.“ Mein Kollege Nils Flieshardt schüttelte wie seinerzeit mein Vater den Kopf und war sich sicher: „Das schaffst du nicht!" Schnell war ein Wetteinsatz gefunden: Der Verlierer muss im Faris-Al-Sultan-Gedächtnis-Outfit einen Triathlon absolvieren. Mein sportlicher Ehrgeiz – die Badehose vor Augen – war urplötzlich wiederbelebt und die Wette mit festem Handschlag schneller besiegelt, als meine Synapsen die Konsequenz dieser folgenschweren Entscheidung zu einem "Was hast du getan?" verarbeitet hatten. Ironman? Das sind 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen – von allem ein bisschen zu viel, und schwimmen muss man auch noch. Wegen einer albernen Jungswette? Aus reiner Rhetorik wurde auf einen Schlag die Sehnsucht nach dem wohl größten sportlichen Abenteuer im Breitensport. Selten habe ich mich gleichzeitig so gefreut und geärgert. Dafür ein großes Dankeschön, lieber Nils!

Seit dem 15. September hat für mich eine neue Zeitrechnung begonnen, die bis zum 13. August 2017 andauern wird. Offen gesprochen: Ich war noch nie so unsicher, ob ich den Mund vielleicht zu voll genommen habe. Diese Unsicherheit möchte ich im Glauben teilen, dass ich nicht der einzige Athlet mit Zweifeln bin. Monatelang arbeitet man daran, Dinge möglich zu machen, die über die eigenen Vorstellungen, Fähigkeiten und körperlichen Kräfte hinausgehen – alles für den Traum vom Finish. Als Sportredakteur weiß ich, dass hinter jedem Zieleinlauf ein individuelles Schicksal mit Höhen und Tiefen, Entbehrungen und Momente des Glücks steckt. Über diese Gratwanderung möchte ich fortan schreiben, auch deswegen, weil ich denke, dass man einen Ironman nur mit der Unterstützung von Kollegen, Freunden, Trainingspartnern, der Lebensgefährtin und auch Followern angehen kann. Alleine kommt man nicht weit – eine Gesetzmäßigkeit, die kaum irgendwo mehr Gültigkeit besitzt, als im Leben eines Triathleten. Packen wir es an!